Hafen Hamburg : 50 Jahre Containerumschlag: Von Stahlkisten, die die Welt veränderten

Die „American Lancer“ 1968 am Burchardkai: Das erste Containerterminal des Hamburger Hafens war erst drei Monate zuvor fertiggestellt worden.

Die „American Lancer“ 1968 am Burchardkai: Das erste Containerterminal des Hamburger Hafens war erst drei Monate zuvor fertiggestellt worden.

Am 31. Mai 1968 lief das erste Containerschiff den Hamburger Hafen an. Und die Weltwirtschaft änderte sich grundlegend.

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31. Mai 2018, 07:01 Uhr

Hamburg | 6,06 Meter lang, 2,44 Meter breit und 2,59 Meter hoch: Das sind Maße, die die Welt veränderten. Denn es sind die Maße eines 20-Fuß-Standardcontainers. Am Donnerstag, 31. Mai, ist es 50 Jahre her, dass das erste Containerschiff den Hamburger Hafen angelaufen hat. Ein historischer Tag: Denn im vergangenen halben Jahrhundert hat die genormte Stahlkiste die Weltwirtschaft grundlegend verändert – und die Globalisierung erst möglich gemacht.

Das erste Containerschiff, das jemals in den Hamburger Hafen eingelaufen ist: Die „American Lancer“ mit einem Fassungsvermögen von 1200 TEU.
HHLA
Das erste Containerschiff, das jemals in den Hamburger Hafen eingelaufen ist: Die „American Lancer“ mit einem Fassungsvermögen von 1200 TEU.

Genormte Stahlkisten: Die Idee

Ein Container, der auf alle Transportfahrzeuge passt: Die Idee ist so einfach wie simpel. Die genormte Box erfunden haben soll der US-amerikanische Logistiker Malcom McLean. Ob Bananen, Sneaker, Autos oder Computer: In den praktischen Containern, die genauso auf ein Schiff als auch auf Lkw und Züge passen, wird mittlerweile eigentlich alles verfrachtet. Bezeichnet werden die Boxen auch als TEU. Das steht für Twenty-foot Equivalent Unit, zu deutsch: 20 Fuß-Standardcontainer. Zwar gibt es auch 40 Fuß-Container (FEU). Das Fassungsvermögen von Containerschiffen aber wird daran gemessen, wie viele TEU-Container es laden kann.

Die Containerrevolution

Mit einem Fassungsvermögen von 1200 TEU schipperte am 31. Mai 1968 die 213 Meter lange „American Lancer“ der Reederei United States Lines erstmals in den Hamburger Hafen ein. Gerade ein Jahr zuvor hatte der Hamburger Senat beschlossen, den Burchardkai zu einem Containerterminal auszubauen. Dort legte die „American Lancer“ an und begründete mit ihrer Ladung ein neues Zeitalter. Hatten Hafenarbeiter vorher noch Kaffeesäcke, Teppiche und Rinder einzeln auf die Hafenkante befördern und jede Ware anders anschlagen und an Bord bringen müssen, konnte die Ladung nun bequem in den immer gleichen Boxen mit Kränen an Land gehievt und abtransportiert werden.

Ob Bananen, Sneaker, Autos oder Computer: In den praktischen Containern, die genauso auf ein Schiff als auch auf Lkw und Züge passen, wird mittlerweile eigentlich alles verfrachtet.
Maurizio Gambarini/dpa
In den praktischen Containern wird mittlerweile eigentlich alles verfrachtet.

Die sogenannte Containerisierung heizte der Wirtschaft mächtig ein. Der Hafen Hamburg musste wachsen und baute schon bald aus. 1977 eröffnete zum Beispiel das Containerterminal Tollerort, das heute zur Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) gehört. Zuletzt diskutiert wurde die Westerweiterung. Der Ausbau ist aus Sicht der Stadt von hoher Bedeutung für die Wettbewerbsfähigkeit des Hafens. Geplant ist, gegenüber dem Övelgönner Elbufer (Othmarschen) eine 38 Hektar große Fläche für zwei große und einen kleineren Schiffsliegeplatz herzurichten.

Die Westerweiterung in Hamburg ist auf dem Gelände des ehemaligen Petroleumhafens geplant.
HHM/Michael Lindner
Die Westerweiterung in Hamburg ist auf dem Gelände des ehemaligen Petroleumhafens geplant.
 

Die Umschlagszahlen in der Hansestadt kannten über die folgenden Jahrzehnte nur noch einen Weg: nach oben.

Auf dem Höhepunkt befanden sich die Umschlagszahlen 2007 mit damals fast zehn Millionen Containern. Kurz darauf – als Folge der Weltwirtschaftskrise 2009 – brachen die Zahlen um fast 30 Prozent auf nur noch sieben Millionen Container ein. Mittlerweile haben sich die Zahlen auf durchschnittlich neun Millionen Container pro Jahr eingependelt.

Zehn Containerschiffe pro Tag

2017 konnte der Hamburger Hafen 3.652 Ankünfte von Containerschiffen verzeichnen. Das sind im Durchschnitt zehn pro Tag. Alle diese Containerschiffe dürften auch die Schiffsbegrüßungsanlage Willkomm-Höft in Wedel passiert haben. Weltweit wurden vergangenes Jahr etwa 140 Millionen Container umgeschlagen. Transportiert wurden sie von 5147 Containerschiffen.

3.652 Mal haben Containerschiffe 2017 am Hamburger Hafen angelegt.
HHM/Michael Lindner
3.652 Mal haben Containerschiffe 2017 am Hamburger Hafen angelegt.
 

Mit ihren Umschlagszahlen ist die Hansestadt der größte Hafen in Deutschland. Laut Hafen Hamburg gehört er sogar zu den Top 20 Containerhäfen der Welt. Doch um weiterhin im Welthandel mithalten zu können, wird von wirtschaftlicher Seite aus schon seit Jahren eine weitere Elbvertiefung gefordert.

Die Schiffe werden immer größer

Denn der Welthandel wächst und mit ihm die Containerschiffe. Die Frachter werden immer größer, breiter und tiefer. Als bisher größtes Schiff ist die „Antoine de Saint Exupéry“ im März dieses Jahres in den Hamburger Hafen eingelaufen. Mit 400 Metern Länge ist sie fast doppelt so groß wie das erste Containerschiff 1968. Doch noch beeindruckender ist ihr gigantisches Fassungsvermögen: 20.600 TEU, das ist 18 mal mehr als die „American Lancer“ hätte verstauen können.

Als bisher größtes Schiff ist die „Antoine de Saint Exupéry“ in Hamburg eingelaufen.
HHM-dietmar Hasenpusch
Als bisher größtes Schiff ist die „Antoine de Saint Exupéry“ in Hamburg eingelaufen.
 

Nicht zuletzt wegen der immer größer werden Schiffe wird die Elbvertiefung seit Jahren in Hamburg und die gesamte Elbe hinunter diskutiert. Die letzte Fahrrinnenanpassung wurde 1998/1999 umgesetzt. Hamburg will den Flusslauf zwischen dem Stadtgebiet und der Mündung bei Cuxhaven um bis zu 1,50 Meter vertiefen und in Teilen verbreitern, damit die immer größeren Frachtschiffe Hamburg mit weniger Einschränkungen anlaufen können. Gut für die Wirtschaft, sagt der Hamburger Hafen. Schlecht für die Natur, sagen Umweltschützer.

Die ganze Geschichte der Container in Hamburg hat der Hamburger Hafen in einer Multimedia-Story zusammengefasst.
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