Hamburg : 19 Millionen Euro für den öffentlichen Nahverkehr

Nutzer des öffentlichen Nahverkehrs könnten nach den Vorstellungen des neuen Hochbahn-Chefs W-LAN nutzen können.
Hamburg will verstärkt auf den ÖPNV setzen, um den Verkehr zu entlasten.

Die Hochbahn setzt auf Großraumbusse und Kurzzüge sollen zu Hauptverkehrszeiten nicht mehr eingesetzt werden.

shz.de von
03. Juli 2018, 15:54 Uhr

Hamburg | Eine U-Bahn, der man auf dem Bahnsteig hinterher läuft, weil sie ein Kurzzug ist, und sie dann doch verpasst? Unfreiwilliges Kuscheln mit anderen Fahrgästen, weil die S-Bahn mal wieder hoffnungslos überfüllt ist? Das und mehr soll  ab Dezember der Vergangenheit angehören. Die „Öffis“ in Hamburg wie S- und U-Bahnen und Busse  wollen  ihre Angebote deutlich verbessern. Längere Züge, neue Bahnen und dichtere Takte sollen die Kapazitäten im Berufsverkehr um 20 bis 30 Prozent steigern. 19 Millionen Euro werden investiert. „Der ÖPNV ist das Rückgrat unserer Mobilität“, sagte der Bürgermeister mit Blick auf die jüngsten Fahrgastzahlen im öffentlichen Personennahverkehr.

Die Stadt reagiert damit auf die rasant steigenden Nutzerzahlen  in den vergangenen zehn Jahren. Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher: „Wir können nicht auf die Vollendung von Infrastrukturprojekten in zehn Jahren warten. Wir müssen uns jetzt auf die steigende Nachfrage einstellen und wollen deshalb kurzfristig Verbesserungen für Fahrgäste schaffen.“

U-Bahn

Auf der U-Bahn-Linie 3 und der U1 zwischen Farmsen und Ohlsdorf sollen künftig drei Züge in zehn Minuten eingesetzt werden. Zu Spitzenzeiten sollen sogar vier Züge innerhalb von zehn Minuten fahren. Die Angebotsausweitung bedeutet auch das Aus für die U-Bahn-Kurzzüge: Auf den Linien U1, U2 und U3 werden tagsüber und am Abend Vollzüge eingesetzt, auf der U4 werden mindestens 80-Meter-Züge fahren. 

Busse

90 Großraumbusse  mit 125 Plätzen − das entspricht einer Steigerung von 20 Prozent − sorgen für mehr Platz. Ausgeweitet wird auch das Angebot an den Abenden, so dass künftig sogar ein Kinobesuch möglich ist, wenn man  für den Nachhauseweg auf den Bus angewiesen ist: Die Metrobuslinien, die die Innenstadt mit dem Stadtrand verbinden, fahren täglich zwischen 5 Uhr (bisher 6 Uhr) und 23 Uhr (bisher 21 Uhr) mindestens alle zehn Minuten. Auch am Wochenende wird die Zehn-Minuten-Taktung ausgeweitet.

S-Bahn

Die S-Bahn erweitert ihr Verkehrsangebot auf allen Strecken. Zusätzliche Züge und dichtere Takte im Berufsverkehr sowie am Abend sollen den Service und die Zuverlässigkeit für die Fahrgäste erhöhen. Zum Einsatz kommen zusätzliche Bahnen, vor allem auf der stark frequentierten Linie S3. Im Berufsverkehr werden zwischen Elbgaustraße und Neugraben nur noch Langzüge für bis zu 1500 Fahrgäste pro Zug zum Einsatz kommen. Auf den Linien S2 und S11 sind künftig nur noch Vollzüge mit Platz für bis zu 1000 Fahrgäste geplant.

Bringservice zu den Haltestellen

Ganz neue Wege gehen die Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein  (VHH) ab dem 18. Juli. Dann wird in den Stadtteilen Lurup und Osdorf ein On-Demand-Service für Öffi-Nutzer eingerichtet − zunächst in einer sechsmonatigen Testphase. „On demand“ bedeutet „auf Bestellung“:  Per App kann ein Öffi-Nutzer  im HVV-Tarif ein Auto mit bis zu acht Sitzplätzen bestellen und sich damit zur nächst gelegenen Haltestelle bringen lassen.  Es entstehen für den Fahrgast keine zusätzlichen Kosten. Wie VHH-Chef Jan Görnemann erläuterte, will das Unternehmen den Fahrgast hier „an der Haustür“ abholen, weil dort die Zahl der Öffi-Nutzer hoch ist, die Anbindung aber seit Jahren bekannterweise besonders schlecht. 

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