VRE-Keim : Asklepios-Klinik St. Georg findet resistenten Keim bei 15 Patienten

<p>Ein Patient mit dem Keim erlitt eine Blutvergiftung. Ihm geht es inzwischen besser.</p>
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Ein Patient mit dem Keim erlitt eine Blutvergiftung. Ihm geht es inzwischen besser.

Auf der Intensivstation wurde ein resistenter Keim gefunden. Der Betrieb wurde teilweise eingestellt.

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08. Februar 2018, 17:14 Uhr

Hamburg | Am Mittwoch wurde der Betrieb auf der Intensivstation der Asklepios-Klinik in St. Georg teilweise eingeschränkt: Planbare Aufnahmen wurden auf andere Stationen verlegt. Das bestätigte der Pressesprecher von Asklepios, Mathias Eberenz. Grund dafür war die Feststellung eines VRE-Keims bei einem Patienten, der mit einer Blutvergiftung (Sepsis) in das Krankenhaus kam. VRE (Vancomycin-resistente-Enterokokken) sind Bakterien, die resistent gegen das Antibiotikum Vancomycin sind. Sie sind übliche Besiedler des menschenlichen Darms. Keimträger wissen meist nichts von dem Befall, da es keine Symptome gibt. Bei Patienten mit einer Immunschwäche (wie beispielsweise Krebspatienten) kann der Keim allerdings zu einer Infektion führen.

Aufgrund der Feststellung des Keims wurden die Patienten auf der Station getestet. 14 von ihnen ebenfalls VRE-positiv. Woher die Keime der anderen Patienten genau kommen, ob sie sie mitgebracht oder sich in der Klinik angesteckt haben, sei noch unklar. „Wir warten noch auf die Laborergebnisse“, so Eberenz. Bislang zeigten sie jedoch keine Symptome. Auch dem Patienten mit der Blutvergiftung gehe es inzwischen besser.

Bei einer Aufnahme in die Klinik werden die Patienten grundsätzlich einem Screening unterzogen. Auf welche Keime bei diesem Screening getestet wird, sei gesetzlich festgeschrieben. Der VRE-Keim gehöre derzeit nicht dazu, erklärt Eberenz. Der Keim ist für gesunde Menschen nicht weiter gefährlich. Der Mensch trage etliche Keime in sich, unter anderem auch VRE.

Trotzdem mussten strenge Routinemaßnahmen getroffen werden. Die betroffenen Patienten wurden vorerst in Einzelzimmern untergebracht, „bis die Laborbefunde vorliegen“, so Eberenz. Das Hamburger Abendblatt berichtet von verschärften Reinigungsvorgaben, über die die Mitarbeiter per Mail informiert worden sein sollen. Der Keim ist vorallem über Hautkontakt, wie Händeschütteln, und mangelnde Hygiene übertragbar. Da sofort alle notwendigen Maßnahmen getroffen wurden, sehe Eberenz keine große Gefahr. „Trotzdem nehmen wir das sehr ernst und warten auf die Laborbefunde.“

Am Donnerstagnachmittag lag der mit dem VRE-Keim infizierte Patient noch auf der Intensivstation. Die übrigen Patienten, bei denen ebenfalls ein VRE-Befund vorlag, verlegte das Krankenhaus auf andere Stationen, teilte Eberenz mit. Die Patienten befanden sich in Isolation, das heißt: Personal und Besucher müssen Mundschutz und Kittel tagen, wenn sie ein Zimmer betreten. Die Intensivstation sollte nach einer Grundreinigung am Freitagmorgen um acht Uhr wieder für den Normalbetrieb geöffnet werden.

Welche Symptome gibt es?

Es ist zu unterscheiden zwischen Patienten, die den Keim in sich tragen, und denen, die unter einer Infektion leiden. Erstere erkennen den Befall nicht, weil es keine Symptome gibt. Bei Letzteren kann sich der Befall durch Fieber, Schmerzen, Entzündungen und einem sich dadurch veränderten Blutbild ausdrücken.

Wie wird ein Befall erkannt?

Mithilfe eines Abstrichs an der Schleimhaut im Nasen-Rachen-Raum oder im Darmbereich kann festgestellt werden, ob ein Patient Keime in sich trägt. Bei Menschen, die von einer Infektion betroffen sind, wird das Blut oder ein Sekret untersucht: Hat der Erreger eine Wunde befallen, wird ein Abstrich gemacht, bei einem veränderten Blutbild mit Entzündungswerten wird eine Blutprobe untersucht. Bei einer Lungenentzündung Sekret aus der Lunge. Anschließend werden dann sowohl die Infektion als auch der auslösende Keim bekämpft.

Wie wird der Keim übertragen?

Die Verbreitung erfolgt weitgehend über Hände, verunreinigte Gegenstände und mangelnde Hygiene.

Wie lange kann man VRE-Träger sein?

Enterokokken sind normale Besiedler des menschlichen Darmtraktes. Eine Besiedlung kann bis zu mehrere Monate oder sogar Jahre andauern, da eine „Sanierung“ des Darms nicht möglich ist.

Wie kann einer Verbreitung vorgebeugt werden?

Wird der Erreger bei einem Abstrich im Krankenhaus festgestellt, müssen sofort Maßnahmen eingeleitet werden. Dazu gehört eine erhöhte Basishygiene und eine umfangreiche Desinfektion nicht nur der Hände, sondern auch des gesamten Raums und allen Flächen sowie den persönlichen Gegenständen des Patienten, der Kleidung und des Abfalls. Außerdem bekommen betroffene Patienten ein Einzelzimmer.

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