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Prozess in Hamburg : Baby fast zu Tode geschüttelt: Siebeneinhalb Jahre Haft für Vater

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Eine schockierende Tat: Ein junger Vater soll sein kleines Baby so heftig geschüttelt haben, dass es schwerste Hirnverletzungen erlitt.

Hamburg | „Das Leiden dieses Kindes ist fast unerträglich.“ Als Vorsitzender Richter der Jugendschutzkammer hat Ulrich Weißmann nach eigene Worten „viel Grausames“ erleben müssen. Doch das Schicksal von Jamie-Dean hat selbst den erfahrenen Hamburger Juristen an Grenzen geführt. Das drei Monate alte Baby war von seinem Vater im Alkoholrausch so heftig geschüttelt worden, dass es bis ans Lebensende schwerstbehindert vor sich hinvegetieren wird. Das Landgericht hat Vater Sascha K. (27) gestern wegen schwerer Misshandlung von Schutzbefohlenen zu einer Haftstrafe von siebeneinhalb Jahren verurteilt.

Der Angeklagte akzeptierte das Urteil noch im Gerichtssaal. Zuvor hatte K. - ein Hartz-IV-Empfänger mit langer Suchtgeschichte - bereits der Zahlung eines Schmerzensgeldes in Höhe von 100.000 Euro zugestimmt. Die Tat räumte der 27-Jährige weitgehend ein. In seinem letzten Wort vor dem Urteil sagte der Vater kleinlaut: „Ich hätte nie gedacht, dass ich zu so etwas fähig bin. Wenn ich könnte, würde ich es gern rückgängig machen.“

Ende April dieses Jahres hatte Sascha K. mit Jamies Mutter in der gemeinsamen Wohnung getrunken und am Computer gespielt. In einer Aufwallung väterlicher Liebe nahm er das schlafende Baby aus dem Bettchen. Als dieses „gequengelt“ habe, sei er „sauer“ geworden, so K. Mit dem Handballen versetzte er dem Sohn Schläge gegen den Kopf. An das Schütteln könne er sich nicht erinnern. Rechtsmediziner stellten dagegen fest, dass Jamie über mehrere Minuten kräftig hin- und hergeschüttelt worden sein muss. Bei den zehn bis 30 Schüttelbewegungen sei der Kopf des Säuglings „peitschenartig“ vor- und zurückgeschnellt. 

Mit verheerenden Folgen. „Wo einmal das Großhirn war, ist nur noch Wasser“, schilderte Nebenklageanwältin Christiane Yüksel in drastischen Worten den Zustand des Opfers. Jamie ist blind, taub, an Armen und Beinen gelähmt. Er liegt auf einer Palliativstation in Geesthacht, seine Lebenserwartung beträgt zehn Jahre.

Das Motiv der Misshandlung blieb weitgehend im Dunkeln. Im Verfahren hatte der Vater allerdings zugegeben, Jamie-Dean „anfangs“ nicht habe leiden können und eifersüchtig gewesen zu sein.

Ohnehin war es eine Katastrophe mit Ansage. Mehrfach hatten Nachbarn die Polizei und das Sozialamt gerufen, weil sich die überforderten Eltern lautstark stritten und schlugen. Eine Kinderkrankenschwester kümmerte sich zeitweise um die Familie, die schließlich weitere Hilfe ablehnte. Anzeichen von Kindeswohlgefährdung wollen die Behörden nicht entdeckt haben.

Richter Weißmann zitierte Bettina Wegners Lied „Sind so kleine Hände“ und wandelte es ab. „Sie hätte zu diesem Fall vielleicht gedichtet 'Sind so kleine Köpfe, zarte Hälse dran, darf man niemals schütteln, geh'n kaputt davon‘.“ Die Verantwortung des Täters ende nicht mit dem Urteil: „Diese Schuld werden sie bis an ihr Lebensende tragen.“

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erstellt am 26.Nov.2015 | 16:40 Uhr

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