Norddeutsche Kammer-Allianz : Arbeitsgemeinschaft der IHK-Nord: Hamburg bleibt nun doch an Bord

Blick auf die Handelskammer in Hamburg. /Archiv
Blick auf die Handelskammer in Hamburg. /Archiv

Die Mitgliedskündigung wurde zurückgenommen. Das IHK-Nord-Büro in Brüssel soll erhalten bleiben.

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08. Juni 2018, 06:47 Uhr

Hamburg | Hamburg bleibt nun doch Teil der großen norddeutschen Kammer-Allianz: Die Handelskammer der Hansestadt hat am Donnerstag Abstand vom Austritt aus der Arbeitsgemeinschaft zwölf norddeutscher Industrie- und Handelskammern (IHK Nord) zu Ende 2018 genommen. Das Plenum der Wirtschaftsvertretung billigte am Nachmittag mit großer Mehrheit die Rücknahme der Mitgliedskündigung und beschloss zudem den Erhalt des IHK-Nord-Büros in Brüssel.

„Wir sollten nicht den Fehler der Briten mit dem Brexit wiederholen“, hatte Plenarier Niels Pirck seinen erfolgreichen Antrag zum Festhalten am IHK-Verbund begründet. Bei einem Austritt würden alle Kammern verlieren, der Stadtstaat Hamburg selbst am meisten, mahnte Pirck, eines von nur drei oppositionellen Mitgliedern im Kammer-„Parlament“, das vom Bündnis „Die Kammer sind WIR“ um Präses Tobias Bergmann dominiert wird.

Bergmann und sein Präsidium hatten im vorigen Herbst beschlossen, die IHK Nord zu verlassen, sollte diese nicht deutliche Veränderungen bei ihrer Strukturen vornehmen und Kosten einsparen. Zur Ausgabensenkung wollte Bergmann das EU-Büro schließen.

Auch dazu wird es nicht kommen, was nicht zuletzt den amtierenden IHK-Nord-Präsidenten Gert Stuke freute, der zugleich die IHK Oldenburg führt. Er hatte die Hamburger im Plenum nochmals eindringlich davor gewarnt, aus der Phalanx der Küstenkammern auszuscheren. Nur gemeinsam könne die Nordwirtschaft gegenüber der Politik etwas erreichen. Zwar würde die IHK Nord auch ohne Hamburg weitermachen, so Stuke, der aber zu bedenken gab: „Wir können schlecht etwas für Hamburg erreichen, wenn Hamburg nicht mehr dabei ist.“ Dies gelte unter anderem für die Erarbeitung eines nationalen Hafenkonzepts.

Der Kompromiss sieht vor, dass die IHK Nord ihren Etat von jährlich knapp 800.000 Euro behält. Auch bleibt es bei Ausgaben von rund 300.000 Euro für das Brüsseler Büro, allerdings soll die Einrichtung ihre inhaltliche Arbeit verstärken. Dazu ist es ist vorgesehen, Räume des Büros unterzuvermieten und die eingesparten Kosten in Sacharbeit zu investieren. Neu auch: In Brüssel dürfen künftig auch ehrenamtliche Mitglieder der Kammern Verantwortung übernehmen und sich in der Lobbyarbeit engagieren.

Präses Bergmann äußerte sich in der Sitzung nicht zum Sinneswandel. Sein Mitstreiter Kai Elmendorf von der WIR-Gruppe sprach von einer guten Lösung. Gewinner Pirck stellte fest: „Jetzt gilt es für unsere Handelskammer, verloren gegangenes Vertrauen bei unseren Partnern zurückzugewinnen, um gemeinsam die großen Herausforderungen für Hamburg und Norddeutschland anzupacken. Denn leider hat sich die Handelskammer im vergangenen Jahr – auch auf Ebene der IHK Nord – zu sehr nur mit sich selbst beschäftigt.“ 

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