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Bürgerschaftswahl Hamburg : AfD-Parteichef Kruse ist Spitzenkandidat

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Aus der Onlineredaktion

Hamburgs AfD-Chef Kruse warnt vor zu großen Hoffnungen bei der Bürgerschaftswahl in der Hansestadt am 15. Februar 2015. Der Parteitag wählte Kruse mit großer Mehrheit auf Platz eins der Kandidatenliste.

shz.de von
erstellt am 03.Okt.2014 | 16:25 Uhr

Hamburg | Dass in der Handelsmetropole Hamburg allein mit Euro-Ablehnung kein Staat zu machen ist, weiß Jörn Kruse nur zu genau. Und so nennt der frisch gekürte Spitzenkandidat der Partei Alternative für Deutschland (AfD) denn auch Bildungs- und Wissenschaftspolitik als seine Schwerpunkte im bevorstehenden Bürgerschaftswahlkampf. Die Chancen der Euro-Kritiker, am 15. Februar 2015 an der Elbe erstmals den Sprung in ein westdeutsches Landesparlament zu schaffen, stehen nicht schlecht. Bundesweit kommt die AfD laut Umfragen auf neun Prozent, bei den jüngsten Landtagswahlen in Ostdeutschland waren die Ergebnisse teils zweistellig.

Kruse geht mit solidem Rückhalt der Hamburger Basis in den Urnengang in gut vier Monaten. 85 Prozent stimmten beim Landesparteitag am Freitag für den pensionierten Professor, der bis 2013 an der Hamburger Helmut-Schmidt-Uni Wirtschaftspolitik gelehrt hatte. „Jetzt bin ich hauptberuflich Politiker, wenn auch ein unbezahlter“, so Kruse, der den Landesverband seit anderthalb Jahren führt. Die AfD hat in Hamburg etwa 500 Mitglieder und ist seit Mai in mehreren Bezirksversammlungen vertreten.

Bis zu zehn Prozent seien drin bei der Bürgerschaftswahl, sagte der Spitzenkandidat. Er warnte seine Parteifreunde aber zugleich vor Überschwang. „Wir müssen hart arbeiten, schon wenn wir acht oder neun Prozent haben wollen.“ Auf Nachfrage bekundete der 66-Jährige sein Interesse, im Falle eines Wahlerfolges das Amt des Fraktionsvorsitzenden in der Bürgerschaft zu übernehmen.

Dem amtierenden SPD-Alleinsenat warf Kruse unter anderem skandalöses Versagen bei der Inklusion an Hamburgs Schulen vor. Auch vernachlässige Bürgermeister Olaf Scholz die Hochschulen in der Stadt. Weitere Angriffe richteten Parteitagsredner gegen die Verkehrs- und die Sicherheitspolitik der SPD. So warf der ehemalige Innensenator Dirk Nockemann dem Senat vor, die Bürger nicht genügend vor Einbrechern zu schützen. Nockemann (56) ist einer von mehreren ehemaligen Schill-Politikern, die in der AfD ein Comeback feiern. Mit deutlicher Mehrheit schaffte es der Ex-Innensenator auf Listenplatz drei. Auf Rang zwei setzten die Mitglieder den Vize-AfD-Landesvorsitzenden und früheren Verlagsmanager Bernd Baumann (56).

Als Gastredner verwahrte sich der ehemalige Industriepräsident und jetzige AfD-Europaabgeordnete Hans-Olaf Henkel gegen den Vorwurf, die Partei sei rechtspopulistisch. Der gebürtige Hamburger ist eines der bekanntesten Gesichter der AfD, kandidiert aber nicht für die Bürgerschaft. Henkel ermunterte die Hamburger Parteifreunde, Ausländer- und Flüchtlingsthemen im Wahlkampf aufzugreifen, riet ihnen aber: „Lassen Sie es uns so formulieren, dass es nicht den Geruch von Ausländerfeindlichkeit bekommt.“ Der Parteitag will heute das Wahlprogramm beschließen.

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