Vorsichtsmassnahme : Alsterschwäne ziehen in ihr Winterquartier

Drei der berühmten Vögel waren am Wochenende aus bisher ungeklärter Ursache verendet.

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06. August 2018, 18:10 Uhr

Hamburg | Mitten im Hochsommer ab ins Winterquartier – das war für manchen Wasservogel am Dienstag gewöhnungsbedürftig. Zumindest ließen sich am Vormittag nicht alle Alsterschwäne widerstandslos zu Olaf Nieß ins Boot hieven. Hamburgs Schwanenvater und seine Mitarbeiter sammelten in einem Noteinsatz etwa 40 der flatternden Wasservögel ein, um sie in ihr vertrautes Winterquartier zum Eppendorfer Mühlenteich zu bringen – nur eben drei Monate früher als üblich.

Auslöser der beispiellosen Aktion ist die Hitzeperiode, die für die Hamburger Symboltiere zur lebensbedrohlichen Gefahr geworden ist. Vier von ihnen waren in den vergangenen Tagen auf der Alster verendet. „Die Todesursache steht zwar noch nicht fest, aber die Hitze stellt ein großes Problem für die Schwäne dar“, sagte Nieß.

Er und andere Experten gehen davon aus, dass die hohen Temperaturen mittelbar zum kritischen Gesundheitszustand der Alsterschwäne beitragen. Etliche der majestätischen Wasservögel lassen die langen Hälse hängen, andere können sich kaum über Wasser halten.

Die Alster ist mehr als 27 Grad warm, weshalb sich Bakterien in großer Zahl vermehren, was wiederum den Sauerstoffgehalt des Stadtsees bedenklich sinken lässt. In der Folge erlebt Hamburg in seinen Binnengewässern ein dramatisches Fischsterben, so dass auch Schwäne auf der Alster nur schwer Nahrung finden. So gründeln sie immer tiefer im Schlamm der Uferzonen, der mit giftigen Bakterien bevölkert ist.

Am Montag hatte sich Nieß entschlossen, die Notbremse zu ziehen und zumindest einen Teil der 120 Vögel vorübergehend ins Winterquartier zu bringen. „Das Wasser ist im Eppendorfer Mühlenteich zwar nicht kälter“, erläuterte der Schwanenvater. „Aber es gibt keine Algenbildung.“ Im Notquartier stehen die geschwächten Vögel unter ständiger Beobachtung, so dass Tierärzte ihnen schnell helfen können kann. Und: Dort entfällt auch der Freizeitstress, dem die Schwäne auf der Alster derzeit ausgesetzt sind. Wegen des schönen Wetters sind dort so viele Segler und Stand-up-Paddler unterwegs wie nie.

Von der Binnenalster kommend hatten die Schwanenbetreuer ihre Schützlinge gegen 10 Uhr zunächst in die Kleine Alster am Rathausmarkt getrieben, dann weiter in die Rathausschleuse. Vor den Augen Dutzender Schaulustiger packten Nieß und Kollegen die Tiere bei den Flügeln und zogen sie in mit Stroh ausgelegte Boote. Flügel und Beine wurden mit Klebeband fixiert, dann gibt die Fahrt alsteraufwärts Richtung Mühlenteich. Die Alsterschwäne haben gestutzte Flügel, weshalb sie dem Sammelkommando nicht entfliehen konnten.

Wie lange sie in ihrem Hitze-Exil ausharren müssen, ist unklar. Nieß geht davon aus, dass sie nach einigen Wochen zurückkehren und dann regulär im November erneut ins Winterquartier gebracht werden.

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