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Prozess in Hamburg : 58-Jähriger gesteht Schuss auf Mann - wegen Lärm

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Das war eine Partynacht mit blutigem Ende: Zwei betrunkene Männer lärmen frühmorgens in Hamburg. Ein Anwohner verliert die Nerven und schießt mit einem Luftgewehr auf die beiden.

Hamburg | Ein 58-jähriger Angeklagter hat vor dem Hamburger Amtsgericht eingeräumt, von seinem Schlafzimmerfenster aus mit einem Luftgewehr auf einen jungen Mann geschossen und ihn dabei lebensgefährlich verletzt zu haben. Wegen Lärm auf dem Gehweg sei er am frühen Morgen „wütend und aufgeregt“ gewesen - mit dem Schuss habe er den 19-Jährigen und einen Begleiter im Stadtteil Eimsbüttel lediglich vertreiben, nicht aber verletzen wollen, sagte der 58-Jährige am Donnerstag.

„Mir tut wirklich leid, was passiert ist“, sagte er. „Ich wusste nicht, dass man mit einem Luftgewehr so viel Schaden anrichten kann.“ Der Angeklagte hatte am Vorabend mehr als drei Liter Bier getrunken und zwei Gramm Haschisch geraucht - und war dennoch wenige Stunden später durch den Krach wachgeworden. Er zog die Gardine seines Schlafzimmers im zweiten Geschoss zur Seite und beobachtete zwei junge Männer auf der anderen Straßenseite: „Sie kickten tierisch mit einem roten Mülleimer herum, einer trat gegen eine Tür“, sagte der Angeklagte.

Die beiden kamen „schwer angetrunken“ vom Feiern auf dem Kiez, und hatten in Eimsbüttel mit dem Taxi vor einer Bank gehalten, um Geld abzuheben, sagte einer von ihnen vor Gericht. Auch nach einer Viertelstunde habe sich der Lärm nicht gelegt, berichtete der 58-Jährige. Aus Wut holte er sein Luftgewehr aus dem Speisezimmer, legte den Lauf am Fenster an und schoss in Richtung der Männer - sie befanden sich rund 30 Meter entfernt. „Ich habe einen einzigen Schuss abgegeben, danach das Gewehr auf die Couch geschmissen und bin wieder ins Bett gegangen. Ich war erschrocken darüber, wie ich reagiert hatte“, sagte der Schütze. Verletzen wollte er niemanden, er hätte in „die Luft geschossen“, sagte er.

Doch das Projektil traf den damals 19 Jahre alten Mann, der gerade an der Eingangstür der Sparkasse stand. Die Kugel bohrte sich laut Anklageschrift zwei Zentimeter oberhalb des Schlüsselbeins in den Hals und drang dort vier Zentimeter tief ein. „Der Schmerz hatte sich angefühlt wie ein Schlag gegen den Hals, plötzlich war alles voller Blut“, sagte der Mann. „Er befand sich in Lebensgefahr und konnte nur durch eine Notoperation im UKE gerettet werden“, sagte die Staatsanwältin. Drei Tage lang wurde er im Krankenhaus behandelt. Der 58-Jährige muss sich neben gefährlicher Körperverletzung auch wegen des Verstoßes gegen das Waffengesetz verantworten.

Die Ermittler fanden zwei Schreckschussrevolver, ein weiteres Luftgewehr, 39 Knallkartuschen und Pyrotechnik in seiner Wohnung. Das Sammeln von Schusswaffen sei seine Freizeitbeschäftigung gewesen, sagte der gelernte Schiffsmechaniker. Für den Prozess ist ein weiterer Termin am 30. Oktober geplant.

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erstellt am 23.Okt.2014 | 17:25 Uhr

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