Fälle in HH und SH : „Attraktives Betätigungsfeld“ – Kriminelle sprengen immer öfter Geldautomaten

Splitter und ein Schild mit der Aufschrift „Geldautomat“ liegen vor einem gesprengten Geldautomaten in einem Einkaufszentrum auf dem Fußboden.
Splitter und ein Schild mit der Aufschrift „Geldautomat“ liegen vor einem gesprengten Geldautomaten in einem Einkaufszentrum auf dem Fußboden.

Kriminelle nehmen in Hamburg häufiger Bankautomaten ins Visier und sprengen sie – auch bundesweit ist die Zahl gestiegen. Auch in Schleswig-Holstein versuchten es die Täter.

shz.de von
12. August 2018, 19:46 Uhr

Hamburg/Kiel/Wiesbaden | Die Zahl der Geldautomaten-Sprengungen in Hamburg ist gestiegen. In den ersten sieben Monaten dieses Jahres gab es in der Hansestadt neun solcher Verbrechen, wie die Hamburger Polizei auf Anfrage mitteilte. Im gesamten Vorjahr waren es sechs Panzerknacker-Fälle, 2016 gab es nur eine Tat. Auch bundesweit nahm die Zahl dieser Sprengungen im ersten Halbjahr dieses Jahres zu. Die Täter leiten den Angaben zufolge oft Gas oder ein Gasgemisch ein und bringen es zur Explosion. In Schleswig-Holstein verzeichnete die Polizei von Januar bis Ende Juli fünf Fälle, bei denen per Gaseinleitung eine Öffnung versucht wurde – aber nur einmal waren die Diebe erfolgreich.

Im nördlichsten Bundesland waren es im gesamten Jahr 2017 vier Taten nach so einem Muster, aber ein Jahr zuvor zwölf. Die Ermittler gehen davon aus, dass damals zwei Tätergruppen für diese Taten verantwortlich waren. „Eine Gruppierung konnte im März 2016 festgenommen werden“, hieß es. Das Bundeskriminalamt (BKA) in Wiesbaden geht angesichts der bundesweiten Daten von normalen Schwankungen aus. Allerdings rechnet die Behörde damit, dass der Trend grundsätzlich eher nach oben geht.

„Es scheint für Straftäter ein sehr attraktives Betätigungsfeld zu sein“, sagte eine Sprecherin des BKA. Die Sprengungen richten teilweise größere Schäden an als der Diebstahl des Geldes. Nach den Erfahrungen der Polizei sind meist Banden am Werk, die häufig aus dem Ausland stammen.

Kriminelle sprengten im ersten Halbjahr bundesweit in 187 Fällen Geldautomaten

Im Mai dieses Jahres sprengte beispielsweise ein Quartett in Hamburg-Eidelstedt einen Geldautomaten und erbeutete dabei Bargeld. Anschließend flüchteten die Täter mit einem PS-starken, gestohlenen Auto. In Schleswig-Holstein leiteten Täter in diesem Jahr in Uetersen, Lübeck-Schlutup und Quickborn sowie in zwei Fällen in Pinneberg Gas in Geldautomaten ein.

In Niedersachsen hat die Zahl der Geldautomaten-Sprengungen sogar drastisch zugenommen. Das dortige LKA geht davon aus, dass die Täter vorwiegend aus den Niederlanden stammen. Die Masche der Automaten-Knacker sei immer die gleiche. In Hamburg könne die Mehrzahl der Fälle nicht dieser Tätergruppe zugeordnet werden, sagte Polizeisprecher Rene Schönhardt in der Hansestadt. Die Arbeitsweise sei teilweise anders oder man gehe eher von Nachahmungstätern aus. Angaben zur Höhe der Beute machte die Hamburger Polizei aus taktischen Gründen nicht.

Deutschlandweit schlugen die Panzerknacker wieder häufiger zu: Kriminelle sprengten im ersten Halbjahr nach Daten des BKA in 187 Fällen Geldautomaten, um an Bares zu kommen. In den ersten sechs Monaten des vergangenen Jahres gab es etwa 140 Attacken, im gleichen Zeitraum 2016 waren es rund 180. In 80 Fällen erbeuteten Täter im ersten Halbjahr durch die Sprengung Geld, 107 Mal blieb es bei dem Versuch.

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