Landgericht Hamburg : 93-Jährige niedergestochen – Angeklagte schweigt

Die 39-Jährige erbeutete rund 400 Euro und fügte der Seniorin etwa 32 Stich- und Schnittverletzungen zu.

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14. September 2018, 17:05 Uhr

Hamburg/Norderstedt | Die Schilderung der Staatsanwältin schockiert: Im März klingelt es morgens an der Tür einer 93-Jährigen in einer Hamburger Senioren-Wohnanlage. Eine freundlich lächelnde Frau gibt sich als Pflegerin aus – doch in Wahrheit will sie die alte Dame ausrauben. Als die alte Dame auf ihren Rollator gestützt Richtung Wohnzimmer geht, wird sie von hinten mit einem Messer attackiert.

Immer wieder habe die Täterin nach Geldverstecken gefragt und dabei zugestochen, sagt die Anklagevertreterin. Insgesamt 32 Mal. Die Beute: Gerade einmal 400 Euro Bargeld. Seit Freitag muss sich eine Ex-Auszubildende des Seniorenheims, eine 39-jährige Deutsche aus Norderstedt, für die Tat vor Gericht verantworten.

Versuchter Mord und schwerer Raub

Die Frau mit den kurzen, dunklen Haaren erscheint in sportlicher Kleidung vor Gericht. Seit ihrer Festnahme wenige Tage nach der Tat sitzt die Arbeitslose in Untersuchungshaft. Sie wirkt angespannt, schaut ernst geradeaus. Versuchter Mord und schwerer Raub wird ihr vorgeworfen. „Sie nutzte bewusst die Arg- und Wehrlosigkeit der Frau aus“, sagt die Staatsanwältin bei Verlesung der Anklage. „Die Geschädigte schwebte in akuter Lebensgefahr.“

Drei Tage nach der Bluttat soll die Angeklagte versucht haben, in Norderstedt mit der gestohlenen EC-Karte Geld abzuheben, doch die war bereits gesperrt. Die 39-Jährige schweigt bislang vor Gericht zu den Anschuldigungen, wird laut Verteidiger später aussagen. Ein psychiatrischer Gutachter verfolgt den Prozess, um am Ende die Schuldfähigkeit zu beurteilen.

Viele offene Fragen

Einem Gerichtssprecher zufolge ist die Frau eine ehemalige Auszubildende, die ihre Lehre aber schon 2016 abbrach. Während dieser Arbeit soll die Angeklagte keinen Kontakt zu der alten Dame gehabt haben. Viele Fragen sind noch unbeantwortet: Wieso suchte die mutmaßliche Täterin gerade diese Bewohnerin aus? Warum stach sie so oft auf die alte Dame ein?

Nach dem Verbrechen im Stadtteil Poppenbüttel hatte die Polizei mit Bildern einer Überwachungskamera nach der Frau gefahndet und Hinweise aus der Bevölkerung bekommen. Bei der Durchsuchung ihrer Wohnung fanden die Ermittler Gegenstände aus der Wohnung der 93-Jährigen sowie die mutmaßliche Tatkleidung. Die Auswertung des Handys ergab nach Angaben des Gerichtssprechers, dass die Angeklagte vor der Tat im Internet nach Texten gesucht haben soll, die sich um die Tötung eines Menschen drehen. Dem Opfer geht es gesundheitlich nicht gut. Ob die alte Dame als Zeugin gehört werden kann, muss noch geklärt werden.

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