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Schneckenplage im Garten : Hände weg vom Bier: Zehn Methoden, Schnecken zu bekämpfen

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Aus der Onlineredaktion

Es gibt keinen gesunden Garten ohne Salaträuber, doch ab einem gewissen Punkt muss man sich gegen sie verteidigen. Wie man das Schneckenproblem in den Griff bekommt – oder auch nicht.

Flensburg | Schnecken sind die Feinde des Hobbygärtners. Sie fressen den Salat, die Erdbeerpflanzen und selbst vor den ansonsten katastrophensicheren Kartoffelblättern machen sie nicht Halt. Auch um die laut Lehrbuch verschmähten Blätter der Roten Beete machen sie in diesem Jahr keinen Bogen mehr. Wer nicht aktiv wird, der überlässt seine Ernte trotz all der investierten Arbeit und Fläche unweigerlich den 40.000 gierigen Zähnen der ungebetenen Gäste. Oft hat der Gärtner dieses Fiasko durch schlechte Bodenbearbeitung und unüberlegte Bepflanzung selber herbeigeführt. Doch für Überlegungen dieser Art ist bereits die falsche Jahreszeit angekommen.

<p>Eier der Spanischen Wegschnecke.</p>

Eier der Spanischen Wegschnecke.

Foto: imago/blickwinkel

Gerade in diesem Jahr ist es in manchen Gegenden Schleswig-Holsteins nach dem milden Winter ganz besonders schlimm mit dem Appetit der inzwischen etablierten Spanischen Wegschnecke, die so viel Schleim produziert, dass sie kaum Fressfeinde auf den Plan ruft – und sich überdies bis zu 400-fach in einem Jahr vermehrt. Die Dänen nennen sie ob ihres Appetits und ihrer Reproduktionsgabe gar „Killerschnecken“.

Abends in der Dämmerung, wenn die braunen Plagegeister zum Dinieren ihre Verstecke verlassen und sich überraschend schnell in die Beete vortasten, machen sich viele Gartenbesitzer auf die Pirsch nach den nackten Tatsachen mit den silbrigen Spuren. Die zeitraubende Aktion zur blauen Stunde hat gelegentlich etwas Kriegerisches an sich. Zu wahren Grausamkeiten aufgelegt, picken die Gemüse-Anbauer und Blumenzüchter Abend für Abend manchmal Hunderte der klebrigen Nahrungskonkurrenz von Rasen, Busch, Blatt und Beet. Das soll abgenagte Stümpfe am Morgen verhindern. Einmal pro Woche nützt nicht viel, denn eine neue Population baut sich rasend schnell wieder auf.

<p>Ein Anblick des Ekels: Die Schnecken eines einzigen Abends.</p>

Ein Anblick des Ekels: Die Schnecken eines einzigen Abends.

Foto: Götz Bonsen

Um nicht kapitulieren zu müssen und damit die Tiere möglichst am Leben bleiben, ist es immer besser, proaktiv zu werden. Verschiedene Methoden können für Waffenstillstand zwischen Plagern und Geplagten sorgen und die ekelerregende Komponente der schönen Sommerabende wegstreichen. Was nützt was im Kampf um das köstliche Grün?

Das Schneckenkorn

Foto: imago/Manfred Ruckszio

Fangen wir an mit der Chemie-Keule: Rechtzeitig im Frühling angewandt zeigt das Schneckenkorn – eine Art Rattengift für Schnecken – bei vielen Gärtnern gute Wirkungen im Unterfangen, die Schneckenbestände einzugrenzen. Doch insgesamt ist die Methode aus vielen Gesichtspunkten bedenklich. Einer davon ist, dass es Lockstoffe enthält und womöglich mehr Schnecken anlockt. Auf dem heranreifenden Beet will der grüne Daumen das Molluskizid auch nicht so gerne ausstreuen. Immerhin ist der für Kinder und Säugetiere ebenso lebensgefährliche Wirkstoff mit Metaldehyd seit einigen Jahren abgelöst. Das ändert leider nichts daran, dass die zum Fraß vorgeworfenen Körner auch unschädliche, gehäusetragende Schnecken anlocken und ihnen bei Verzehr den Garaus machen. Vergiftungserscheinungen bei Hunden und Katzen können auch bei aktuellen Mitteln auftreten. Man stelle sich außerdem vor, wie Kamerad Igel eine schneckenkorngeschwächte Schnecke verspeist und ihm davon übel wird. Würde er es wieder tun? Giftige Eisenphosphate bleiben überdies langfristig im Boden enthalten.

Eine Alternative für sehr übersichtliche Beete ist die Schneckenabwehr-Paste auf Paraffinbasis. In etwa fünf Zentimeter Breite rund um den gefährdeten Bereich gestrichen, entwickelt sie bei Berührung einen so unangenehmen Geschmack, dass die Schnecke eine Vollbremsung macht.

Bierfallen

Foto: imago/McPHOTO/Diez


Schnecken lieben Bier. Das lässt sich leicht verifizeren, wenn man kleine Töpfe mit dem Gerstensaft aufstellt, in denen die Gejagten dann ertrinken. Der Nachteil dieser Variante ist neben der Tödlichkeit, dass Bier so viele Schnecken anzieht, dass diese sich auf dem Weg zum Pils dann trotzdem erstmal einen Entrée vom Salat genehmigen, während andere im Alkohol ertrinken. Die Methode ist daher trotz des sichtbaren Ergebnisses kontraproduktiv, es sei denn mann setzt sie innerhalb eines Schneckenzauns ein.

 

Kaffeesatz vergießen

Vertreibung funktioniert angeblich besser als Lockstoff. Das Nervengift Koffein mit seinem prominentesten Träger Kaffee kann ein Weg zur Lösung der Probleme sein. Der Naturschutzbund Deutschland empfiehlt jedenfalls, Kaffeesatz um die bedrohten Pflanzen herum oder ganzflächig auszustreuen. Allein der Geruch macht Schnecken abtrünnig, und das Gift kann sie schwächen. Die Meinungen über die Effizienz gehen weit auseinander, Untersuchungen zeigen aber leichte Effekte, ebenso bei Moos-Extrakten. Darüber hinaus gilt es dann, Eigelege (zum Beispiel unter Steinen und Tonscherben) ausfindig zu machen und abszusammeln.

 

Grüne Abschreckung

<p>Schaublatt schreckt Schnecken ab.</p>

Schaublatt schreckt Schnecken ab.

Foto: imago/blickwinkel

Schnecken sind Feinschmecker. Sie bevorzugen feuchte Gärten, in denen junges Gemüse wächst und wandern dorthin. Es gibt aber auch genügend Pflanzen, die sie nicht mögen. Reizvoll bleibt der Garten trotzdem, wenn Staudenphlox, Schaublatt (Rodgersia, Foto Mitte) und Veronica einziehen, statt Rittersporn und Eisenhut. Manchmal reicht schon der Wechsel zu einer anderen Art oder Sorte, um Schnecken abzuhalten. So wird das Kreuzkraut Ligulara dentata attackiert, Ligularia przewalskii aber nicht. Hosta-Sorten sind dank ihres festen Gewebes bei Schnecken wenig beliebt. Im Sommerblumenbeet bleiben Bartfaden (Penstemon), Zweizahn (Bidens) und Lobelien ohne Fraßschäden. Dort lassen sich fertige Sommerblumen-Mischungen aussäen, die unter Namen wie „Schneckenresistente Blütensymphonie“ oder „Schneck-resist“ angeboten werden. Man kann auch Pflanzen mit starkem Aroma wie Thymian und Rosmarin anbauen. Farne und Fetthenne stehen ebenfalls nicht auf dem Speiseplan der Schnecken. Im Gemüsebeet verschmähen sie Tomaten, Petersilie und Endivien, Zwiebeln und Spinat.

 

Indische Laufenten

Foto: imago/INSADCO

Laufenten wird eine Vorliebe für Schnecken und Schneckeneier nachgesagt. Doch auch die sie sind kein Allheilmittel. Wer sich die Mühe macht, die Tiere für das Wohlgelingen des Gartens zu halten, der sollte wissen, dass sie am Ende ganz ententypisch dann doch die Wasserflächennahrung der Schneckenspeisung vorziehen und amtsmüde werden. Außerdem wühlen sie gern im Gemüsebeet herum.

 

Lebendfallen

Gerade wenn man einige Tage nicht vor Ort ist, bieten Schneckenfallen Unterstützung beim verstetigten Sammeln. Mit einfachen Mitteln ist es möglich, Lebendfallen zu bauen, die die Zeit des Absammelns deutlich verkürzen. Man kann auch vorgefertigte Fallen kaufen. Meist sind es Plastikbehälter, in die die Schnecken zwar hineinkommen aber nicht wieder entfliehen können. Mit dem richtigen Köder kann man die Schnecken aus großem Umkreis zusammentrommeln. Salatreste eignen sich gut, aber auch eingeweichtes Brot, heißt es auf schneckenhilfe.de.

 

Eierschalen

Die von einem Breitenfelder (Kreis Herzogtum Lauenburg) betriebene Internetseite schneckenhilfe.de beschäftigt sich ausgiebig mit Methoden zur Vertreibung der Plagegeister und legt dabei darauf wert, dass die Schnecken nicht gequält oder getötet werden. Das Einkesseln der bedrohten Pflanzen mit zerbrochener Eierschale zeigte bei Tests immerhin einen leichten Effekt. Für die großflächige Praxis eher ungeeignet.

 

Igel anlocken

Fressfeinde sind nicht unbedingt rar gesät. Nützlinge wie Vögel, Igel, Käfer und Kröten reduzieren immerhin die Anzahl der kleinen Ackerschnecken zuverlässig. Ihre Rolle gilt es daher zu stärken. Was die Spanische Wegschnecke: Wenn ausgewachsen, ist sie ihren natürlichen Feinden zu groß und sie schmeckt ihnen nicht. Dennoch ist die Ansiedlung dieser Tiere durch bestimmte Maßnahmen ein guter Weg, den Garten in einen Zustand ausgewogener Schneckenvielfalt zu überführen.

 

Schneckenzäune

Foto: imago/Westend61

Bei der mechanischen Abgrenzung geht es meist nicht um den gesamten Garten, sondern um gefährdete Bereiche wie das Erdbeer-Beet, Hochbeete oder den frisch gepflanzten Salat. Sie lassen sich durch Schneckenzäune vor dem Schneckenangriff schützen. Als 20 bis 25 Zentimeter hohe Bauwerke umschließen sie den Schutzbereich. Die Zäune besitzen an der oberen Kante einen abweisenden Falz, über den die Schnecken nicht hinwegkriechen. Es gibt auch eine eher unnötige Zaunvariante, die die Schnecken mit schwachem Strom fernhält. In der Anschaffung sind beide Varianten eher teuer. Dafür bieten sie wirksamen Schutz.

Neuer Anstrich

Sofern eine zehn bis 15 Zentimeter hohe Umrandung der Fläche möglich ist oder Töpfe verwendet werden, bietet ein Bio-Schutzanstrich namens „Schnexagon“ eine wirksame Verriegelung gegen Schnecken. Der Lack haftet auf diversen Materialien und kommt dabei ohne Gifte aus. Er verhindert wirkungsvoll, dass die Schnecken senkrechte Anhöhen hochsteigen können, sie verlieren bei Berührung mit dem Anstrich ihre Haftung.

Diverse weitere Methoden wie das Kupferband oder der Pflanzenhut zeigen praktische Wirkung. Sie sind jedoch eher für Töpfe oder eingefasste Beete, bzw. kleine Pflanzen geeignet. Auch sollte man versuchen, den Garten einigermaßen trocken zu halten. Da hat Mutter Natur ja nun aber auch ein Wort mitzureden.

(mit dpa)

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erstellt am 12.Jul.2017 | 19:47 Uhr

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