Hamburg : Baufälliges Bismarck-Denkmal: Sanierung beginnt 2019

Bismarck

Seit 1906 thront der Alte vom Sachsenwald über der Elbe.

Die Statik, des aus Granit geschlagenen Standbilds, ist labil. Die Instandsetzung des Denkmals soll bis 2020 dauern.

shz.de von
18. Mai 2018, 19:22 Uhr

Hamburg | Hamburgs größte Denkmal-Reparatur rückt näher: Die baufällige Bismarck-Statue über den Landungsbrücken soll ab Frühjahr 2019 aufwändig saniert werden. Diesen Starttermin hat der Bezirk Mitte am Freitag bestätigt. Für die Arbeiten an der gut 34 Meter hohen Statue sind laut Bezirk rund anderthalb Jahre bis Ende 2020 veranschlagt.

Schon seit 2013 ist klar, dass der steinerne Fürst dringend einer Generalüberholung bedarf, doch erst jetzt wird die Sache konkret. Die zahlreichen Schäden sind inzwischen aufgenommen, die Förderanträge an den Bund rausgegangen, wie eine Bezirkssprecherin sagte. Berlin zahlt die rund 6,5 Millionen Euro teure eigentliche Sanierung des Bauwerks, Hamburg will für die gleiche Summe den umgebenden Alten Elbpark auffrischen. 

Seit 1906 thront der Alte vom Sachsenwald über der Elbe. Es ist Hamburgs mit Abstand wuchtigstes Denkmal und die größte Statue Otto von Bismarcks (1815-1898) überhaupt. Allein der Sockel weist eine Höhe von 20 Metern auf, samt Unterbau wiegt das aus Granit geschlagene Standbild 2800 Tonnen. Es ist im Stil mittelalterlicher Roland-Figuren gestaltet, in martialischer Rüstung und auf ein zehn Meter langes Schwert gestützt lässt der Reichskanzler den gestrengen Blick gen Westen über den Strom schweifen.

Instabile Statik

Vor allem um die inneren Werte des Reichskanzlers steht es allerdings gar nicht gut. Nach dem Ausbau zum Luftschutzbunker im Zweiten Weltkrieg ist die Statik labil, der Hamburger Bismarck hat sich schon um bedenkliche zehn Zentimeter nach hinten geneigt. Die Katakomben sind so baufällig, dass die Öffentlichkeit keinen Zutritt hat. 

Acht wabenförmig angeordnete Räume beherbergt der Sockel. Dort hängen abgerissene Leitungen von den Wänden, im Mauerwerk klaffen tiefe Risse, Zuganker und Treppengeländer sind vom Rost zerfressen. Unablässig tropft Wasser durch, von der Decke starren Stalaktiten – Bismarcks Innenleben ist eine Tropfsteinhöhle.

Nazis-Schmierereien im Inneren

Doch nicht nur wegen der Baufälligkeit bietet sich dort ein schauriger Anblick. Wände und Decken sind voll kruder Nazisymbole. Neben Reichsadlern und einer Riesensonne samt Hakenkreuz finden sich dort auch angebliche Bismarck-Zitate völkisch-nationalen Zungenschlags. Allerdings ist nicht in allen Fällen sicher, dass die Aussagen tatsächlich vom Eisernen Kanzler stammen. Andere Passagen sind authentisch, aber aus dem Zusammenhang gerissen. Nach der Sanierung sollen die Innenräume für geführte Touren geöffnet werden.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen