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Festnahmen und verletzte Polizisten : 1. Mai in Hamburg: Demonstrationen friedlich – mit Ausnahmen

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Die Hauptdemonstration verlief friedlich. Im Schanzenviertel und in Wilhelmsburg gab es Ausschreitungen.

shz.de von
erstellt am 02.Mai.2017 | 06:34 Uhr

Hamburg | Der G20-Gipfel hat am Montag erstmals mehrere tausend Gipfelgegner in Hamburg auf die Straße gebracht. Gut zwei Monate vor Beginn des Treffens der führenden Industrie- und Schwellenländer kamen am Abend knapp 3000 Teilnehmer zur „revolutionären 1.-Mai-Demonstration“, die von der kommunistischen Gruppierung Roter Aufbau angemeldet worden war. Die Polizei war von nur etwa 2000 Teilnehmern ausgegangen, unter ihnen mutmaßlich mehrere hundert gewaltbereiter Linksextremisten.

Der Aufzug unter dem Motto „Krieg und Krise haben System. G20 entern, Kapitalismus versenken“ war gegen 18 Uhr im Schanzenviertel gestartet und führte über St. Pauli und den Hafenrand bis in die Innenstadt. Gegen 20.15 Uhr erreichten die Protestanten ohne nennenswerte Zwischenfälle den Jungfernstieg, wo nahe dem Alsterhaus die Schlusskundgebung abgehalten wurde. Dort sorgten einige Teilnehmer für leichte Unruhe, als sie Böller, Knallfrösche und Pyrotechnik zündeten. Die Polizei nahm einen 26-Jährigen vorläufig fest, der einen Böller in Richtung der Beamten warf. Die Lage beruhigte sich ansonsten schnell, weil die Polizei nicht weiter einschritt. Gegen 20.35 Uhr löste sich die Veranstaltung auf. Auch beim Abmarsch der Teilnehmer kam es zunächst nicht zu den befürchteten Ausschreitungen.

Während die Demo in der Innenstadt friedlich verlief, ist es danach zu einzelnen Angriffen auf Polizeibeamte im Hamburger Schanzenviertel gekommen. Diese wurden mit Flaschen und Böllern beworfen. Daraufhin räumte die Polizei das Schulterblatt vor dem linksautonomen Kulturzentrum Rote Flora. Einzelne Randalierer wurden festgenommen, sechs Polizisten wurden verletzt. Fünf davon versahen ihren Dienst weiter. Ein Polizeibeamter wurde in einem Krankenhaus ambulant behandelt; er konnte seinen Dienst danach nicht wieder aufnehmen.

Nach Angaben der Polizei schlugen gegen 19.47 Uhr etwa 25 bis 30 vermummte Personen in der Veringstraße in Hamburg-Wilhelmsburg die Scheiben einer Bank sowie zweier weiterer Geschäfte ein. Die polizeilichen Ermittlungen dauern an.

Ab 21.45 Uhr befanden sich etwa 200 bis 300 Personen im Umfeld der Roten Flora. Im weiteren Verlauf wurden hier Glasflaschen und pyrotechnische Gegenstände in Richtung der Polizeibeamten geworfen. Um 21.59 Uhr erfolgte über Durchsagen daher die Aufforderung an die Anwesenden, sich aus dem Schulterblatt zu entfernen. Das Schulterblatt und angrenzende Straßen wurden schließlich gesperrt. Um 22.09 Uhr räumten Polizeikräfte das Schulterblatt in Richtung Altonaer Straße. Dies führte zu einer sofortigen Beruhigung der Lage und einer starken Abwanderung aus diesem Bereich. Die Gesamtzahl vorläufig fest- oder in Gewahrsamen genommener Personen lag in der Nacht noch nicht vor.

Die Polizei Hamburg setzte etwa 2100 Beamte ein. Davon kamen etwa 700 Beamte zur Unterstützung aus Schleswig-Holstein, Bremen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Rheinland-Pfalz sowie von der Bundespolizei.

Wohl auch wegen des bevorstehenden G20-Gipfels hatte die Polizei den Demonstrationszug in der Innenstadt mit noch mehr Kräften begleitet als am 1. Mai in Hamburg ohnehin üblich. Besonders intensiv schützten die Beamten den Bereich um die Messehallen, den Haupttagungsort der G20-Politiker. Dort waren Wasserwerfer und Räumfahrzeuge aufgefahren. Unentwegt kreiste ein Polizeihubschrauber über der Menge der Demonstranten.

Diese wandten sich auf Plakatzen und in Sprechchören gegen die bestehende Welt- und Wirtschaftsordnung, skandierten „Hoch die internationale Solidarität“ und sangen die Internationale. Als die Elbphilharmonie in Sicht kam, riefen Teilnehmer: „Jugendzentren, statt Elbphilharmonie, den Klassenkampf gewinnt ihr nie!“ Direkt am Ort des Geschehens befand sich auch Innensenator Andy Grote (SPD) – mit Jeans und Polizei-Windjacke bekleidet. Er sprach vor Demonstrationsbeginn mit Einsatzeinheiten, an seiner Seite stärkte auch Polizeipräsident Ralf-Martin Meyer den Beamten den Rücken.

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