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Hamburg : ApoRed vor Gericht: Wie weit darf ein Youtube-Prank gehen?

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Für ein Video mit versteckter Kamera deutete ein Hamburger Youtuber eine Bombendrohung an. Jetzt muss er sich vor Gericht verantworten.

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erstellt am 17.Okt.2017 | 17:31 Uhr

Hamburg | Muss ein Hamburger Youtuber für einen seiner Filme ins Gefängnis? Ahmad Ahad, in der Netzwelt besser bekannt als ApoRed, ist berüchtigt für seine eigene Definition des Wortes Geschmacklosigkeit - und filmte möglicherweise sogar am Rande der Legalität. Am Mittwoch muss er sich vor Gericht für einen Prank-Film verantworten - und sitzt bereits in Untersuchungshaft, weil er einen ersten Prozesstermin nicht wahrnahm. Wie es nach der Hauptverhandlung weiter geht, ist noch unklar. Möglicherweise muss der Youtuber bis zu einem möglichen zweiten Termin in Untersuchungshaft bleiben. Die Tour mit ApoReds erstem Album wurde ohne Angaben von Gründen abgesagt

Auf Youtube zählen Pranks zu den beliebtesten Formaten: Mit den Streiche-Videos haben die Filmer die Lacher der Kinder und Jugendlichen meist auf ihrer Seite. Sie orientieren sich dabei am bewährten „Verstehen Sie Spaß“-Format und spielen Freunden oder auch zufälligen Passanten mit versteckter Kamera einen Streich. Das reicht vom notorischen Bewerfen der Beauty-Youtuberin Bibi bis hin zum fremden BH im Bett bei den allein auf das Format basierenden „WG-Wars“.

Meist spielt der Youtuber irgendwo auf der Palette von harmlosem Slapstick-Humor und Schadenfreude mit einer kleinen Portion Gemeinheit und kann damit häufig viele Klicks erreichen. ApoRed jedoch verfehlte mit seinem „Prank“ die Kategorie „witzig“ und liefert vor dem Hamburger Amtsgericht ein Lehrstück über den Unterschied zwischen Scherz und Bedrohung.

Was war passiert? Ahmad Ahad alias ApoRed schlendert im Sommer 2016 durch Hamburg mit einer dicken schwarzen Sporttasche in der Hand. Am Telefon „bespricht“ er gut vernehmbar eine Art Auftrag -  und wirft dann plötzlich die Tasche zufälligen Passanten vor die Füße. „30 Sekunden habt ihr alle Zeit. Rennt lieber, wenn euer Leben was wert ist“, ruft er. Sein Kumpel Jan H. steht in ausreichender Entfernung und nimmt den „Scherz“ mit der Kamera auf. Doch nicht alle erfreuen sich an dem heiteren Treiben des Youtubers.

An einem Geldautomaten der Hamburger Sparkasse soll der Schrecken bei drei Passanten zu länger andauernden Beeinträchtigungen geführt haben. Das steht jetzt im Mittelpunkt der Verhandlungen. „Den Angeklagten wird insofern vorsätzliche Körperverletzung, Nötigung und Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten vorgeworfen“, erklärt Gerichtssprecher Kai Wantzen. „Wegen der Veröffentlichung des Videos wird dem unter ApoRed bekannten Angeklagten zudem eine Straftat nach § 33 KUG vorgeworfen.“ Offenbar fehlte dem Youtuber die Einwilligung seiner Prank-Opfer, das Material online zu stellen.

Nach der großen Kritik an seinem Film hatte Ahad das Video wieder recht bald von der Video-Plattform gelöscht. Bei Youtube ist mittlerweile nur noch ein Re-Upload zu finden.

Eines der Probleme: Je kontroverser ein Youtube-Prank, desto mehr Klicks. So erhielt ein „Scherz“, in dem einem Mann vorgetäuscht wurde, eine ganze Familie liege niedergemetzelt und blutüberströmt in der Küche, mehr als 6,4 Millionen Klicks. Der Youtuber Mike Martin alias DaddyOFive verlor im Mai das Sorgerecht für zwei seiner Kinder, die wiederholt Opfer seiner „Streiche“ wurden. Unter anderem hatte Martin auf einem frisch gereinigten Teppich Spezialtinte verteilt, die von selber wieder verschwindet. Vor laufender Kamera brüllen er und seine Frau dafür seinen Sohn Cody nieder. Auch in weiteren Videos ist zu sehen, wie der Vater seine Kinder psychisch misshandelt.

In Flensburg sorgten 2014 drei junge Männer für Angst und Schrecken – und einen Polizeieinsatz. Kurz darauf veröffentlichten sie kurz vor Halloween ein Video bei Youtube, das zeigt, wie sie mit ihren makaberen Outfits und ratternden Kettensägen Menschen in Panik versetzen. „Uns geht es darum, Leute zu erschrecken und deren Reaktion auf Kamera festzuhalten“, teilten sie uns auf Nachfrage zu ihrer Motivation mit.

Für den Film verkleidet: Diese beiden Männer verdecken mit ihren Masken ihre Gesichter, mit Kettensägen verbreiteten sie Angst und Schrecken.
Für den Film verkleidet: Diese beiden Männer verdecken mit ihren Masken ihre Gesichter, mit Kettensägen verbreiteten sie Angst und Schrecken. Foto: Screenshot Youtube

In dem „Prank“ war zu sehen, wie ein Mann flehend nach Hilfe ruft, als er blutüberströmt aus einer Hecke hervorkriecht. Zwei Frauen bleiben erst stehen. Dann fliehen sie panisch. Nicht ohne Grund: Plötzlich tritt ein Mann mit Kittel - ebenfalls blutüberströmt - aus dem Schatten und wirft eine Kettensäge an. Er trägt eine weiße Maske, die sein Gesicht komplett verdeckt. Dann sind Schreie zu hören. Von den Frauen. Als die 24-Jährige die Treppe runterrast, stürzt sie und verletzt sich. Sie kann sich aufrichten und rennt weiter.

In einem Gespräch mit shz.de berichteten die Frauen später, sie würden seitdem von Schlafstörungen, Albträumen und Verfolgungsängsten geplagt. Eine der Frauen sagte: „Ich hatte nie Angst in der Dunkelheit, damit ist es jetzt vorbei.“

 

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