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Konzert in der Großen Freiheit : AnnenMayKantereit: Herbe Wohlfühlatmosphäre in Hamburg

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AnnenMayKantereit zieht zurzeit die junge Generation in Deutschland in ihren Bann. Nun begeisterten die Kölner das Hamburger Publikum in der ausverkauften Großen Freiheit auf St. Pauli.

Hamburg | Wenn man die Augen schließt, meint man, die Stimme eines Altrockers zu hören - wenn man sie öffnet, sieht man auf der Bühne den jungen Henning May: Anfang 20, etwas schlaksig und nach den Songs verlegen lächelnd. Wie der Schlagzeuger Severin Kantereit, der Gitarrist Christopher Annen und der Bassist Malte Huck trägt er Jeans und T-Shirt, die Jungs wirken so, als kämen sie gerade von einer Jam-Session in ihrem Wohnzimmer. Entspannte Stimmung herrscht beim Konzert der jungen Band AnnenMayKantereit am Montagabend in der ausverkaufen Großen Freiheit 36 auf St. Pauli: Wohlfühlatmosphäre, aber kein weich gespülter Kuschelpop.

Die pointierten Texte des ersten Studioalbums „Alles Nix Konkretes“ und der EP „Wird schon gehen“ treffen das Lebensgefühl der Fans. Wie die Band sind die meisten im Publikum in ihren 20ern. Es geht WG-Mitbewohner, ums Verlieben und Vermissen. Die Texte sind dabei überraschend banal und vernünftig: „Ich will nicht jeden Morgen aufs Neue die letzte Nacht bereuen“, „Ich würde gerne mit dir in 'ner Altbauwohnung wohnen“ oder sogar: „Wir brauchen mehr Blumen auf unserm Balkon.“ Mit dieser Stimme kann man anscheinend von allem singen: ob halbaufgebrauchte Hygieneartikel und der Inhalt der WG-Tiefkühltruhe oder einem rauchenden Krokodil, das für ihren Touralltag steht.

Nicht nur bei den bekanntesten Liedern „Oft gefragt“ und „Pocahontas“ singt das Publikum textsicher mit. Die Romantik in den Liebesliedern ist herb statt kitschig. Als Henning May allein auf der Bühne die Ballade „Barfuß am Klavier“ spielt, stimmen nicht nur die weiblichen Fans mit ein. May sagt: „Es ist so geil, wenn man vor einem Jahr in seinem Zimmer ein Liebeslied schreibt und jetzt steht da so ein großer bärtiger Mann vor mir und singt mit“.

Zwischen den eigenen Texten gibt es englische Coversongs, in denen sich die Musiker auch solistisch austoben. Zwischendurch wechselt Sänger May an die Melodika oder ans Keyboard, Christopher Annen spielt gleichzeitig Mundharmonika und Gitarre. Annen, May und Kantereit sind schon zusammen zur Schule gegangen und haben 2011 am Ende ihrer Oberstufe eine Band gegründet. Der Bassist Malte Huck stieß 2014 dazu.

Die Bühne ist eher spartanisch, nur ein paar Stehlampen bilden die Dekoration: Das Konzert ist nicht auf eine große Show ausgelegt. „Das Einzige, was mich interessiert, wenn ich auf ein Konzert gehe, ist wie gut die Band ist und wie viel das Bier kostet“, sagt May und verdammt all diejenigen, die Konzerte nur mit ihren Smartphones filmen: „Du bist überall nur nicht hier bei mir“, singt er. Danach trauen sich nur noch wenige, ihr Handy herauszuholen.

Auch die Diskokugel an der Decke der Großen Freiheit steht still. Das Publikum tanzt auch so zum Rhythmus von AnnenMayKantereit.

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erstellt am 05.Apr.2016 | 08:48 Uhr

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