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Polizeimuseum Hamburg : Ausstellung: Hitler-Tagebücher, „Dagobert“ und eine Säge

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Eine Ausstellung im Hamburger Polizeimuseum zeigt 200 Jahre Polizeigeschichte. Darunter: Die Streusandkiste des Kaufhauserpressers „Dagobert“, die gefälschten Hitler-Tagebücher und die Waffen des „St.-Pauli-Killers“. Der Bereich im Obergeschoss wird erst ab 14 Jahren empfohlen.

Am 9. November 1984 wird im Osterbekkanal in Barmbek ein 1,08 Meter hohes und über 200 Kilogramm schweres, schwarzes Fass gefunden. Darin: die Leiche eines getöteten Mannes. Die Ermittlungen ergeben, so ein Schriftstück, dass das Fass ein Tag zuvor in der Hansestadt gekauft wurde. Das Fachkommissariat Tötungsdelikte setzt eine Belohnung von 10.000 Mark aus. Auch die Presse berichtet. Doch der Täter wird nie gefunden. Bis jetzt. Mord verjährt nicht und die Mordkommission prüft in regelmäßigen Abständen, ob es neue Ermittlungsansätze gibt. Anhand von Schriftstücken aus der Zeit, Fotos und Akten erfährt der Besucher im Polizeimuseum Hintergründe.

Mörder, Erpresser, Bankräuber und ein lebensrettendes Merkbuch stehen im Mittelpunkt ausgewählter Kriminalfälle, die im Dachgeschoss des Hauses präsentiert werden. Werkzeuge, Tatwaffen, original Ton- und Filmaufnahmen demonstrieren anschaulich, wie Tatverdächtige vorgingen und dokumentieren, wie Kriminalbeamte ermittelten. Besucher erfahren mehr über die acht spektakulärsten Kriminalfälle der Hansestadt: Ausgestellt sind die gefälschten Hitler-Tagebücher, die Original-Streusandkiste des Kaufhauserpressers „Dagobert“, die Waffen des „St.-Pauli-Killers“ Pinzner und die Säge des Frauenmörders Fritz Honka.

 

Nur ein Zufall deckte die grausame Tat des Frauenmörders auf. Nach einem Feuer in einem alten Altbauhaus in Altona fallen den Zivilbeamten im Dachgeschoss blaue Müllsäcke entgegen. Sie sind prall gefüllt mit abgeschnittenen Armen und Beinen, so der Originalbericht. Fotos von Opfern der Mordfälle zeigt die Ausstellung nicht, wie Inse Leiner von der Polizei Hamburg erklärt: „Wir zeigen das reale Verbrechen in seiner schonungslosen Wahrheit, aber wir müssen ethnische Normen einhalten.“ Alle notwendigen Angaben zu den Geschädigten werden so präsentiert, dass ihre Würde nicht angetastet wird.

Trotzdem wird der Bereich im Obergeschoss erst ab 14 Jahren empfohlen. Auf den anderen Etagen geht es auf insgesamt 1400 Quadratmeter trivialer zu. Eine Etage tiefer widmet sich eine Ausstellung der Kriminaltechnik und gibt Besuchern Einblicke und Möglichkeiten zum Ausprobieren. Am Computer kann ein Phantombild erstellt werden. Rund 5700 Objekte aus den unterschiedlichsten Bereichen der Polizeiarbeit machen den Museumsbestand aus. Der Großteil stammt aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, aber auch aus den Frühzeiten des Hamburger Kriminalmuseums. Darüber hinaus sind viele Dokumente, Akten, Pläne und Handschriften aus Beständen der Polizei in den Besitz des Hamburger Staatsarchivs übergegangen.

Die Eröffnung des Museums bildet den Auftakt zur 200-Jahr-Feier der Polizei Hamburg. Ausgewählte Exponate, wie die berühmte Pickelhaube aus der Kaiserzeit und ein Spurensicherungskoffer von den Anfängen der Kriminalermittlung, geben Antworten darauf, wie und warum sich die Aufgaben der Polizei im Laufe der zwei Jahrhunderte verändert haben. „Wir haben den Anspruch zu zeigen, was gewesen ist. Der Besucher möchte mehr über die Zeit erfahren“, sagt Historikerin Nina Holsten. Das sei auch im Sinne des Ursprungsgedankens des Museums. „Das Museum haben wir nicht nur für die Öffentlichkeit gemacht, sondern auch für die polizeiliche Ausbildung“, erklärt Inse Leiner. Und da sei es naheliegend, alles so ausführlich und sachlich zu zeigen, wie möglich.

Auch einen Streifenwagen, allerdings nur halbiert. Erst vor zwei Wochen wurde ein in der Mitte zerteilter Funkstreifenwagen in den 1. Stock des neuen Polizeimuseums eingehoben. Der etwa 560 Kilogramm schwere Mercedes-Benz wurde bei einem Verkehrsunfall rechtsseitig so stark beschädigt, dass er als Totalschaden ausgemustert werden musste. Das Auto wurde zerteilt, präpariert und mit einem Untergestell versehen, auf dem das halbe Fahrzeug stehen kann. Ein wirklicher Höhepunkt der Ausstellung.

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erstellt am 26.Feb.2014 | 19:56 Uhr

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