Hamburger Kiez : Auf St. Pauli dürfen bald nur noch Anwohner parken

Ein Verkehrschild weist auf freies Parken für Bewohner mit Parkausweis hin. /Symbolbild
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Ein Verkehrschild weist auf freies Parken für Bewohner mit Parkausweis hin. /Symbolbild

30,30 Euro kostet das Parken für Anwohner im Jahr, Kiez-Besucher müssen bald stündlich zahlen.

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12. Februar 2018, 20:26 Uhr

Hamburg | Ganz St. Pauli wird zur Zone für Anwohnerparken. Wie der Landesbetrieb Verkehr (LBV) bestätigt, soll ab Frühjahr nur noch für Bewohner frei Parken im Vergnügungsviertel gelten. Besucher müssen dann auf allen 4100 zugelassenen Stellflächen bezahlen. „Wir wollen den großen Parkdruck verringern“, erläutert Thomas Adrian, Fachgebietsleiter beim LBV.

Mit den stetig steigenden Besucherzahlen im Rotlichtviertel haben die echten St. Paulianer immer größere Probleme, ihren fahrbaren Untersatz in Wohnungsnähe loszuwerden.

Im Auftrag der Stadt hat ein Fachbüro die Situation untersucht. Das Ergebnis: „Besonders werktags sind praktisch alle öffentlichen Parkplätze belegt, vielfach durch Dauerparker, die nicht im Quartier leben, sondern als Pendler und Beschäftigte hier parken.“ Sind die Pendler weg, blockieren abends und nachts die Autos von Kiezbummlern freie Plätze.

Deshalb soll die bestehende Anwohnerparkzone deutlich ausgeweitet werden und bald den gesamten Stadtteil samt Randbereichen umfassen. Das Gebiet wird von der Holstenstraße im Norden bis zum Fischmarkt im Süden reichen, sowie von der Helgoländer Allee im Osten bis zum Nobistor im Westen. Wer dort lebt, erhält auf Antrag einen Anwohner-Ausweis für eine Jahresgebühr von 30,30 Euro.

Für alle anderen Kfz-Besitzer kostet das Kiez-Parken künftig Geld. 90 Parkscheinautomaten will die Stadt bis April aufstellen, an denen zwei Euro je Stunde fällig werden. Die Höchstparkdauer ist auf drei Stunden beschränkt, damit die Stellflächen regelmäßig wieder frei werden. Der LBV kündigt bereits verstärkte Kontrollen an. Adrian: „Für die Bewohner erhöht sich die Chance erheblich, tatsächlich vor der Tür einen freien Parkplatz zu finden.“

Auch in anderen Quartieren mit chaotischen Parkplatzverhältnissen könnte bald Anwohnerparken gelten. Nach Angaben des LBV prüft er das Modell derzeit für Ottensen, Billstedt sowie rund um den Flughafen in Fuhlsbüttel

Die FDP-Opposition lehnt die Pläne entschieden ab. Ewald Aukes, verkehrspolitischer Sprecher der Liberalen-Bürgerschaftsfraktion, spricht von einem „weiteren Beispiel für die Stückwerks-Politik des Senats“. Anwohnerparken löse die Parkplatzprobleme nicht, sondern gehe auf Kosten von Besuchern und Geschäftsleuten. „Was Hamburg endlich braucht, ist ein ganzheitliches Verkehrskonzept, das die Problematik auf den Straßen löst und nicht beide Gruppen gegeneinander ausgespielt werden.“

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