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Nach tödlicher Messerattacke in Hamburg : 26-Jähriger muss fünfeinhalb Jahre ins Gefängnis

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Er hatte im März einen 18-Jährigen nach einem Streit mit einem Küchenmesser getötet. Dafür wurde der Mann verurteilt.

shz.de von
erstellt am 11.Feb.2015 | 16:00 Uhr

Hamburg | Das Hamburger Landgericht hat am Mittwoch einen 26-Jährigen wegen Totschlags und gefährlicher Körperverletzung zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt. Nach Darstellung des Gerichts war der junge Mann in der Nacht zum 9. März 2014 mit einer Gruppe Jugendlicher in Streit geraten. Nach einer Schlägerei an einer Bushaltestelle in Hamburg-Bergedorf folgten die Jugendlichen dem Angeklagten zur Wohnung seiner Freundin. Ein 18-Jähriger forderte den Angeklagten dort heraus und beleidigte ihn heftig. Der griff sich daraufhin ein Küchenmesser und verletzte den 18-Jährigen tödlich.

Einen 16-Jährigen, der hinzueilte, verwundete er schwer. Dem Angeklagten seien „die Sicherungen durchgebrannt“, stellte die Vorsitzende Richterin fest.

Vor der verhängnisvollen Auseinandersetzung hatte der 26-Jährige mit seiner Freundin deren Geburtstag in einem Lokal gefeiert. Auch die Jugendlichen hatten gefeiert, in einem Garten mit viel Wodka. Auf dem Heimweg gegen 0.30 Uhr trafen sie an einer Bushaltestelle aufeinander. „Was guckt ihr?“, habe einer von ihnen den Angeklagten gefragt und dessen Freundin grob beleidigt. Es entwickelte sich eine Schlägerei. Die Freundin alarmierte die Polizei per Notruf, aber als sie sah, dass ihr Freund die Oberhand behielt, sagte sie den Beamten: „Es hat sich schon alles erledigt.“

Beide gingen zur Wohnung der jungen Frau, die Jugendlichen folgten auf Initiative eines unterlegenen Schlägers, der sich habe rächen wollen. Als sich der Angeklagte am Wohnzimmerfenster zeigte, habe man sich weiter beschimpft. Der 18-Jährige sei allein vor das Fenster gegangen und habe den Angeklagten aufgefordert, kein Feigling zu sein, herauszukommen und die Sache „von Mann zu Mann“ zu regeln. Es folgten Beleidigungen „mit extrem sexuell herabwürdigendem Bezug“, wie die Vorsitzende Richterin in der Urteilsbegründung sagte.

Wutentbrannt nahm der Angeklagte ein Küchenmesser mit einer acht Zentimeter langen Klinge, lief auf die Straße und versetzte dem Herausforderer wortlos drei Messerstiche, von denen einer das Herz verletzte. Als der 18-Jährige zu Boden ging, griff sein 16 Jahre alter Freund in den Kampf ein und bekam einen Stich in den Oberkörper. Der Angeklagte konnte sich - ebenfalls verletzt und blutend - in die Wohnung retten und durch einen Hinterausgang flüchten. Der 18-Jährige starb eine Stunde später im Krankenhaus. Am nächsten Tag wurde der Messerstecher gefasst, als er in das Auto seines Anwalts steigen wollte, vermutlich um sich zu stellen.

Mildernd für den Angeklagten wertete das Gericht die Provokation in Gegenwart der Freundin. Durch die Wut sei seine Steuerungsfähigkeit erheblich vermindert gewesen. Zu Gute hielt ihm das Gericht auch, dass er den Tod des 18-Jährigen in seinem letzten Wort bedauert und die Angehörigen um Entschuldigung gebeten habe.

Die Vorsitzende Richterin erwähnte aber auch, dass sich zwei Zeuginnen vor dem Angeklagten und seinen Angehörigen gefürchtet und ihre Aussagen offenbar deswegen abgeschwächt hätten. Auch die Atmosphäre im Zuschauersaal war gespannt. Die Familie des 26-Jährigen duldete keine Angehörigen des Opfers neben sich in der ersten Sitzreihe. Der Angeklagte im grauen Hemd mit kurzem, gepflegten Irokesenschnitt nahm das Urteil ohne Regung hin. Nur ab und zu schaute er zu seiner Familie und lächelte.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der Angeklagte bleibt vorerst in Untersuchungshaft. Angesichts der erheblichen Strafdrohung und seiner Arbeitslosigkeit bestehe Fluchtgefahr.

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