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Tour mit Album „Cast in Steel“ : A-ha in Hamburg: „Die Stimmen sind nach wie vor toll“

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Die Fans schwelgen in Erinnerungen, doch die Bühnen-Euphorie hat sich nach 30 Jahren abgenutzt.

Hamburg | Das neue Album „Cast in Steel“ handelt von der Vergangenheit, dem Älterwerden, Erinnerungen und Versprechen. Älter sind A-ha definitiv älter geworden, sie sind in einer anderen Lebensphase als damals. Doch obwohl sich vieles ändert hat, spüren die Pop-Rocker dieselbe Leidenschaft wie früher, so sagte Gitarrist Pål Waaktaar-Savoy neulich noch. Beim Konzert am Donnerstagabend in der Barclaycard-Arena spürten die 9500 Zuschauer nichts davon. Die alten Hits funktionierten trotzdem.

Frontmann Morten Harket muss ebenfalls älter geworden sein, es kann nicht anders sein. Auf der Bühne präsentiert sich der 56-Jährige dennoch in altem Look. Seine Haare sind kürzer als zu Hochzeiten in den 80ern, doch gerade sein Körper ist durchtrainiert und muskulös, genau wie damals, als dieser auf Bravo-Starschnitten von den Zimmerwänden blitzte. Die Jeans zerlöchert und über den starken Armen präsentiert er eine schwarze Lederjacke. Wenn es noch eine aus vergangenen Jahrzehnten ist, hat sie die Zeit besser überstanden als seine Songs. Ansonsten macht sie sich einfach origineller. Neu sind die Brillen. Der Wechsel des modischen Nasenfahrrads zieht sich wie ein roter Faden durch die Show. Die eine macht ihn schlauer, die andere hilft ihm dabei, seine Fans zu ignorieren. Immerhin 9500 Besucher sind gekommen. Früher waren die Hallen ausverkauft.

A-ha ist Kult, oder besser war Kult. Damals zwischen 1985 und 1991, als die ganze Welt noch melodisch „Take on me - Take on me, Take me on - Take on me“ singen konnte. Heute dauert es einen Moment, bis einem die Melodie wieder einfällt. Dann flutscht es auch mit dem Refrain. Er macht es uns einfach.

1985 schaffte die norwegische Band A-ha mit Magne Furuholmen, Pål Waaktaar-Savoy und Morten Harket mit diesem Hit ihren Durchbruch. Es folgten „The Sun Always Shines on T.V.“ und „The Living Daylights" - das Titellied zum James-Bond-Film „Der Hauch des Todes“ von 1987. Sie waren bekannt und beliebt. Auch US-Präsident Barack Obama höre ihre Lieder. Es gab stillere Jahre, doch der Erfolg blieb. Im Jahr 2000 brachten die drei Norweger sie das Album „Minor Earth, Major Sky“ auf den Markt. Die Single „Summer Moved On“ schafften es immerhin noch auf Platz 8 der deutschen Charts. Doch die Musiker fühlten sich leer und ausgelaugt. Am 15. Oktober 2009 gaben sie das Ende der Band bekannt, um 2015 wieder ihre Wiedervereinigung zu verkünden. Diesen Musikern ist wohl nicht zu trauen, wenn es um das Ende geht. „Eins ist klar“, so Gitarrist Paul Waaktaar-Savoy „Man kann uns nicht vertrauen, wenn wir sagen: Wir machen Schluss.“

Sie sind also wieder da. Das neue Album ist da, und die Tour ist da. Doch die Musiker irgendwie nicht. Gerade Morten Harket wirkt monoton und gelangweilt. Er agiert, ja, mit dem Tonmann, ständig greift er sich an seinen Knopf im Ohr. Die Sonnenbrille distanziert ihn. Seine Stimme dagegen brilliert den Raum, typisch wie damals. Die Show ist makellos mit fünf Videoleinwänden, der Sound ist gut, die Musik ist deutlich rockiger als sonst, mit vielen Schlagzeug- und Gitarrentönen und schönen Arrangements.

An die 20 Songs spielen sie in hundert Minuten. Sie wissen, was ihre Fans hören wollen: die Hälfte stammt aus ihren ersten Alben „Scoundrel Days" und „Hunting High and Low“, aus dem aktuellen Album sind es weitaus weniger. „The Sun Always Shines on TV“ und „Hunting high and low“ funktionieren genau so gut wie „Take on me“ und „Crying in the rain“. Die Fans schwelgen in alten Erinnerungen und hoffen auf Nostalgie. Morten Harket, Pal Waaktaar-Savoy und Magne Furuholmen bezaubern gemeinsam nicht. Sie schauen sich nicht an, haben nichts zu sagen, zeigen ihr Glück nicht. Die Bühnen-Euphorie hat sich nach 30 Jahren abgenutzt.

Rita Larsen (69) aus Norderstedt: „Es war unser fünftes Konzert von A-ha. Beim ersten Mal war meine Tochter erst 12. Die Stimmen sind nach wie vor toll.“ Michael Jäger (42) aus Hamburg hatte sein persönliches Highlight: „Der Höhepunkt war ,The Sun Always Shines On TV‘. Schön, dass sie so viele alte Lieder gespielt haben.“

Keyboarder Magne Furuholmen sagte zur Reunion, die Band sei das gemeinsames Schicksal der drei Norweger: „Wir können dem nicht davonlaufen“. Das Leben lasse sich nicht planen - ebenso wenig wie menschliche Beziehungen. Vielleicht hatten sie es sich selber anders vorgestellt, besonderer, einmaliger. Morten Harket gab das Ende noch während der aktuellen Tour bekannt. „Das Kapitel a-ha ist für mich ohnehin abgeschlossen.“ Der Tourabschluss am 7. Mai in Norwegen soll wirklich das letzte Konzert sein. Jedenfalls für kurze Zeit.

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erstellt am 15.Apr.2016 | 15:56 Uhr

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