Nach Öffentlichkeitsfahndung : 37 Jahre nach Angriff auf Mädchen in Hamburg: Polizei nimmt Verdächtigen fest

Die Polizei veröffentlichte ein Foto der Tatwaffe und bekam so den entscheidenden Hinweis auf den mutmaßlichen Täter.
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Die Polizei veröffentlichte ein Foto der Tatwaffe und bekam so den entscheidenden Hinweis auf den mutmaßlichen Täter.

Ein Spezialeinsatzkommando verhaftete am Montagabend einen 53-Jährigen. Er ist dringend tatverdächtig.

shz.de von
06. Februar 2018, 10:37 Uhr

Hamburg | 37 Jahre nach zwei sexuellen Angriffen auf zwei junge Mädchen in Hamburg-Steilshoop hat die Polizei einen Tatverdächtigen festgenommen. Ein Spezialeinsatzkommando habe am Montagabend die Wohnung des 53-Jährigen in Hamburg-Wandsbek gestürmt, sagte ein Polizeisprecher am Dienstag. Der Mann sollte im Laufe des Tages einem Jugend-Haftrichter vorgeführt werden, weil er zur Tatzeit erst 16 Jahre alt war, wie eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft sagte. Die Ermittlungen führt die Soko Cold Cases, die die Hamburger Polizei vor gut einem Jahr gegründet hat.

Der Festgenommene soll am 1. November 1980 gegen 22 Uhr eine 16-Jährige angegriffen haben. Er habe sie durch mehrere Messerstiche lebensgefährlich verletzt. Der Täter habe angenommen, das Mädchen sei tot, und habe noch versucht, es zu vergewaltigen. Als Zeugen aufmerksam wurden, habe er die Flucht ergriffen. Die 16-Jährige konnte durch eine Notoperation gerettet werden, wie die Polizei weiter mitteilte.

Im Zusammenhang mit einem anderen Ermittlungsverfahren der Soko Cold Cases hätten sich bei der Polizei Zeuginnen gemeldet, die von einem ähnlichen Überfall in Steilshoop berichteten. Demnach soll derselbe Täter bereits im Spätsommer 1980 versucht haben, eine 16-Jährige zu vergewaltigten. Das Mädchen konnte sich jedoch in eine Gaststätte flüchten.

Trotz intensiver Ermittlungen gelang es der Polizei damals nicht, den Täter zu ermitteln. Erst im vergangenen Monat konnte die Soko den 53-Jährigen vernehmen. Dabei bestritt der Verdächtige jedoch die Taten. Die Ermittler hatten jedoch ein wichtiges Beweisstück: Nach dem blutigen Angriff auf die 16-Jährige hatten die Beamten ein Jagdmesser mit Horngriff gefunden, das der Täter auf der Flucht versteckt hatte. Das Messer mit 15 Zentimeter langer Klinge konnte schon damals eindeutig als Tatwaffe identifiziert werden. Der 53-Jährige gab an, das Messer zu kennen und auch schon mal in der Hand gehabt zu haben. Er wisse jedoch nicht, wem es gehöre.

Eine Öffentlichkeitsfahndung der Soko erbrachte nun den entscheidenden Hinweis. Am vergangenen Sonntag veröffentlichten die Ermittler ein Foto des Jagdmessers und der Lederscheide mit der Darstellung eines röhrenden Hirsches und fragte, wer es einer bestimmten Person zuordnen könne. Nur einen Tag später meldete sich ein Zeuge, woraufhin die Staatsanwaltschaft die Festnahme anordnete.

Die versuchte Vergewaltigung vom Spätsommer 1980 sei verjährt, erklärte eine Polizeisprecherin. Wegen des versuchten Mordes in Tateinheit mit versuchter Vergewaltigung vom 1. November 1980 könne der Täter dagegen immer noch vor Gericht kommen. Das Opfer stehe als Zeugin zur Verfügung, sei aber traumatisiert.

In Steilshoop wurde ab Ende der 60er Jahre eine Satellitenstadt errichtet. Das Hochhausviertel entwickelte sich in den folgenden Jahrzehnten zu einem sozialen Brennpunkt.

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