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Deponie statt Naturidylle : Aufruhr gegen Hamburger Müllkippe

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Die Hügel der Hummelsbüttler Feldmark im Hamburger Norden sind ein beliebtes Ziel für Naturfreunde. Einst beherbergte das Gebiet eine Mülldeponie. Das soll auch in Zukunft wieder der Fall sein. So sieht es zumindest der Plan eines Unternehmens aus Schleswig-Holstein vor.

shz.de von
erstellt am 16.10.2013 | 09:00 Uhr

Hamburg | 40 Meter hoch, bewachsen mit Bäumen und Wiesen, der Blick fällt weit in die Umgebung - kurz: eine echte Öko-Nische in der Großstadt. Entsprechend erfreuen sich die Hügel der Hummelsbüttler Feldmark im Hamburger Norden erheblicher Beliebtheit bei Spaziergängern, Joggern, Hundebesitzern und Naturfreunden. Dass die Idylle an der Grenze zu Norderstedt einst ein Gebirge aus Müllbergen war, sieht man ihr nicht an. Dass nun aber diese Vergangenheit des Ortes als Großdeponie wieder aufleben soll, versetzt viele Anwohner in Aufruhr.

Ein Tiefbauunternehmen aus Tangstedt (Kreis Stormarn) will an der Westseite des grünen Hügels eine neue Deponie einrichten. Im Laufe der nächsten elf Jahre sollen dort 300.000 Kubikmeter leicht belasteter Bodenaushub und Bauschutt abgeladen werden dürfen. Die Neudeponie würde sich ebenfalls bis zu einer Höhe von 40 Metern auftürmen und 40.000 Quadratmeter Fläche einnehmen.

Genehmigt ist noch nichts, das Planfeststellungsverfahren ist gerade angelaufen – und dasselbe gilt für den Protest der Betroffenen. Binnen weniger Wochen hat eine Bürgerinitiative mehr als 9000 Unterschriften gegen das Projekt gesammelt. „Wir wollen diese Deponie hier auf keinen Fall, das Deponiezeitalter muss beendet werden“, sagt Initiativensprecherin Beate Otteni. Sie und ihre Mitstreiter erinnern an die Hiobsbotschaften, die 1986 von den Hummelsbüttler Altdeponien ausgingen. Damals waren in Trinkwasserbrunnen der Umgebung alarmierend hohe Schadstoffwerte gemessen worden. Schnell gerieten die Müllberge als Quelle ins Visier. Auf ihnen waren seit 1967 große Mengen legaler und illegaler Abfälle gelagert worden. Otteni: „Die Anwohner haben hier schon sehr viel zu leiden gehabt.“

Die Deponiegegner befürchten, dass die geplante Lagerstätte nun ganz ähnliche Probleme und damit eine „weitreichende Gefährdung der Feldmark“ verursacht. Zudem drücke der neue Müllberg auf die Altlasten, wodurch weitere Giftstoffe freigesetzt würden. Und selbst wenn alle Umweltgefahren ausgeschlossenen werden könnten: Die Hummelsbüttler und auch Bewohner der angrenzenden Stadtteile Langenhorn und Poppenbüttel wollen in ihrem Kleinparadies schlicht keinen jahrelangen Bauschutt-Pendelverkehr dulden. Sie fordern stattdessen ein ökologisches Gesamtkonzept und die Zusicherung, dass dort nie wieder deponiert werden darf.

Die Umweltbehörde von Senatorin Jutta Blankau (SPD) will das Vorhaben noch nicht bewerten. „Das Planfeststellungverfahren hat am 1. August begonnen. Alle Prüfungen laufen noch“, sagt Blankaus Sprecher Volker Dumann. Allerdings herrscht in Hamburg Deponiemangel, nicht zuletzt wegen der regen Bautätigkeit der jüngsten Vergangenheit.

Das Tangstedter Unternehmen Eggers weist derweil alle Befürchtungen zurück. Ihr Sprecher Wolfgang Raike sichert zu, die Betroffenen ausführlich über die Einzelheiten des Vorhabens unterrichten zu wollen. Dann, so Raike, werde deutlich werden, dass die zusätzliche Lagerstätte auch „Vorteile für Mensch und Natur“ bringe. Durch die Aufschüttung erfahre das Erholungsgebiet sogar eine Erweiterung. Der Bereich solle rundum versiegelt und zur Naturfläche umgestaltet werden. Eine Gefahr für die Umwelt gehe von dem nur leicht kontaminierten Bauschutt nicht aus, betont das Unternehmen. Selbst das Regenwasser werde aufgefangen, um ein Durchsickern ins Grundwasser zu verhindern. Und: Von einem Müllimport aus Schleswig-Holstein könne auch keine Rede sein. Das Deponiegut stamme „zu 99 Prozent“ von Hamburger Baustellen. Dieses über weite Strecken auf Lagerstätten in den Nachbarländern zu bringen wäre weder umweltverträglich noch wirtschaftlich.

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