Streik an deutschen Standorten : Auch in Hamburg: IG Metall fordert Sicherheit für deutsche Airbus-Mitarbeiter

Avatar_shz von 02. Dezember 2021, 12:50 Uhr

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Ein Streikender der IG Metall steht zu Beginn eines Warnstreiks vor einem Tor des Werkes der Airbus Tochter Premium Aerotec an einer Feuertonne vor einem Transparent mit der Aufschrift 'Warnstreik'.
Ein Streikender der IG Metall steht zu Beginn eines Warnstreiks vor einem Tor des Werkes der Airbus Tochter Premium Aerotec an einer Feuertonne vor einem Transparent mit der Aufschrift "Warnstreik".

Airbus plant weitreichende Umstrukturierungen. Davon könnten bis zu 13.000 Mitarbeiter betroffen sein. Sie bangen jetzt um ihre Arbeitsstellen.

Hamburg | Zum Auftakt einer neuen Warnstreikwelle bei Airbus haben nach Gewerkschaftsangaben rund 300 Beschäftigte vor dem Tor des Hamburger Airbus-Werkes gegen die Umbaupläne des Konzerns demonstriert. Dort begann am Donnerstagvormittag eine Aufsichtsratssitzung der deutschen Tochter Airbus Operations GmbH. Alle deutschen Standorte von Streik betroffen „Die Kollegen und Kolleginnen wollen endlich Schwarz auf Weiß haben, dass ihre Zukunft gesichert ist“, sagte der norddeutsche Bezirksleiter der IG Metall, Daniel Friedrich. Mit der Aktion vor der Aufsichtsratssitzung in Hamburg und den Warnstreiks an allen Standorten von Airbus und Premium Aerotec machen die Beschäftigten deutlich, dass ihre Geduld am Ende ist. Mit ganztägigen Warnstreiks bei Airbus will die IG Metall von Donnerstag an die Fertigung an allen deutschen Standorten des Flugzeugbauers lahmlegen. Geplant sind Arbeitsniederlegungen teilweise über mehrere Schichten und Tage. Den Auftakt sollten am Donnerstag Beschäftigte in Varel und Nordenham in Niedersachsen sowie in Augsburg machen. Von Freitag bis Sonntag sollen sich die Belegschaften von Airbus Operations in Hamburg und Stade anschließen. Auch interessant: Airbus erhält Großauftrag über 225 Jets auf Dubai-Messe IG Metall fordert Unterstützung der kommenden Bundesregierung Bei Airbus und Premium Aerotec in Bremen ist am Freitag ein eintägiger Warnstreik geplant. Bereits im Sommer gab es eine Serie von Warnstreiks. Seitdem haben Airbus und IG Metall in fünf Verhandlungsrunden darüber gesprochen. Zudem muss sich die kommende Bundesregierung aus Sicht der IG Metall in den eskalierenden Streit um den Airbus-Konzernumbau eingreifen. „Ich erwarte, dass sich die neue Bundesregierung jetzt aktiv einschaltet und die Strategie des Aussitzens der alten Bundesregierung sofort beendet“, sagte IG-Metall-Vorstandsmitglied Jürgen Kerner am Donnerstag. Es geht um Interessen Deutschlands, es geht um Arbeitsplätze in Deutschland, die in erheblichem Umfang durch steuerfinanzierte Beteiligung an zivilen und militärischen Luftfahrtprogrammen getragen werden. Kerner kritisierte den Airbus-Chef Guillaume Faury für dessen Äußerungen zu den neuerlichen Warnstreiks der IG Metall bei Airbus. Internes Schreiben von Airbus-Chef sorgt für Ärger Faury hatte die Warnstreiks der Gewerkschaft in einem internen Schreiben an die Belegschaften „unangemessen und respektlos“ genannt. „Wenn überhaupt von Respektlosigkeit gesprochen werden kann, dann in Bezug auf das Verhalten des Managements. Den Beschäftigten ist es zu verdanken, dass Airbus so gut durch die Krise gekommen ist“, sagte er. Zum Dank beabsichtigt Airbus, Unternehmen zu zerschlagen, Standorte zu verkaufen und Arbeitsplätze zu vernichten. Tausende Beschäftigte sind zutiefst verunsichert – das ist absolut nicht akzeptabel. IG Metall sieht deutsche Standorte im Nachteil Die Gewerkschaft beklagt seit langem, dass die deutschen Airbus-Standorte bei der anstehenden Umstrukturierung schlechter behandelt würden als die französischen. „Die Vision und langjährig erfolgreiche Aufstellung von Airbus als ein besonderes europäisches Unternehmen verschwindet zunehmend“, sagte Kerner. „Airbus mutiert immer mehr zu einem französischen, börsennotierten Unternehmen mit einer deutschen Filiale.“ Deutschland ist wie Frankreich mit knapp elf Prozent Aktienanteil an dem Flugzeugbauer beteiligt. Aktuelle Pläne des Unternehmens Airbus will die Teilefertigung bei der Tochter Premium Aerotec in Augsburg, im friesischen Varel und in Rumänien an einen Investor verkaufen. Zudem will Airbus die Montage von Flugzeugrümpfen und -strukturen in einem neuen Tochterunternehmen zusammenfassen. Auch interessant: IG Metall und Airbus verhandeln im Streit um Konzernumbau Insgesamt dürften von den Plänen bei Airbus Operations und Premium Aerotec etwa 13.000 Beschäftigte betroffen sein. Die IG Metall will eine Aufspaltung verhindern. Bisher gemachte Zusagen von Airbus reichen der Gewerkschaft nicht. Mit den Betriebsräten fordert sie vor allem Beschäftigungsgarantien an allen Standorten, die bis ins kommende Jahrzehnt reichen. Die IG Metall läuft seit Monaten Sturm gegen diese Pläne und verlangt, dass die Kleinteilfertigung im Airbus-Konzern verbleiben soll, so wie Airbus das in Frankreich mit der dortigen Tochter Stelia plane. ...

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