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Ghost-Konzert in Hamburg : An der Reeperbahn nachts zur Geisterstunde

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Die schwedische Metalband Ghost spukt durch das ausverkaufte Hamburger Docks und sorgt für Kreischanfälle.

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erstellt am 09.Apr.2017 | 09:29 Uhr

Nun ja, wenn Musiker angeschmachtet werden, sind sie meist gut geföhnt, irgendwo um die 20 und schmalzen ihre gefühlsechten Songs vor einer aufgebrachten Menge Teenie-Mädchen. So ganz trifft das auf Ghost nicht zu. Schließlich treten die anonymen Schweden mit silbernen Teufelsmasken auf die Bühne bzw. einem Schädel-Make-Up mit wallenden „Papst“-Gewändern. Es ist eine Mischung aus Grusel-Show, Metal-Konzert und triefender Religions-Satire, die da von der Bühne brettert. Dem weiblichen Fan hinten in der dichten Menge im Docks ist das egal. Sie kreischt. Nach jedem Song. Sehr laut. Irgendwo weiter vorn drehen sich ein paar Leute um und gucken irritiert. Schließlich ist Ghost gerade eben noch Metal (wenn auch sehr leichter) - und kein Justin Bieber-Schnulli-Pop.

Die Fans werden sich aneinander gewöhnen müssen, denn seit ihrem immer größer werdenden Erfolg und einem Grammy für den Song „Cirice“ vereint die Band nicht nur klassische Fans der düsteren Musik in ihrem Publikum. Und so ist die Menge bunt gemischt zur recht frühen Geisterstunde an der Reeperbahn. Ältere Herren, die mutmaßlich gerade eben noch im Autohaus einen Mazda verkauft haben, Gothic-Mädels (bleich, schwarz gekleidet) neben Kutten tragenenden Metalheads, zwei Fans im Nonnen-Kostüm. Ghost betören sie alle mit ihren Hymnen an das Düstere.

Sehr viel Neues gibt es nicht seit der letzten Tour, lediglich vom kleinen Album „Popestar“ gibt es den Ohrwurm-Garanten „Square Hammer“ gleich zu Beginn der Show. Danach bringen Sänger Papa Emeritus und seine namenlosen Ghouls die schönsten Songs der vorangegangenen Alben. Auch da prallen die Welten aufeinander: Die sehr ruhige Ballade „He is“ reiht sich harmonisch an die harten Riffs von „Mummy Dust“. Beim Party-Song „Year Zero“ singt die Menge textsicher mit - und zum Schluss singen alle gemeinsam „Monstrance Clock“. Ein Lied über den Orgasmus, erklärt Sänger Papa Emeritus wie immer leicht ironisch. „Wir sind hier an der Reeperbahn“, witzelt er noch. „Da verdient ihr euren Orgasmus.“ Dem Kreischpegel nach zu urteilen, ist der weibliche Fan in den hinteren Reihen auf seine Kosten gekommen.

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