Tierpark Hagenbeck : Artenschutzprojekte in der Zoohaltung

Die größte Katze der Welt mal ganz niedlich: Lailek und Maruschka, fotografiert im März 2015 im Tierpark Hagebeck.
Die größte Katzenart der Welt mal ganz niedlich: Lailek und Maruschka, fotografiert im März 2015 im Tierpark Hagenbeck.

Tierpark Hagenbeck: Die Geburt der Tigerwelpen lenkt die Aufmerksamkeit auf Programme zur Erhaltung bedrohter Arten.

shz.de von
17. Mai 2015, 10:06 Uhr

Hamburg | Im Tierpark Hagenbeck wird gejubelt: Amur-Tigerweibchen Maruschka hat zwei gesunde Welpen zur Welt gebracht! Dieser Hamburger Zuchterfolg lenkt die Aufmerksamkeit auch auf die Bedeutung, die Zuchtprogrammen in Zoos mittlerweile für die Erhaltung einiger Wildtierarten zukommt. Sibirische oder auch Amur-Tiger (wissenschaftlich Panthera tigris altaica) sind dafür ein gutes Beispiel.

Mit einer Kopf-Rumpf-Länge von in Einzelfällen 2,80 Metern und einem Gewicht von bis zu 300 Kilo (Männchen) sind sie die größten Katzen der Erde – und gehören zu den weltweit am stärksten bedrohten Tierarten. Einst erstreckte sich ihr Lebensraum auf etwa 2,1 Millionen Quadratkilometer (etwa viermal die Größe Spaniens) im Grenzgebiet zwischen Russland und China, heute ist ihr Verbreitungsgebiet nach Angaben des WWF (World Wide Fund for Nature) auf eine Fläche von etwa der halben Größe Deutschlands geschrumpft. Experten schätzen die Zahl der in Freiheit lebenden Exemplare auf nur noch zwischen 450 und 500.

Wichtigste Hilfe zur Erhaltung Arten sind nach Überzeugung von Artenschützern solche in den angestammten Lebensräumen der Tiere selbst, und für den Amur-Tiger gibt es sie. Denn tatsächlich stand es schon einmal noch schlechter um imposante Raubkatze: In den 1940er Jahren schien ihr Aussterben unausweichlich, Ihre Population zählte nicht mehr als 30 bis 40 Individuen. Strenge Schutzmaßnahmen ließen die Zahl wieder steigen, nach wie vor aber wird der Sibirische Tiger in der roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN als „stark gefährdet“ geführt.

Für bedrohte Tierarten wie diese existieren darum Artenschutzprojekte wie das Europäische Erhaltungszuchtprogramm (EEP), an dem auch der Hamburger Tierpark beteiligt ist. „Der Sinn des EEP besteht darin, die Tiere so nachzuzüchten, dass sie sich von der wilden Population nicht unterscheiden“, heißt es dazu bei Hagenbeck. So können Zoos durchaus zur Rettung einzelner Arten vor dem Aussterben beitragen.

Die Latte für die Teilnahme am EEP liegt hoch, denn es wird streng darauf geachtet, dass nur reinrassige Tiere ihre Gene weitergeben, dabei Inzucht jedoch vermieden wird. Dafür sorgen unter anderem ein Zuchtkoordinator sowie Zuchtbücher, in denen der Stammbaum jedes einzelnen (zudem gechipten) Exemplares aufgelistet ist, das an dem Zuchtprogramm teilnimmt. Das heißt, die Tierparks entscheiden nicht allein über die Anpaarung.

Um möglichst erfolgversprechende Nachzuchten hinzubekommen, verpflichten sie sich zudem, Tiere bei Bedarf mit anderen Zoos auszutauschen. Neben Hagenbeck sind etliche andere deutsche und viele europäische Tierparks von Helsinki bis Zürich am EEP beteiligt, und sie widmen sich derzeit rund 150 verschiedener Tierarten, in erster Linie Säugetieren, aber auch Vögeln, Reptilien und sogar Wirbellosen.

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