Hamburg : 99 renovierte Zellen: So sieht es in der U-Haft am Holstenglacis aus

Freundlich, heller, moderner ist der sanierte B-Flügel: „Gute Haftbedingungen sind entscheidend für eine gelungene Resozialisierung“.

Freundlich, heller, moderner ist der sanierte B-Flügel: „Gute Haftbedingungen sind entscheidend für eine gelungene Resozialisierung“.

Das Untersuchungsgefängnis mit 484 Plätzen wurde renoviert. Ab März kommen die Insassen zurück.

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08. Februar 2018, 16:17 Uhr

Hamburg | Im Hamburger Untersuchungsgefängnis am Holstenglacis warten jetzt 99 Zellen in einem komplett modernisierten Gebäudeflügel auf Bewohner. Die Einrichtung verfügt nach dem fast dreijährigen Umbau über insgesamt 484 Plätze für Untersuchungsgefangene, sagte Justizsenator Till Steffen (Grüne) am Donnerstag bei der Präsentation des sanierten B-Flügels.

Eine renovierte Zelle.
dpa

Eine renovierte Zelle.

 

Zur Ausstattung der gut zehn Quadratmeter großen Einzelzellen gehören nun abgetrennte WC-Räume, ein Bett mit Metallgestell, Tisch, Schrank und Bücherbord aus hellem Holz sowie zwei Steckdosen für Radio, Fernseher oder Heißwasserkocher. Handys sind im gesamten Gefängnis verboten. Die Zellen für Rollstuhlfahrer sind etwa doppelt so groß, weil jeweils in einem Nebenraum ein barrierefreies Bad mit Dusche eingerichtet wurde. Die Gefangenen können auch eine Pantryküche und andere Gemeinschafträume nutzen. Die Wände sind alle weiß gestrichen, die Fußböden je nach Etage in Blau, Beige, Ocker oder Grün-Blau gehalten. Die Flure sind videoüberwacht. In die Zellen selbst können die Beamten nur bei Hafträumen für suizidgefährdete Gefangene hineinschauen.

Justizsenator Till Steffen und Claudia Dreyer (l.), Leiterin der Untersuchungshaftanstalt, im frisch sanierten B-Flügel des Untersuchungsgefängnisses.
dpa

Justizsenator Till Steffen und Claudia Dreyer (l.), Leiterin der Untersuchungshaftanstalt, im frisch sanierten B-Flügel des Untersuchungsgefängnisses.

 

„Gefangene erwartet nun ein freundlicher, moderner und heller Gebäudeteil“, sagte Steffen. „Gute Haftbedingungen sind entscheidend für eine gelungene Resozialisierung.“ Die Sanierung sei im Kostenrahmen von 16 Millionen Euro geblieben und pünktlich abgeschlossen worden. „Es war eine Herausforderung, in diesem alten Kasten einen modernen Vollzug zu realisieren“, sagte Steffen. Das äußerlich denkmalgeschützte Gefängnis ist 140 Jahre alt, aber mit Mauern, Zäunen, Stacheldraht und Zugangsschleusen hochgesichert.

Zellentrakt im C-Flügel des Untersuchungsgefängnisses, der zuletzt in den 90iger Jahren renoviert wurde.
dpa

Zellentrakt im C-Flügel des Untersuchungsgefängnisses, der zuletzt in den 90iger Jahren renoviert wurde.

 

Die 34-monatigen Bauarbeiten seien eine große Belastung gewesen, sagte Anstaltsleiterin Claudia Dreyer. Jetzt seien sie und ihre Kollegen richtig froh. „Wenn es fertig ist, ist es wie eine Raupe, die zu einem Schmetterling wird.“ Im Rahmen des Projekts Justizvollzug 2020 gibt es weitere Sanierungsarbeiten in der Justizvollzugsanstalt Fuhlsbüttel, dem offenen Vollzug Glasmoor (Norderstedt) und in der Jugendhaftanstalt Hahnöfersand (Jork).

Ab März sollen wieder alle männlichen Untersuchungsgefangenen am Holstenglacis untergebracht werden. Wegen der Renovierung war bislang ein Teil von ihnen in der Justizvollzugsanstalt Billwerder inhaftiert. Ab und zu werden jedoch auch Frauen kürzere Zeiten in der direkt neben dem Strafjustizgebäude gelegenen Untersuchungshaftanstalt verbringen, und zwar wenn sie einem Richter vorgeführt werden oder an einem Prozess teilnehmen sollen. Weibliche Untersuchungshäftlinge sitzen sonst in Billwerder, jugendliche in Hahnöfersand. Auf dem Gelände am Holstenglacis befindet sich zudem das zentrale Haftkrankenhaus mit 63 Betten – für Männer und Frauen.

Steffen äußerte die Hoffnung, dass die Bürgerschaft möglichst bald über das am Dienstag vom Senat beschlossene Resozialisierungs- und Opferhilfegesetz berät. Kern des Gesetzes ist ein Rechtsanspruch der Inhaftierten auf einen Entlassungsplan. Um die Wiedereingliederung in die Gesellschaft zu erleichtern, sollen sie auf diesen Schritt bereits sechs Monate vor der Entlassung vorbereitet und weitere sechs Monate nachbetreut werden.

Der Senator betonte, dass seine Behörde konsequent das Personal in den Gefängnissen verstärkt. 2017 seien zwölf Beamte mehr eingestellt worden, als Mitarbeiter den Allgemeinen Vollzugsdienst verlassen hätten. Damit sei die Trendwende erreicht. Die Untersuchungshaftanstalt zählt derzeit 389 Mitarbeiter, davon 323 im Allgemeinen Vollzugsdienst.

Zum Personal gehören auch drei Ausländerberater, die beim Dolmetschen helfen, wie Vollzugsleiter Frank von Bremen sagte. Etwa 60 bis 75 Prozent der rund 400 Gefangenen seien Ausländer. Die Untersuchungshäftlinge, meist im Alter zwischen 20 und 40 Jahren, müssen nicht arbeiten, aber sie dürfen es. Jobs gibt es für Maurer, Schlosser, Tischler und als Hausarbeiter sowie als Helfer in der Küche oder im Wäschedienst. Es gibt acht Gefängnishöfe, von denen zwei im Umbau sind. Auf einem soll ein Sportplatz entstehen. „Wenn wir die Gefangenen nur wegbunkern würden, hätten wir vermutlich mehr Probleme“, sagte von Bremen mit Blick auf die Gefahr von Aggressionen.

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