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Genitalverstümmelung : Auch in Hamburg lassen Eltern ihre Töchter beschneiden

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Dem Senat sind Fälle von Genitalbeschneidung bei Mädchen bekannt. Die Linke fordert härtere Strafen.

shz.de von
erstellt am 22.Mai.2017 | 11:34 Uhr

Hamburg | In Hamburg gab es im vergangenen Jahr Fälle von Genitalverstümmelung bei Mädchen, das geht aus einer Antwort des Senats auf eine kleine Anfrage der Linkspartei hervor.

In Deutschland leben rund 48.000 Mädchen und Frauen, die Opfer von Genitalverstümmelung wurden. 5700 Mädchen sind laut einer Studie vom Februar 2017 akut bedroht, andere Schätzungen gehen von 9000 aus.

Bei einem acht Jahre alten Mädchen aus dem Hamburger Bezirk Wandsbek ist 2016 die Genitalverstümmelung festgestellt worden, die bereits im Sudan vorgenommen wurde. Weitere drei Fälle von drohender Beschneidung an Säuglingen gab es im Raum Hamburg Altona. Ihre Sorgeberechtigten konnten durch intensive Beratung durch das Jugendamt davon überzeugt werden, die Eingriffe nicht machen zu lassen. Aus dem laufenden Jahr ist dem Senat kein Fall bekannt.

Die Mitarbeiter des Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) dokumentierten zudem vier Verstümmelungen. Drei davon wurden bei Krankenhausbesuchen schwangerer Frauen aufgrund der nahenden Entbindungen entdeckt. Ein weiterer Fall offenbarte sich den Klinikmitarbeitern bei einer rekonstruktiven Zweitversorgung. Der Senat geht von einer hohen Dunkelziffer aus.

Die Genitalbeschneidung und -verstümmelung wird von den Familien der Betroffenen oft damit begründet, dass es Tradition sei. Nach Studien ist sie vor allem in Afrika und in einigen arabischen Staaten verbreitet.

Einsatz gegen Genitalverstümmelung

Um gegen weibliche Genitalverstümmelung vorzugehen und sie von vornherein zu unterbinden, ist das Thema Bestandteil des Konzepts zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und Mädchen, Menschenhandel und Gewalt in der Pflege. Die Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration arbeitet zudem mit dem Projekt „Change“ und dem Verein „Kinderhilfswerk Plan International Deutschland“ zusammen, um die Präventionsmaßnahmen im Kontext der Flüchtlingsarbeit zu stärken.

Die Linke Hamburg fordert jetzt stärkere Maßnahmen gegen Genitalverstümmelung. Dazu hat die Fraktion jetzt einen Bürgerschaftsantrag eingereicht, wie da Hamburger Abendblatt berichtete. In dem betonen die Parteimitglieder, dass die Genitalverstümmelung „eine Menschenrechtsverletzung mit massiven psychischen und physischen Auswirkungen für die Betroffenen" ist. Dagegen müsse mit Strafen und durch Aufklärung vorgegangen werden.

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