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Weniger Versorgungsmängel : Altenpflege nach Dekubitus-Skandal vor 20 Jahren besser geworden

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Die Befunde des Hamburger Rechtsmediziner Klaus Püschel führten vor 20 Jahren zu Veränderungen in Pflegeheimen.

shz.de von
erstellt am 02.Mai.2017 | 15:00 Uhr

Hamburg | 20 Jahre nach dem sogenannten Hamburger Dekubitus-Skandal sieht der Rechtsmediziner Klaus Püschel große Fortschritte in der Altenpflege. Bei den gesetzlich vorgeschriebenen Leichenschauen in den Hamburger Krematorien seien heute nur noch ein Fünftel so viele Fälle mit Druckliegegeschwüren feststellbar wie Ende der 1990er Jahre. Maximal 0,5 Prozent von jährlich über 13.000 untersuchten Toten wiesen Dekubitus auf. „Das ist eine sehr, sehr positive Entwicklung“, sagte Püschel am Dienstag bei der Vorstellung einer bilanzierenden Broschüre mit dem Titel „Mit Druck umgehen“.

Die Geschwüre bekommen vor allem pflegebedürftige Menschen, die lange Zeit unbeweglich im Bett oder im Rollstuhl verbringen müssen. Sie können ein Hinweis auf Pflegemängel sein. Das Institut für Rechtsmedizin untersucht die Hamburger Toten, die verbrannt werden sollen, seit 1997. Zuvor hatten dies Amtsärzte der Gesundheitsämter gemacht.

Püschel sichtete nach eigenen Angaben damals jeden Morgen 50 Tote im Krematorium Öjendorf, davon stets mehrere mit Dekubitalgeschwüren. „Das hat mich in gewisser Weise wütend gemacht“, erinnerte sich der Professor. „Dies ist eine Form der Gewalteinwirkung, die ich völlig inakzeptabel finde.“ Er habe das Einschalten von Polizei und Staatsanwaltschaft für nicht erfolgversprechend gehalten, weil die Schuldigen in der Regel kaum zu ermitteln seien.

Stattdessen habe er auf die Zusammenarbeit mit Pflegeeinrichtungen und der Gesundheitsbehörde gesetzt. Nach einer Verbesserung der Pflegequalität habe es zwischen 2007 und 2010 erneut eine Verschlechterung gegeben. Daraufhin habe er wieder Alarm geschlagen. „Wir werden weiter den Finger in die Wunde legen“, versprach Püschel. Die Hamburger Krankenhäuser sind nach seiner Einschätzung bei der Dekubitus-Prophylaxe besser als die Pflegeeinrichtungen.

Franz Pröfener von der Hamburger Pflegegesellschaft räumte ein, dass es immer wieder Versorgungsmängel gebe. Eine gewisse Quote von Dekubitus-Fällen sei aber unvermeidbar. Hochbetagte und schwer kranke Menschen etwa wollten in ihren letzten Lebenstagen nicht dauernd umgebettet werden. Vertreter von Pflegeverbänden, des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen, des Seniorenbeirats und der Gesundheitsbehörde wollen im November wieder an einem Runden Tisch über das Thema beraten.

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