Vom Flüchtlingsmädchen zur „Finanzministerin“ : Awaz Almuslim aus Syrien hilft geflüchteten Kindern und Jugendlichen

Awaz Almuslim kam vor zwei Jahren aus Syrien nach Deutschland.

Awaz Almuslim kam vor zwei Jahren aus Syrien nach Deutschland.

Die Botschaft von der 22-Jährigen: „Ich möchte Mädchen weltweit ermutigen, daran zu glauben, dass sie stark sind“.

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11. Dezember 2017, 10:44 Uhr

Hamburg | Awaz Almuslim ist eine selbstbewusste junge Frau. Mit neugierigen Augen mustert die 22-Jährige ihr Gegenüber. Sie ist geschminkt, Fingernägel schwarz lackiert, eine modische Brille steckt locker in ihren schwarzen, langen Haaren. Vor zwei Jahren kam Awaz Almuslim als Flüchtling aus Syrien nach Deutschland. Mittlerweile spricht die 22-Jährige sehr gut Deutsch und hilft anderen Flüchtlingen, sich in Deutschland zurechtzufinden.

„Ich möchte Mädchen weltweit ermutigen, vor allem auch in den arabischen Ländern, daran zu glauben, dass sie stark sind, dass sie etwas zu sagen haben und dass sie etwas bewegen können, wenn sie sich zusammen tun“, sagt die Syrerin.

Geboren wurde Awaz Almuslim nach eigenen Angaben in Aleppo, aufgewachsen ist sie in Homs. In Syrien hat sie fünf Semester Jura studiert, sich beim „Roten Halbmond“ engagiert. Für ihre Familie wird es immer schwerer im Krieg in Syrien zu leben. Als dann auch noch ein Bombenanschlag die junge Frau verletzt, beschließen sie zu fliehen.

Zusammen mit ihren Eltern und ihren zwei Brüdern (17 und 20 Jahre alt) macht sich Awaz Almuslim auf den Weg nach Europa. Zunächst mit dem Auto in den Libanon, dann in die Türkei und mit dem Boot nach Griechenland. Im Herbst 2015 strandet sie mit zahlreichen anderen Flüchtlingen in Hamburg, ein Onkel der Familie lebt hier.

Nach einem Monat in Neumünster kommt die Familie in der Erstaufnahme in der Kieler Straße unter. Dort bleiben sie bis Mai 2016. „650 Menschen in einer Halle, nirgends gab es ein Privatsphäre“, erinnert sich die junge Frau. Im Januar 2016 wird die 22-Jährige auf ein Projekt aufmerksam, das das Kinderhilfswerk Plan International in Zusammenarbeit mit der Johanniter-Unfall-Hilfe organisiert hat.

Seitdem engagiert sich Awaz als „Community Mobilizer“ für geflüchtete Kinder und Jugendliche. „Gerade die jungen Flüchtlinge können Gleichaltrigen Unterstützung und Hilfe auf Augenhöhe anbieten und ihnen so helfen, in der fremden Umgebung Fuß zu fassen“, sagt Claudia Meyerhöfer, Leiterin der Jugendgruppe.

So berichten die Jugendlichen auf einem Online-Blog (www.youthadvocates.de) über ihre Erfahrungen, ein Fotoprojekt soll den Geflüchteten den deutschen Alltag näher bringen. „Ich möchte gerne eine Brücke zwischen deutschen und syrischen Jugendlichen bauen“, sagt die 22-Jährige, die später im Bereich Ökotrophologie arbeiten möchte. Ihre Eltern haben sie liberal erzogen. Aber viele andere Mädchen und Frauen aus arabischen Ländern könnten von der Gleichberechtigung von Männern und Frauen in Deutschland profitieren. „Sie erleben, dass sie hier frei entscheiden und frei denken können. Ihre Chance nutzen viele dann auch“, meint Awaz.

Höhepunkt ihres Engagement war sicherlich der Auftritt am 11. Oktober beim Welt-Mädchentag in Berlin. Auf einer Pressekonferenz, die Plan International organisiert hatte, übernahm die 22-Jährige als Bundesfinanzministerin neben zwei deutschen Mädchen symbolisch die Regierung und forderte mehr Rechte für junge Frauen in aller Welt. „Am Ende möchte ich sagen, jedes Mädchen sollte wissen, dass sie viel tun kann und die Fähigkeit hat, ein starkes Mädchen zu sein und dass sich ihre Träume erfüllen können“, schrieb sie dazu im Online-Blog.

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