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Versteigerung von Nachlass des DDR-Funktionärs : 35.000 Euro für alte Sachen von Walter Ulbricht

vom
Aus der Onlineredaktion

Aus dem persönlichen Nachlass von Ulbricht werden in Hamburg ein Personalausweis und alte Briefe versteigert.

shz.de von
erstellt am 21.Okt.2017 | 16:23 Uhr

Hamburg | Vom Personalausweis mit Original-Unterschrift und Fingerabdruck bis zur Sammlung geheimer Dokumente und Briefe: Teile des Nachlasses des ehemaligen DDR-Funktionärs Walter Ulbricht und seiner Frau Charlotte („Lotte“) sind am Samstag in Hamburg unter den Hammer gekommen. Die Gegenstände erinnern an das bewegte Leben des einst wichtigsten Politikers in der Deutschen Demokratischen Republik und enthüllen unbekannte Details des DDR-Gründerpaars.

Rund 30 Besucher sind in den imposanten mit Stuck und Kronleuchtern verzierten Saal eines Hotels gekommen, um bei den insgesamt zehn angebotenen Positionen mitzubieten. Für den Auktionstag, an dem auch viele weitere Gegenstände wie etwa Uniformen, Abzeichen und Orden aus anderen Epochen versteigert werden, haben sich insgesamt rund 250 Live-Bieter im Internet registriert. Mehrere Angestellte des „Auktionshaus Carsten Zeige“, das die Veranstaltung ausrichtet, halten zudem laufend mit Telefonbietern Rücksprache und heben stellvertretend für sie Gebotsschilder in die Höhe.

Besonders begehrt ist ein Paket mit sechs Ausweisen, darunter ein Personalausweis Ulbrichts mit Foto, Fingerabdruck und Original-Unterschrift. Es geht für 7400 Euro an einen anonymen Telefonbieter. Als Startpreis für die zehn Gegenstände ist zuvor eine Summe von 10.000 Euro ausgerufen worden - nun wechseln sie für insgesamt rund 35.000 Euro den Besitzer. „Wir sind sehr zufrieden mit dem Ergebnis“, sagt Auktionator Carsten Zeige. „Für ein paar Papierzettel eine Menge Geld“, fügt er schmunzelnd hinzu.

Bei der Versteigerung des Nachlasses Ulbrichts sind die Saalbieter eher zurückhaltend. Nur zwei der insgesamt zehn Positionen werden von Anwesenden ersteigert. Sven Kjellström hat das Paket „Lotte Ulbricht in Moskau“ erworben. Neben drei sowjetischen Ausweisen der gelernten Stenotypistin sind außerdem drei Einladungskarten zu Feierlichkeiten anlässlich der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution 1952/53 sowie zwei Medaillen enthalten.

Der Schwede ist aus Berlin für die Auktion angereist. „Ich wollte eigentlich mehr kaufen, aber die Gebote waren einfach zu hoch“, bedauert der 66-Jährige. Der private Sammler hat in den 1980er in Jugoslawien gelebt, damals ein beliebter Urlaubsort der Ostdeutschen. Zudem hatte er auch einmal geschäftlich in der DDR zu tun. Er schrieb 2011 das Buch „DDR for historical interest collectors“.

Die angebotenen Dokumente könnten auch für Historiker von Interesse sein. So war Lotte bereits vor ihrer Eheschließung mit Walter Ulbricht mit Erich Wendt verheiratet, der in der Sowjetunion unter Stalin in Ungnade fiel. Außerdem heiratete sie Otto Schultchen 1923 und ließ sich 1942 wieder von ihm scheiden. Zudem werfen Familienstammbuch, Familien- und Scheidungsurkunde Fragen auf.Demnach heirateten Charlotte Kühn und Walter Ulbricht im Jahr 1950.Ihren Nachnamen hatte Kühn aber schon 1946 in Ulbricht geändert.

Walter Ulbricht(1893-1973) war von 1949 bis zu seiner Entmachtung 1971 der bedeutendste Politiker der Deutschen Demokratischen Republik. Unter seiner Führung entwickelte sie sich zum sozialistischen Staat und ließ am 13. August 1961 die Berliner Mauer errichten. Von ihm stammt das berühmte Zitat „Niemand hat die Absicht eine Mauer zu errichten“.

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