Posten in der Politik : Hamburgs bekanntester Umweltschützer Manfred Braasch wechselt die Seiten

Manfred Braasch, bislang Landesgeschäftsführer des BUND Hamburg .
Manfred Braasch, bislang Landesgeschäftsführer des BUND Hamburg .

Elbvertiefung, Diesel-Fahrverbote, Kraftwerk Moorburg, Fluglärm: Braasch war für den Senat bislang die härteste Nuss.

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18. Mai 2021, 13:37 Uhr

Hamburg | Hamburgs bekanntester Umweltschützer wechselt in die Seiten und geht in die Politik. Manfred Braasch (57), noch Landesgeschäftsführer des BUND, leitet ab 1. Juli die Geschäftsstelle des neuen wissenschaftlichen Klimabeirats in der Umweltbehörde. „Es gibt die Riesenchance, den Hamburger Klimaplan in die richtige Richtung zu bringen, gerade nach dem Klimaurteil des Bundesverfassungsgerichts. Das reizt mich“, erklärte Braasch seine Beweggründe.

Ich bin mehr als der Protokollant. Manfred Braasch

Der wissenschaftliche Klimabeirat besteht aus 15 Professoren, agiert unabhängig und soll den rot-grünen Senat bei der Umsetzung des ehrgeizigen Klimaplans beraten, der rund 400 Maßnahmen umfasst. Zu den Mitgliedern zählen etliche führende Klimawissenschaftler der Stadt sowie Experten von außerhalb, darunter die bundesweit bekannte Energiewissenschaftlerin Claudia Kempfert. Als Leiter der Geschäftsstelle wird Braasch das Professorengremium organisieren, er will aber auch eigene klimapolitische Impulse setzen: „Ich bin mehr als der Protokollant.“

Manfred Braasch als Redner gegen die Schließung des Otto-Retourenbetriebes im vergangenen November.
Markus Lorenz
Manfred Braasch als Redner gegen die Schließung des Otto-Retourenbetriebes im vergangenen November.

Kämpfer gegen Elbvertiefung und für saubere Luft

Der studierte Ernährungswissenschaftler hat den Hamburger BUND seit 1996 als geführt und in dieser Zeit etliche politische Schlachten gegen die unterschiedlichen Senate geschlagen. Braasch gehörte zu den Anführern der Klagen gegen die Elbvertiefung und gegen die Zuschüttung des Mühlenberger Lochs für die Airbuserweiterung – beide Male scheiterte er. Bei anderen Themen hatte der Umweltlobbyist mehr Erfolg, unter anderem mit dem Volksentscheid zum Rückkauf des Strom-, Gas- und Fernwärmenetzes sowie mit der Klage zur Luftreinhaltung, die letztlich zum bundesweit ersten Dieselfahrverbot führte.

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Bisher erklärter Gegner der Senatspolitik

Sein Wechsel in die Umweltbehörde kommt selbst für Vertraute überraschend, hatte der gebürtige Itzehoer doch bis zuletzt scharfe Kritik an der Senatspolitik geübt. Braasch ist erklärter Gegner zentraler Inhalte des rot-grünen Koalitionsvertrages. so lehnt er unter anderem den Bau der Hafenautobahn A 26 Ost und die Erweiterung des Hafens sowie des Flughafens ab. Sein BUND Hamburg fordert zudem stadtweites Tempolimit von 30, eine weitgehend autofreie Innenstadt sowie Klimaneutralität der Stadt schon im Jahr 2035.

Wie er diese Haltung mit seiner neuen Rolle vereinbaren will? „Ich trage die Senatspolitik natürlich mit“, versichert Braasch, habe aber die Hoffnung, in neuer Funktion noch mehr für die Klimapolitik in der Stadt erreichen zu können. Und nach 25 Jahren als BUND-Chef habe er schlicht auch Interesse, sich beruflich noch einmal zu verändern.

FDP-Kritik: „Den Bock zum Gärtner gemacht“

Kritik an der Personalie kommt von FDP-Landeschef Michael Kruse. Er twitterte: „Manfred Braasch kann man zur neuen Stellung beglückwünschen, aber warum der Senat den Bock zum Gärtner macht, muss er erklären.“ Er hoffe für Hamburg, so Kruse, „dass der neue Mitarbeiter nicht von innen weiter in Opposition zu wichtigen Projekten der Stadt agiert“.

Selbst in der regierenden SPD klang Skepsis an. Fraktionschef Dirk Kienscherf schrieb ebenfalls auf Twitter: „Hoffe, dass Manfred Braasch zu einer konstruktiven Rolle in seiner neuen Funktion im Sinne einer nachhaltigen und sozialen Entwicklung Hamburgs findet. Das war in der Vergangenheit nicht immer so…“

SPD-Bürgermeister Peter Tschentscher reagierte reserviert. Angesprochen auf die Entscheidung von Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne), Braasch in seine Behörde zu holen, sagte Tschentscher am Dienstag: „Ich war überrascht. Herr Braasch hat ja eine gewisse Vergangenheit.“ Für diesen ergäben sich nun „neue Loyalitätspflichten“. Der Bürgermeister: „Ich lege Wert darauf, dass alle ihren Job machen.“

Kerstan lobte seinen Neuzugang dagegen: „Manfred Braasch ist ein engagierter Klimaschützer mit Herz, ein hervorragender Kenner der Klimapolitik, der in Hamburg alle wesentlichen Akteure kennt.“

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