Kreis Harburg : Arbeiter belagern Firma im Streit um Bezahlung

Im Neu Wulmstorf sind Bulgaren und Rumänen gegen schlechten Lohn und miese Arbeitsbedingungen Sturm gelaufen.

shz.de von
17. Juni 2014, 19:22 Uhr

Neu Wulmstorf | Rund 100 aufgebrachte bulgarische und rumänische Arbeiter haben im Streit um ihre Bezahlung eine Werkvertragsfirma im Kreis Harburg belagert. Bei dem Protest in Neu Wulmstorf wurde auch das Werkstor eines benachbarten Betriebs blockiert, teilte die Polizei am Dienstag mit. Zunächst hatte ein Arbeiter einen Angestellten im Streit um seine Abrechnung ins Gesicht geschlagen, woraufhin die Polizei alarmiert wurde.

Mit rund 20 Beamten wurden rund 60 lautstark protestierende Arbeiter aus dem Gebäude gedrängt. Auf der Straße wuchs die Gruppe auf 100 an. Nach einer Schlichtung mit der Firmenleitung, Arbeitnehmervertretern und Dolmetschern beruhigte sich die Lage am Montag erst nach Stunden wieder. Wie der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) in Hamburg mitteilte, waren die Rumänen und Bulgaren bei einem fleischverarbeitenden Betrieb eingesetzt, gegen den seit längerem der Vorwurf im Raum steht, dass er über Subunternehmer Osteuropäer zu zweifelhaften Konditionen einsetzt.

Nach Angaben des DGB waren die Arbeitsbedingungen extrem schlecht: So hätten die Arbeiter 300 Euro für ein fensterloses Kellerzimmer zahlen müssen und seien auch für Arbeitskleidung und Werkzeug zur Kasse gebeten worden. Am Ende seien ihnen bei zwölf Stunden Arbeit kaum 400 Euro Monatslohn geblieben, den sie oft stark verspätet oder mit Abschlagszahlungen erhalten hätten. Eine Sprecherin des Unternehmens erklärte am Dienstagabend, die Firma nehme die Beschwerden der Arbeiter ernst und werde den Dingen nachgehen, auch wenn man selber nicht der Arbeitgeber sei.

Die Werksvertragsfirma werde als Subunternehmer so vergütet, dass es möglich sei, bereits heute mehr als den künftigen Mindestlohn zu zahlen. Rüdiger Winter von einer DGB-Beratungseinrichtung für Wanderarbeiter, die am Montag zu den Protestierenden gerufen wurde, sagte, den protestierenden Arbeitern sei in ihrer Heimat vorher ein ordentlicher Lohn bei freier Einquartierung und Verpflegung zugesichert worden.

Die Finanzkontrolle Schwarzarbeit habe bereits gegen das Unternehmen ermittelt, das unter anderem Fleisch- und Wurstwaren für Discounter verpacke.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert