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Hamburg-Blankenese : Anwohner stellen Autos quer, um Flüchtlingsheim zu verhindern

vom

In dem Nobelstadtteil sollen Bäume für Flüchtlingsunterkünfte gefällt werden. Die Anwohner protestieren.

shz.de von
erstellt am 05.Apr.2016 | 15:59 Uhr

Hamburg | Im Hamburger Nobel-Stadtteil Blankenese haben Anwohner Baumfällungen für den Bau einer Flüchtlingsunterkunft verhindert. Dutzende Autos blockierten am Dienstag die Zufahrt zu der Sackgasse Björnsonweg, eine beauftragte Firma kam nicht an die Bäume heran. Die geplante Fällung von 42 Bäumen sei daher bis Donnerstagmittag aufgeschoben worden, sagte die Sprecherin des städtischen Betreibers von Unterkünften, Susanne Schwendtke von „Fördern & Wohnen“. Am Donnerstag soll das Verwaltungsgericht über einen Eilantrag eines Anwohners auf vorläufigen Baustopp entscheiden.

Hamburg ist bei der Unterbringung seiner Flüchtlinge überlastet - Schleswig-Holstein hilft. Weil hier mehrere tausend Plätze in Erstaufnahmeeinrichtungen zurzeit nicht belegt sind, nimmt das Land Menschen aus Hamburg auf.

An diesem Freitag laufe die Sondererlaubnis für die Fällungen aus, sagte Schwendtke. Ein Biologe habe zuvor geprüft, ob dort Vögel in den Bäumen brüteten. Einige seltene Pflanzen seien umgepflanzt worden. Am Montag sei eine Biologin daran gehindert worden, die zu fällenden Bäume mit Farbe zu markieren. Ihr seien die Spraydosen weggenommen worden. Später hätten Unbekannte 200 Bäume wahllos markiert. Zuvor hatte der NDR-Radiosender 90,3 berichtet.

Am Björnsonweg sollen bis Juli mehrere Pavillons für knapp 200 Flüchtlinge entstehen. Nach Auskunft des Zentralen Koordinierungsstabs Flüchtlinge hat es zuvor eine Umweltverträglichkeitsprüfung gegeben, danach wurde eine Baugenehmigung erteilt. Diese gilt bis April 2023. Bis dahin müssten die Gebäude wieder abgerissen und das Gelände aufgeforstet werden, sagte Sprecherin Christiane Kuhrt.

Am Björnsonweg 39 stand früher ein Studentenwohnheim. Bis Ende 2008 waren dort Wohnunterkünfte für Flüchtlinge. Nach Auskunft des Bezirksamtes ist die reguläre Baumfällsaison Ende März ausgelaufen. Wenn die Sondererlaubnis nicht bis Freitag wahrgenommen werde, müsse erneut geprüft werden, hieß es. Frühestens ab Juli wären dann Fällungen denkbar.

Rüdiger Nebelsiek, der als Anwalt eines Anwohners den Eilantrag eingereicht hat, kritisierte das Vorgehen der Behörden. Die Baugenehmigung sei nun überraschend schnell erteilt worden. Akteneinsicht sei ihm verwehrt worden. Seine im Auftrag von Anwohnern im Beteiligungsverfahren eingereichte Stellungnahme sei kaum berücksichtigt worden, monierte Nebelsiek. So gebe es auf dem Grundstück zahlreiche schützenswerte Pflanzen und Tiere. Die Baugenehmigung kollidiere klar mit dem Europäischen Umweltrecht.

„Wir sind von der Aktion überrascht“, sagte Schwendtke. „Etwas Vergleichbares habe ich in den zehn Monaten, die ich bei “Fördern und Wohnen„ bin, nicht erlebt. Die Blankeneser kennen wir sonst als Menschen, die Flüchtlingen gegenüber sehr aufgeschlossen sind.“

Es ist nicht die einzige Unterkunft, gegen die sich in Hamburg Protest geregt hatte - auch in Harvestehude und Poppenbüttel hat es bereits Widerstand der Anwohner gegeben.

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