Hamburg : Auf Streife mit zwei „Waste Watchern“: Stadt will härter gegen Umweltfrevler durchgreifen

Wilder Müll am Container: Die „Waste Watcher“ suchen nach einer Adresse.
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Wilder Müll am Container: Die „Waste Watcher“ suchen nach einer Adresse.

Die Stadt Hamburg setzt Müllfahnder gegen Umweltsünder ein. Achtlos weggeworfener Müll kann jetzt teuer werden.

shz.de von
11. Mai 2018, 19:09 Uhr

Hamburg | Neun Uhr morgens in Hamburg. Während andere noch schlafen, frühstücken oder auf dem Weg zur Arbeit sind, haben Deniz Pelit und Oliver Niels schon längst den ersten Dreck hinter sich. Die beiden Müllfahnder sind eins von 15 Zweier-Teams, die die Stadtreinigung Hamburg seit Jahresanfang im gesamten Stadtgebiet einsetzt.

Die „Waste Watcher“, wie die Müllaufpasser genannt werden, achten darauf, dass niemand die Straßen und Parks verschmutzt. Die weggeworfene Chipstüte, der stehengelassene Kaffee-To-Go-Becher, Hundekot und achtlos weggeschnippte Zigarettenkippen oder gar wilde Müll-Ablagerungen − die Waste Watcher haben alles im Visier.

Wer erwischt wird, muss inzwischen mit einem handfesten Bußgeld statt mahnender Worte rechnen; die Schonfrist für Müllsünder ist verstrichen. Seit Anfang Mai sind die Müll-Polizisten angehalten, verstärkt Bußgelder zu verhängen. Etwa für eine Zigarettenkippe zwischen 15 und 55 Euro.  „Alle, die dabei beobachtet werden, wie sie unsere Stadt durch Bequemlichkeit oder Rücksichtslosigkeit verschmutzen, werden jetzt zur Kasse gebeten“, stellt Holger Lange, Geschäftsführer der Stadtreinigung Hamburg, klar.

Die Höhe der Verwarn- und Bußgelder orientiert sich am Bußgeldkatalog der Hamburger Bezirksämter. Danach werden für kleine Sünden wie das  Wegwerfen einer Zigarettenkippe zwischen 15 und 55 Euro, für  das Abstellen eines To-Go-Bechers ebenfalls bis zu 55 Euro  fällig. Bei größeren Mengen oder Hundekot kann es deutlich teurer werden − bis zu 2000 Euro. Die Höhe des Bußgeldes variiert – je nachdem, ob es sich etwa um einen Wiederholungstäter handelt und ob er einsichtig ist.

„Müll ist gesellig“

Deniz Pelit und Oliver Niels starten morgens um sechs Uhr in ihr Revier, die Stadtteile Bergedorf und Harburg. Erstes Ziel ist ein Container-Standort, verkehrsgünstig an einer Autobahnauffahrt gelegen. Jeden Morgen finden die beiden Kollegen hier zwei bis drei Kubikmeter wilden Müll. „Das ärgert einen schon, dass Leute einfach ihren Müll abladen. Nach dem Motto: 'Mir doch egal, wie es hier aussieht'“, sagt der 35-jährige Waste Watcher Deniz Pelit.

Gemeinsam mit seinem 46-jährigen Teampartner Oliver sucht er in dem wilden Müll nach einer Adresse, um den „Täter“ ausfindig zu machen. Und sofort werden auch die Kollegen von der Stadtreinigung benachrichtigt, die den wilden Müll entsorgen. Denn: „Müll ist gesellig“, weiß Deniz Pelit. Wenn erst einmal ein Sofa am Straßenrand stehe, komme schnell ein zweites dazu.

Auf Streife: Deniz Pelit (links) und Oliver Niels.
Barbara Glosemeyer

Auf Streife: Deniz Pelit (links) und Oliver Niels.

 

Als die Beiden etwas später in der Fußgängerzone von Bergedorf Streife gehen, fällt das Duo in seinen dunkelblauen Dienst-T-Shirts mit der Aufschrift „Waste Watcher“ auf dem Rücken sofort auf. Die großen Tattoos auf den nackten Unterarmen und die Sonnenbrillen tun ihr Übriges.

Zwei Frauen bemerken sie dennoch nicht und schnippen ganz nebenbei und fast zeitgleich ihre runter gerauchten Zigarettenstummel auf die Straße. Von den Waste Watchern darauf angesprochen, reagieren sie peinlich berührt: „Eigentlich mach ich das auch nicht. Ich war jetzt wohl mit meinen Gedanken ganz woanders“, versucht sich eine zu rechtfertigen. Die Ansprache der Müllfahnder finden beide Frauen aber gut und richtig. „Wir machen unsere Ansagen auf nette, freundliche Art“, sagt Waste Watcher Oliver Niels.

Und die meisten seien einsichtig, auch „wenn manche am Anfang vielleicht ein bisschen angepisst“ seien. Wie die Waste Watcher reagieren, wenn jemand ausfallend wird, sei immer auch eine Frage der Verhältnismäßigkeit.

„Wegen einer Kippe muss ich nicht die Polizei holen.“

Den Waste Watchern geht es vor allem darum, Präsenz zu zeigen. „Wir wollen nicht ständig Tickets verteilen, sondern die Leute durch unsere Anwesenheit zum Nachdenken bringen“, sagt Deniz Pelit. Und sein Kollege stellt klar: „Wir sind die Guten und wollen nicht die Bösen sein.“ Durchgreifen müssen sie dennoch.

Seit Anfang des Jahres haben die 30 Waste Watcher schon 476 Bußgelder verhängt, wie ihr Sachgebietsleiter Michael Manneck berichtet. Und das ist erst der Anfang. Derzeit laufen die Ausschreibungen für noch mehr Waste Watcher, insbesondere  für Einsätze an den Wochenenden und an Feiertagen. Denn dann ist es am schlimmsten in den Grünanlagen und Parks.

Für Oliver Niels und Deniz Pelit endet der Arbeitstag um 14 Uhr, die zweite Schicht rückt aus. Kann man den Müllfahnder-Blick nach Feierabend eigentlich ausschalten? Oliver Niels lacht, als ob man ihn jetzt ertappt hätte: „Nee, das geht nicht. Meine Frau meckert schon.“

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