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Aquarust in Haseloh : Augenzeugin: Heilpraktiker im Rausch „völlig außer Kontrolle“

vom
Aus der Onlineredaktion

Eine Tagung von 29 Homöopathen endet im psychedelischen Vollrausch. Stefka Weiland findet die vergiftete Horde vor.

Haseloh | Nach dem lebensgefährlichen Massenrausch bei einem Heilpraktikertreffen in Haseloh bei Hamburg sind neue Details ans Tageslicht gekommen.  Die Tanzpädagogin und Geschäftsführerin der Stiftung „Heilende Kräfte im Tanz“, Stefka Weiland, erzählt im „Spiegel“, wie sie die Situation als Außenstehende erlebt hat.

29 Teilnehmer waren am 4. September nach Drogeneinnahme kollabiert und mit Wahnvorstellungen, Krämpfen, Schmerzen, Luftnot und Herzrasen in Krankenhäuser gebracht worden. Es soll sich bei der eingenommenen Substanz um das Psychedelikum 2C-E gehandelt haben.


Die Droge Aquarust

Aquarust ist der Szenename für 2,5-Dimethoxy-4-ethylphenethylamin (2C-E) und ist ein sogenanntes Psychedelikum. Es zählt wie das Amphetamin zu den Phenylethylaminen. 2C-E verändert die Wahrnehmung von Farben und Geräuschen und ist zudem ein sehr starkes Halluzinogen - lässt also Dinge sehen, die gar nicht da sind. Zu den Nebenwirkungen zählen Schwitzen und Übelkeit. Meist wird die Substanz geschluckt. Legal therapeutisch verwendet wird 2C-E nicht, weil nicht genügend über das Suchtpotenzial, mögliche Langfristschäden und die Nebenwirkungen der Psycho-Droge bekannt ist. In Deutschland ist es seit Dezember 2014 verboten.

„Stinksauer“ sei sie über die Geschehnisse, sagt Weiland. Die Heilpraktiker hätten sich in diesem Workshop mit der Bereitung homöopathischer Mittel beschäftigen wollen. Um deren Wirkung zu testen, sollten die Substanzen von den Teilnehmern selbst eingenommen werden. 17 Jahre lang sei das 250 Jahre alte Reetdachhaus ein Ort „der Einkehr und des Friedens“ gewesen.

Am Tag des Exzesses habe sie „ein schreiendes Stöhnen" gehört. Im Garten sei sie auf drei Leute gestoßen, „die völlig die Kontrolle verloren hatten“, ein Teilnehmer winselte liegend und musste sich fortlaufend übergeben, sagte Weiland. Einen vierten Verwirrten hätte sie auf dem Weg zur Straße einfangen müssen.

Im Seminarraum habe sich ein noch heftigeres Bild aufgetan: „Die Teilnehmer lagen auf dem Boden, stöhnten und hatten keine Kontrolle mehr über sich.“ Nach ihrem Notruf seien 200 Rettungskräfte eingetroffen: „Der Seminarraum glich einem Feldlazarett“, überall sei Blut zu sehen gewesen, nachdem den Rauschjüngern Kanülen gelegt wurden. Drei Tage habe sie anschließend gebraucht, die Räumlichkeiten von den Rückständen des mehrstündigen Großeinsatzes zu reinigen. Die Kratzer der Schuhe auf dem speziellen Barfuß-Holzfußboden seien geblieben.

Noch am selben Tag seien die Heilpraktiker, die bei vorherigen Buchungen „angenehme Gäste“ gewesen seien, aus der Klinik ins Haus zurückgekehrt, um die Sachen zu packen. Einige hätten noch „verstört“ gewirkt.

Ermittelt wird wegen des Verdachts des Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz.

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erstellt am 14.Sep.2015 | 13:48 Uhr

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