Hamburg : Angriff auf schlafenden Obdachlosen: Angeklagter gesteht die Tat

Der Täter soll sein Opfer zunächst mit Bier überschüttet und anschließend mit einer Glasscherbe verletzt haben.

shz.de von
24. Mai 2018, 16:18 Uhr

Hamburg | Im Prozess um einen brutalen Angriff auf einen Obdachlosen am Hamburger Bahnhof Ohlsdorf hat der Angeklagte die Tat gestanden. „Wie es genau abgelaufen ist, weiß ich aber nicht mehr“, sagte der 27-Jährige am Donnerstag vor dem Hamburger Amtsgericht. Er muss sich wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten.

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, den schlafenden Mann am frühen Morgen des 19. November 2017 zunächst mit Bier überschüttet zu haben. Anschließend soll er die Flasche zerschlagen und den Obdachlosen mit einer Scherbe am Hals geschnitten haben. Dabei habe er mögliche „tödliche Verletzung billigend in Kauf genommen, hieß es in der Anklage. Das Opfer erlitt eine zwölf Zentimeter lange Schnittwunde am Hals sowie eine drei Zentimeter große Wunde am Kinn.

Laut Aussage des Angeklagten kannten sich die beiden Männer nicht. Er gab an, zuvor auf der Geburtstagsfeier eines Freundes viel Alkohol konsumiert und sich aufgrund einer neurologischen Krankheit, wegen der er auch verschiedene Medikamente nehmen müsse, in einer schwierigen Lebenssituation befunden zu haben. „Ich musste Alkohol trinken, damit es mir gut ging“, berichtete er. Nach der Tat habe er sich zunächst vom Ort des Geschehens entfernt, sei aber kurze Zeit später noch einmal zurückgekehrt. „Ich wollte wissen, wie es ihm geht“, sagte er. Zu diesem Zeitpunkt sei das Opfer jedoch schon im Krankenhaus gewesen.

Der Angeklagte hatte bereits häufiger die Idee, jemanden umzubringen

Zwei Wochen später sei er dann erneut zum Bahnhof gefahren und habe sich bei dem Obdachlosen entschuldigt. „Trotzdem wollte ich mich stellen, weil es einfach eine asoziale Tat war“, gab er an. Dafür wolle er nun geradestehen. Während des Prozesses wurde die Tonaufnahme seines Anrufs beim Notruf vom 4. Januar abgespielt, in der der Angeklagte die Tat gestand und später sogar das Telefon an den Geschädigten weiterreichte, der zu diesem Zeitpunkt neben ihm saß.

Einer der Polizeibeamten, der ihn anschließend vernommen hatte, wurde im Prozess als Zeuge gehört. Er gab an, der Angeklagte sei „offensichtlich angetrunken und sehr emotional“ gewesen. Er habe angegeben, dass er bereits häufiger die Idee gehabt hätte, „jemanden umzubringen“. Daher habe er um die Einweisung in eine Psychiatrie oder in eine Haftanstalt gebeten. Der Prozess soll am 1. Juni fortgesetzt werden.

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