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Prozess in Hamburg : Baby-Misshandlung in Finkenwerder: Acht Jahre Haft für Vater gefordert

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Der Vater soll sein Kind Ende April so stark misshandelt haben, dass es sehr schwer geschädigt bleibt.

Hamburg | Im Prozess um die schwere Misshandlung eines Babys aus Hamburg-Finkenwerder hat die Staatsanwaltschaft acht Jahre Haft für den angeklagten Vater gefordert. Die Vertreterin der Anklage beantragte am Dienstag vor dem Hamburger Landgericht außerdem, den Angeklagten innerhalb der Haftzeit für zwei Jahre in einer Alkoholentzugsklinik unterzubringen.

Der 27-Jährige habe den drei Monate alten Säugling nach einem Streit mit der Mutter und viel Alkoholkonsum nachts aus seinem Bett genommen. Als der kleine Junge anfing zu weinen, habe er ihn so stark geschüttelt, dass das Baby schwerste Schäden erlitt. Zugunsten des Angeklagten wertete die Staatsanwältin das Teilgeständnis des Vaters und seine Reue. Die Vertreterin der Nebenklage forderte mindestens zehn Jahre Haft.

Ferner solle der Angeklagte dem schwerstbehinderten Kind 250.000 Euro Schmerzensgeld und eine monatliche Rente zahlen, deren Höhe das Gericht festsetzen müsse. Der Verteidiger will sein Plädoyer am Donnerstag halten. Eventuell soll dann auch schon das Urteil gesprochen werden.

Gleich nach Geburt des Kindes Anfang Februar 2015 war das Jugendamt eingeschaltet worden, weil sich die Eltern nicht kooperativ verhielten, wie die Staatsanwältin ausführte. Es habe einen unangekündigten Besuch der Familienhilfe in der elterlichen Wohnung gegeben. Von da an kam eine Helferin einmal pro Woche, um nach dem Kind zu sehen. Eine Woche vor der Tat seien diese Besuche eingestellt worden, weil das Kind an Gewicht zugenommen hatte.

Den 28. April verbrachten der Angeklagte und die 30 Jahre alte Mutter nach eigenen Angaben mit Spielen am Computer und Handy sowie Alkoholtrinken. Schließlich gerieten sie in Streit. Das Kind sei weinerlich gewesen, aber am Abend schließlich eingeschlafen. Der Angeklagte räumte ein, dass er den Säugling nachts aus seinem Bett gehoben habe. Als er erwachte und weinte, habe er ihm ein bis drei Schläge mit dem Handballen gegen den Hinterkopf gegeben und das Kind wieder ins Bett gelegt. Am Morgen habe er das Baby erneut hochgenommen und gemerkt, dass es zusammensackte. Daraufhin wählte er den Notruf und weckte seine Frau. Gemeinsam reanimierten sie das Kind auf Anweisung der Retter.

Die lebensgefährlichen Verletzungen am Gehirn gehen nach Ansicht von Gutachtern nicht auf die Schläge zurück. Vielmehr müsse das Baby heftig geschüttelt worden sein. Daran konnte sich der Angeklagte im Prozess nicht erinnern, wollte der Darstellung aber auch nicht widersprechen.

In der Klinik wurde das Kind nach Angaben der Staatsanwältin in ein künstliches Koma versetzt und sieben Mal operiert. Es ist blind, taub, hat spastische Lähmungen und bekommt täglich Schmerzmittel. „Es wird nie wieder in der Lage sein, sein Leben wirklich zu leben“, sagte die Staatsanwältin.

Rechtsanwältin Christiane Yüksel, die das Opfer durch das Bezirksamt Hamburg-Mitte als Nebenkläger vertritt, schilderte den Zustand des Babys noch drastischer. „Es wird die nächsten Jahre in seinem Bett dahinvegetieren“, sagte sie. Vergeblich hatte sie beantragt, das Gericht möge die Palliativstation aufsuchen, wo das Kind inzwischen liegt. Im Unterschied zur Staatsanwältin nahm sie dem Angeklagten die gezeigte Reue nicht ab. „Für mich ist das ein taktisch geprägtes Aussageverhalten.“ Sie billigte dem 27-Jährigen auch keine verminderte Schuldfähigkeit aufgrund seines Alkoholkonsums zu.

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erstellt am 24.Nov.2015 | 18:29 Uhr

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