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Insolventer Baudienstleister : Anstiftung zur Untreue: Frühere Imtech-Chefs zu Haftstrafen verurteilt

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Der Jüngere soll seinem Vorgänger Teile des Firmenvermögens rechtswidrig überwiesen haben. Die Angeklagten legten ein Geständnis ab.

Hamburg | Wegen Veruntreuung von mehr als 2,8 Millionen Euro hat das Hamburger Landgericht zwei frühere Chefs des insolventen Gebäudeausrüsters Imtech zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Ein 72-Jähriger muss wegen Anstiftung in 46 Fällen für drei Jahre ins Gefängnis, wie der Vorsitzende der Strafkammer am Mittwoch sagte. Sein zehn Jahre jüngerer Nachfolger in der Geschäftsführung erhielt wegen besonders schwerer Untreue eine Strafe von drei Jahren und elf Monaten. Darin bezog das Gericht aber eine frühere Verurteilung wegen Bestechung mit ein.

Imtech Deutschland hatte am pannengeplagten Flughafen wichtige Aufträge, beispielsweise arbeitete die Firma an der Brandschutzanlage mit. 2015 meldete das Unternehmen Insolvenz an. Das Kerngeschäft wurde von einer Firma der Bremer Gustav Zech Stiftung weitergeführt.

Das Gericht blieb mit seinem Urteil unter den Forderungen der Staatsanwaltschaft. Der Verteidiger des 62-Jährigen kündigte Revision an, die Anwältin des 72-Jährigen sagte, sie erwäge diesen Schritt ebenfalls.

Die beiden Angeklagten hatten zum Prozessauftakt ein umfassendes Geständnis abgelegt und ihre Taten bereut. Laut Anklage überwies der 62-Jährige zwischen 2009 und 2012 gut zwei Millionen Euro in 17 Einzelzahlungen an seinen Vorgänger. Weitere 850.000 Euro des Imtech-Vermögens seien über Umwege in 29 Tranchen an den 72-Jährigen geflossen.

Das Gericht hielt dem Jüngeren auch zugute, uneigennützig gehandelt und nicht in die eigene Tasche gewirtschaftet zu haben. Er habe seinem langjährigen Freund aus einer misslichen Lage helfen wollen. Strafverschärfend habe sich vor allem die hohe Schadenssumme ausgewirkt. „Da steht diese wahnsinnig hohe Zahl im Raum“, sagte der Richter.

Der 72-Jährige hatte vor Gericht erklärt, Investitionen in Wohnimmobilien hätten ihn in eine „totale finanzielle Schieflage“ gebracht. Er habe dem 62-Jährigen zugesichert, das Geld zeitnah zurückzuzahlen - angesichts von Immobilienprojekten etwa in Dubai und Tunesien sei er zuversichtlich gewesen, das zu schaffen.

Der 62-Jährige war bereits im Oktober 2016 in einem Prozess im brandenburgischen Cottbus zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und elf Monaten wegen Bestechung verurteilt worden. Damals war er nach Feststellung des Gerichts an einer Schmiergeldzahlung in Höhe von 150.000 Euro beim Bau des Berliner Flughafens BER beteiligt.

 

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erstellt am 22.Feb.2017 | 16:20 Uhr

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