Sozialer Wohnungsbau : 8-Euro-Projekt: Hamburg probiert sich an bezahlbaren Wohnungen

<p>So sollen sie aussehen, die beiden viergeschossigen Mehrfamilienhäuser am Vogelkamp in Neugraben, in denen jede Wohnung maximal acht Euro kalt pro Monat kostet</p>

So sollen sie aussehen, die beiden viergeschossigen Mehrfamilienhäuser am Vogelkamp in Neugraben, in denen jede Wohnung maximal acht Euro kalt pro Monat kostet

Der Wohnraum extrem knapp, die Mieten für viele unerschwinglich: Hamburg muss neue Wege gehen, die Zweifel aufwerfen.

shz.de von
20. August 2018, 14:50 Uhr

Hamburg | Hamburg will den Bau bezahlbarer Mietwohnungen voranbringen und hat im Stadtteil Neugraben ein Modellprojekt gestartet: Hier soll für 44 Wohnungen mit 4- bis 6-Personenhaushalten die Nettokaltmiete nicht mehr als 8 Euro pro Quadratmeter betragen. Der Grundstein für die zwei viergeschossigen Mehrfamilienhäuser in Holzmassivbauweise wurde am am 20. August 2018 gelegt.

Investor ist die Versicherung Helvetia. „Das Vorhaben ist nur dann zu realisieren, wenn jeder einzelne Kostenpunkt des Bauvorhabens auf seine Notwendigkeit und Angemessenheit überprüft wird“, sagte Bettina Husemann als Vertreterin des Bauherren. „Liebgewonnene Gepflogenheiten“ sowohl bei Grundrissen als auch der Baukonstruktion überdacht werden müssten, ergänzte Architekt Heiner Limbrock.

Vertreter der Hamburger Bau- und Wohnungswirtschaft zeigten sich skeptisch, dass für dieses Mietniveau viele Wohnungen in der Hansestadt entstehen werden.

Nach Angaben der Stadtentwicklungsbehörde wurde der 8-Euro-Wohnungsbau entwickelt, um ein mittleres Mietpreisniveau zwischen dem des geförderten und dem des frei finanzierten, teureren Mietwohnungsbaus einzuführen. „Wir wollen mit diesem Segment Mieter erreichen, die auf dem frei finanzierten Wohnungsmarkt keine für sie bezahlbare Wohnung finden“, sagte Stadtentwicklungssenatorin Stapelfeldt (SPD). Sie hatte jüngst den Wohnungsmarkt in Hamburg als weiter angespannt bezeichnet. Die Brutto-Kaltmiete lag 2017 nach ihren Angaben durchschnittlich bei 11,02 Euro, der Bundesdurchschnitt bei 7,78 Euro. Auch für den Stadtteil Bramfeld ist ein 8-Euro-Projekt vorgesehen, auf das laut Behörde weitere folgen sollen.

Die Hamburger Bau- und Ausbauwirtschaft (hbaw) äußerte sich verhalten zu den Projekten. „Toll, wenn das klappt. Aber am Ende muss sich jedes Objekt rechnen. Daher kommt es auch darauf an, wie lange der Vermieter an die niedrige Einstiegsmiete gebunden ist“, sagte hbaw-Sprecher Michael Seitz der Deutschen Presse-Agentur. „Außerdem muss man sich den Wohnungsstandort angucken und schauen: Was bekommen die Mieter für ihr Geld?“. Keller, Tiefgaragen oder der Einbau von Fahrstühlen kosteten Geld und seien bei schlichteren Bauten kaum zu realisieren. „Letztlich entscheiden die Mieter, was im Markt angenommen wird.“

Der Verbandssprecher rechnet angesichts gestiegener und steigender Baukosten nicht mit einer Vielzahl solch günstiger Wohnungen. „Wenn sich bei 5 bis 8 Prozent aller zu bauenden Objekte ein solches Angebot realisieren lässt, wäre das gut.“ Seitz hält es für den frei finanzierten Wohnungsbau für ehrlicher, mit durchschnittlich 9 Euro bis 10 Euro Netto-Kaltmiete pro Quadratmeter zu kalkulieren. „Das ist realistischer.“

Diese Einschätzung vertritt auch der Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW), der in Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein 341 Wohnungsgenossenschaften und -gesellschaften vertritt. Eine 8-Euro-Anfangsmiete netto kalt sei in der Bauwirtschaft derzeit kaum zu erreichen. „Kostentreiber sind vor allem die hohen energetischen Anforderungen an Neubauten und die fehlenden Kapazitäten in der Bauwirtschaft“, teilte VNW-Verbandschef Andreas Breitner mit. Für preisgünstige Mietwohnungen sollten weniger gefragte Lagen der Hansestadt verstärkt ins Auge gefasst werden, darunter Steilshoop, Osdorfer Born oder Wilhelmsburg. Diese Quartiere würden durch den Zuzug von Haushalten mit höheren Einkommen stabilisiert, teilte Breitner mit.

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