Bahnhof Hamburg-Altona : Altona bleibt vorerst ein Kopfbahnhof

Das Oberverwaltungsgericht Hamburg hat die Planungen zur Verlegung des Fern- und Regionalbahnhofs Altona gestoppt. Das Gericht gab dem Eilantrag einer Hamburger Umweltvereinigung statt.

Das Oberverwaltungsgericht Hamburg hat die Planungen zur Verlegung des Fern- und Regionalbahnhofs Altona gestoppt. Das Gericht gab dem Eilantrag einer Hamburger Umweltvereinigung statt.

Ein Eilantrag des Verkehrsclubs Deutschland stoppte die bisherigen Planungen. Jetzt sieht der Verein weitere Mängel.

shz.de von
28. August 2018, 12:25 Uhr

Hamburg | Manchmal reisen auch Autofahrer mit der Bahn und nehmen ihr Fahrzeug gleich mit. Der Bahnhof Hamburg-Altona ist für sie das Tor zum Norden. Ein Umweltverband hat sich zu ihrem Anwalt gemacht und per Gericht das zweitwichtigste Städtebauprojekt Hamburgs gestoppt.

Endstation: Hamburg-Altona.

Der Bahnhof Altona ist deutschlandweit bekannt – als Endstation. Bis 2024 sollte er als Durchgangsbahnhof zwei Kilometer weiter nördlich neu gebaut werden. Aber daraus wird so schnell nichts, weil das Hamburger Oberverwaltungsgericht die bisherige Planung in einer Eilentscheidung für rechtswidrig erklärt hat. Grund dafür ist die ungewisse Zukunft der Autoverladestation.

Altona ist Start- und Endpunkt der Autozüge, die Hamburg mit Süddeutschland und Österreich verbinden. Mit der Gerichtsentscheidung dürfte sich auch ein wichtiges Hamburger Stadtentwicklungsprojekt verzögern.

„Neue Mitte Altona“: Hamburgs größtes Bauprojekt

Die Gleisanlagen sollen Platz für 1900 Wohnungen auf knapp 14 Hektar machen. Rund 1600 Wohnungen sind bereits auf dem angrenzenden Gelände eines ehemaligen Güterbahnhofs und einer Brauerei in Bau oder schon fertig gestellt. Die Neue Mitte Altona ist Hamburgs größtes Bauprojekt nach der Hafencity. Die Hansestadt braucht dringend neuen Wohnraum.

Altona wird von Fernzügen aus dem Süden Deutschlands und von Regionalzügen aus dem Norden angefahren. Nördlich des Bahnhofs liegt ein großer Gleisknoten, der den Anschluss zum Hauptbahnhof und an die Strecke nach Kiel und Sylt herstellt. Der Kopfbahnhof sei nicht mehr zeitgemäß, erklärt die Deutsche Bahn. Viele Leerfahrten zur Bereitstellung der Züge seien nötig, häufig komme es zu Verspätungen.

Künftig sollen zahlreiche Zugkreuzungen wegfallen. Außerdem wird eine Entlastung des viel genutzten Hamburger Hauptbahnhofs erwartet.

Leuchtturm-Projekt am Diebsteich

Die Verlegung des Altonaer Bahnhofs ist bei weitem nicht so aufwendig wie etwa das Projekt Stuttgart 21. Am neuen Standort, dem S-Bahnhof Diebsteich, gibt es zwar einige Kleingärten, städtebaulich ist die Gegend aber eher ein Schandfleck. Bei Dunkelheit wirken die Bahnanlagen unheimlich.

Der neue Bahnhof soll aus einem Empfangsgebäude und zwei flankierenden Hochhäusern bestehen. „Das Projekt wird ein Leuchtturm in der zukünftigen Entwicklung des Quartiers am Diebsteich sein“, versprechen die Gewinner des Architektenwettbewerbs vom dänischen Büro C. F. Møller Architects (Aarhus).

Die Dimensionen der neuen Station sind überschaubar: sechs Gleise für den Fernverkehr und zwei für die S-Bahn. Ein Großteil der Baumaßnahmen besteht aus Abrissarbeiten. Unter anderem müssen mehr als 15 Kilometer Gleise und 62.000 Tonnen Schotter abgebaut werden.

Die Kosten für die Gleisanlagen sollen sich auf 360 Millionen Euro belaufen. Zum Vergleich: Stuttgart 21 wird nach jüngsten Angaben der DB mehr als 8,2 Milliarden Euro kosten.

Die Deutsche Bahn erwartet am neuen Bahnhof Altona lediglich gut 20.000 Fahrgäste pro Tag. In „Altona alt“ sind es nach Angaben des Senats mehr als 130.000. Wo bleiben die mehr als 100.000 Reisenden? Sie werden weiter die S-Bahn in Altona nutzen, denn der S-Bahnhof bleibt bestehen. Für die S-Bahn ist Altona keine Endstation, sondern ein wichtiges Kreuz.

Zu den Nutzern des Bahnhofs Altona gehören auch Autofahrer, die ihr Fahrzeug quer durch Deutschland mitnehmen wollen. Doch die Deutsche Bahn hat sich Ende 2016 aus dem Betrieb der Autozüge zurückgezogen.

In ihrer ursprünglichen Planung ging die DB davon aus, dass die Verladestation einfach wegfallen würde. Doch inzwischen fahren die Züge weiter in Regie der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) und zweier privater Betreiber. Zumindest die ÖBB hat erklärt, dass sie auch nach 2023 ihre Autozüge ab Hamburg anbieten will. Die DB Netz AG hat darum ihre Planung nachgebessert und zugesichert, einen Ersatz für die Verladeeinrichtung zu schaffen, nur wo und bis wann ist nach Einschätzung des Gerichts nicht geklärt.

Es dürften mehrere Tausend Autofahrer pro Jahr sein, um deren stressfreie Urlaubsreise in die Alpen oder nach Sylt es jetzt geht.

Verkehrsclub sieht weitere „gravierende Mängel“

Der Verkehrsclub Deutschland, der das Bahnhofsprojekt mit dem Anliegen der Autofahrer ausgebremst hat, scheint nicht ganz glücklich über seinen Erfolg zu sein. Dem Gericht habe die mangelnde Planung der neuen Autoverladung genügt, stellt der VCD in einer gemeinsamen Presseerklärung mit einer Bürgerinitiative nüchtern fest. Der Umweltverband fügt hinzu: „Wir hatten die Autoverladeanlage ebenfalls im Blick, sehen allerdings andere gravierende Mängel, die gar nicht geprüft wurden und nunmehr im Hauptsacheverfahren aufzuarbeiten sind.“

Jetzt verzögert sich der neue Bahnhof auf ungewisse Zeit und er wird teurer. Genaue Angaben dazu gibt es noch nicht. Gut möglich, dass Bahnreisende ohne Auto, Wohnungssuchende und Steuerzahler nun das Nachsehen haben.

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