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Hafencity in Hamburg : Baakenhafen-Quartier: „Ein Viertel für Normalos“

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Das Gelände am Baakenhafen wird sozial vielfältig. 1800 Wohneinheiten sollen hier entstehen.

shz.de von
erstellt am 19.Jan.2016 | 16:45 Uhr

Hamburg | Von wegen Wohnghetto der Reichen: Hamburgs Hafencity wird zusehends auch zur Heimat für Normalos, finanziell Schwache, Senioren, Menschen mit Behinderungen und Flüchtlinge. „Das Quartier Baakenhafen zeigt sich als sozial vielfältig und im besten Sinne emanzipatorisch“, versprach Hafencity-Chef Jürgen Bruns-Berentelg am Dienstag bei der Vorstellung von Bauplänen für 361 Genossenschafts- und Sozialwohnungen am größten Hafenbecken des Viertels. Rund um den Baakenhafen am Ostende der Hafencity sind insgesamt 1800 Wohneinheiten vorgesehen, ein Drittel davon als geförderter Wohnraum für Menschen, die sich die schicke Lage sonst nicht leisten könnten.

Nicht nur die Hamburger Hafencity ist für Wohnungsmieter ein teures Pflaster - in der gesamten Stadt sind die Mieten im Bundesvergleich sehr hoch.

Bruns-Berentelg präzisierte zudem die Pläne für eine Asylunterkunft in einem der teuersten Stadtteile Hamburgs. Die Folgeunterkunft werde auf einem Grundstück am Übergang zum Elbbrücken-Quartier entstehen, wo bisher die Hochbahn Baumaterial lagert. Das Gelände stehe nur bis etwa 2020 zur Verfügung, danach würden dort wie geplant feste Wohnhäuser errichtet, sagte der Chef der Hafencity GmbH. Das Brachland befindet sich ganz im Osten des Baakenhafen-Viertels, mehrere hundert Meter vom bebauten Teil entfernt. Nach den Angaben sollen dort provisorische Modulbauten erreichtet werden, die Asylbewerber könnten im April oder Mai einziehen. Für eine längerfristige Unterbringung von Migranten in der Hafencity gebe es keinen Standort, betonte Bruns-Berentelg. Das aber hatte sich die Bezirksversammlung Mitte gewünscht. Stadtentwicklungs-Professor Bruns-Berentelg hält den Ansatz für grundfalsch. „Hunderte Flüchtlinge über zehn Jahre in einem Wohnblock - das führt zu Ghettoisierung.“

Als die Pläne für die Hafencity vor 15 Jahren Gestalt annahmen, waren Sozialwohnungen noch tabu. Wie sehr sich die Zeiten gewandelt haben, wird vor allem am Baakenhafen zu besichtigen sein. Die am Dienstag präsentierte Bebauung dreier großer Baufelder im Zentrum des Quartiers setzen einen klaren Akzent auf bezahlbares Wohnen, Nahversorgung und Gemeinschaftsflächen. „Eine Stadt für alle“, sagen die Macher. Sechs Baugenossenschaften und vier Baugemeinschaften schaffen dort für ihre Mitglieder neue Wohnmöglichkeiten. An Bord sind zudem soziale Träger, die betreutes sowie behinderten- und altengerechtes Wohnen realisieren. Besonders außergewöhnlich ist das Engagement von Hamburg Leuchtfeuer. Die Hospizstiftung errichtet am Baakenhafen das Haus „Festland“ mit 25 Wohnungen für unheilbar chronisch Kranke. Geschäftsführer Ulf Bodenhagen: „Die Wohnungen sollen MS- und AIDS-Kranken ein eigenständiges Leben ermöglichen, ihnen aber zugleich die nötige Betreuung anbieten.“

Michael Wulff, Vorstand im Bauverein der Elbgemeinden, kündigte für die sozial geförderten Wohnungen mit Elbblick konkurrenzlos günstige Mieten an. Im ersten Förderweg beginne der Preis bei 6,30 Euro pro Quadratmeter. Die frei finanzierten Wohnungen lägen bei elf bis 14,50 Euro. Wulff: „Angesichts der sonstigen Durchschnittsmiete in der Hafencity von 16 bis 18 Euro ist mir nicht bange, dass wir genug Interessenten finden.“

Die Bauweise auf den drei Baufeldern passe sich der Vielfalt an, betonte Oberbaudirektor Jörn Walter. „Wir verbinden tolle Inhalte mit toller Architektur.“ Die Elbfront sei abwechslungsreich gestaltet, als Ensemble aber stimmig. Schließlich, so der Oberbaudirektor, sei die Silhouette am Baakenhafen das Erste, was Reisende von den Elbbrücken aus erblickten. „Wir bauen mit einer gewissen Würde, denn Hamburg ist ja nicht irgendeine Stadt.“

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