Beschäftigte im Ausstand : Airbus: Warnstreik legt Luftfahrtbetriebe lahm

Avatar_shz von 03. Dezember 2021, 18:22 Uhr

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Daniel Friedrich, Chef der IG Metall Küste.
Daniel Friedrich, Chef der IG Metall Küste.

Im Streit um eine neue Konzernstruktur lässt die Gewerkschaft die Muskeln spielen. Die Streiks beinträchtigen die Flugzeugproduktion im Dezember.

Hamburg | „Wenn dein starker Arm es will, stehen alle Räder still“ – gut 14.000 Beschäftigte in den Airbus- und Premium Aerotec-Werken im Norden folgten am Freitag dem Aufruf der IG Metall zum Warnstreik. In allen Werken stand die Produktion still. In Finkenwerder sind die Auswirkungen des Streiks besonders heftig, denn ein verordneter Sonnabend-Arbeitstag fällt aus. Wegen der im Dezember noch ausstehenden 100 Auslieferungen der Flieger der A320-Familie in Finkenwerder sollte auch der Sonnabend ein verordneter Arbeitstag für alle Beschäftigte werden. Doch statt des zusätzlichen Produktionstages gibt es einen zweitägigen Ausfall, denn bereits die Freitagsproduktion lag wegen des Warnstreiks lahm. Das zeigt, wie sauer die Belegschaft über das Agieren des Managements ist. 5000 Gewerkschafter beteiligen sich nach Angaben der IG Metall am Streik. „Die Werke stehen still, und die Hallen sind leer, auch viele Beschäftigte aus Konstruktion und Verwaltung beteiligen sich von zu Hause aus an den Warnstreiks und verweigern die Arbeit“, sagte Daniel Friedrich, Bezirksleiter der IG Metall Küste, in seiner Zwischenbilanz. Der Stader Betriebsratsvorsitzende Tamer Yüksel: „Gut 1800 Kolleginnen und Kollegen sind am Freitag nicht zur Arbeit erschienen. Das zeigt, wie sauer die Belegschaft über das Agieren des Managements ist.“ Warnstreiks im ganzen Norden Ähnlich auch die Situation bei Premium Aerotec in Nordenham. In dem Betrieb sei der größte Teil der 2400 Beschäftigten nicht zur Arbeit erschienen. Bei Airbus in Buxtehude ruhte die Arbeit bereits am Donnerstag wegen einer Betriebsversammlung. Auch die Luftfahrtbetriebe in Augsburg, Varel und Bremen standen am Freitag still. Wegen der hohen Corona-Infektionszahlen gab es keine Kundgebungen oder andere Aktionen an allen Standorten. Hunderte Airbus-Beschäftigte nahmen am Vormittag an einer Online-Kundgebung teil, in der Bezirksleiter Friedrich die Geschäftsführung zu konstruktiven Vorschlägen aufforderte: „Mit einem fairen Zukunftspaket für alle Beschäftigten und Standorte lässt sich der Konflikt schnell lösen. Die große Resonanz an den Warnstreiks zeigt aber auch, dass die Kolleginnen und Kollegen bereit sind, weiter für die Zukunft ihrer Arbeitsplätze und Standorte zu kämpfen.“ Manager zogen Zusagen zurück Wie aus Betriebsratskreisen zu erfahren war, gebe es vom Management Signale bezüglich weiterer Verhandlungen. Die Betriebsräte wollen aber erst wieder an den Verhandlungstisch zurück, wenn geklärt sei, dass die deutschen Manager auch das Mandat aus der Konzernzentrale in Toulouse haben, um Vereinbarungen zu treffen. Zuletzt seien in der vierten Verhandlungsrunde Versprechungen gemacht worden, die in der fünften Runde wieder zurückgezogen werden mussten. Das Verhalten des Airbuskonzerns bedroht aus unserer Sicht die deutsche Luft- und Raumfahrtindustrie. Aus der Politik gab es am Freitag Unterstützung für die Belegschaften: „Der Versuch, die Gespräche um die künftige Struktur vor Airbus und Premium Aerotec zu einem, von allen Seiten akzeptierten Ergebnis zu bringen, wird durch das Verhalten des Konzerns immer wieder konterkariert“, resümiert die Allianz des Nordens und des Südens, eine Initiative von Landes- und Bundestagsabgeordneten und Landräten aus den Regionen Augsburg, Stade, Hamburg, Bremen, Friesland, Buxtehude und Nordenham – über alle Parteigrenzen hinweg. „Das Verhalten des Airbuskonzerns bedroht aus unserer Sicht die deutsche Luft- und Raumfahrtindustrie. Das ist kein lokales Thema, hier geht es um Industriearbeitsplätze“, sagt die niedersächsische SPD-Landtagsabgeordnete Karin Logemann als Sprecherin der Allianz. Die Allianz appelliert an die neu gewählte Bundesregierung, sich klar zu den deutschen Standorten von Airbus und Premium Aerotec zu positionieren und dies auch gegenüber der französischen Konzernführung deutlich zu kommunizieren. ...

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