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Bis zu 51.303 Euro je Hektar in SH : Grundstücke für Landwirte sind so teuer wie nie

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Bauern auf der Suche nach Flächen müssen im Norden tief in die Tasche greifen. Seit 2007 steigen die Preise jedes Jahr.

Kiel | Schleswig-Holsteins Bauern, die eigenes  Land besitzen, dürfen sich die Hände reiben. Wer Ackerland pachtet, muss hingegen immer tiefer in die Tasche greifen:  Der Kaufwert landwirtschaflticher Nutzflächen im Land hat einen neuen Rekordwert erreicht.  Im Durchschnitt lag der Preis im vergangenen Jahr bei 27101 Euro je Hektar und damit zwei Prozent höher als  2015.   Das teilte das Statistische Amt für Hamburg und Schleswig-Holstein gestern mit.

Vor allem für landwirtschaftliche Betriebe, die wachsen wollen, sind finanzierbare Bodenpreise wichtig. Denn mit steigenden Flächenpreisen steigt auch die Pacht. 

Einige Böden sind wahre Luxusgüter: 51303 Euro für einen Hektar Land in Nordoldenburg/Fehmarn war der Spitzenwert in der Auswertung von 764 Veräußerungsfällen durch das Statistikamt (ohne Gebäude und Inventar): „Der durchschnittliche Kaufwert variiert zwischen 12370 bis 51303 Euro je Hektar“, heißt es in einer Mitteilung. Zum Vergleich: 1980 lag in Schleswig-Holstein der damalige Höchststand bei 14300 Euro je Hektar.

Am teuersten sind landwirtschaftliche Fläche im Osten Schleswig-Holsteins. Auf den lehmigen Böden des Hügellandes lassen sich beste Erträge erzielen. Der Preis dafür: durchschnittlich 31654 Euro je Hektar.  Dem folgt die Marsch entlang der Nordsee (27427 Euro).

<p>Marsch, Hohe Geest, Vorgeest und Hügelland – so gliedern sich die Naturräume in Schleswig-Holstein.</p>

Marsch, Hohe Geest, Vorgeest und Hügelland – so gliedern sich die Naturräume in Schleswig-Holstein.

Foto: Statistikamt für Hamburg und Schleswig-Holstein

Insgesamt lässt sich seit zehn Jahren ein kontinuierlicher Anstieg der Preise feststellen. So lag der Kaufpreis je Hektar 2006 noch bei durchschnittlich 11031 Euro. „Schönheit vergeht, Land besteht“, fasst Isa-Maria Kuhn, Sprecherin der Landwirtschaftskammer in Rendsburg, die Hintergründe der Entwicklung mit einer bäuerlichen Weisheit zusammen. Gerade in Schleswig-Holstein seien die Böden fruchtbar und damit attraktiv für Investoren. „Die Betriebe sind wie alle wirtschaftlichen Unternehmen bestrebt zu wachsen und wir haben wahnsinnig niedrige Zinsen. Die Nachfrage ist also groß“, erklärt  Kuhn. Gleichzeitig ist das Angebot für Ackerland begrenzt.

Das Nachsehen haben Betriebe ohne eigenen Landbesitz.  Denn mit den Bodenpreisen seien in den vergangenen Jahren auch die Pachtpreise gestiegen, erklärt der Kieler Agrarökonom Prof. Uwe Latacz-Lohmann. Eine Ursache für die Preisentwicklung seien die gesetzlich vorgeschriebenen Ausgleichsflächenregelungen bei Eingriffen in die Landschaft. So würden etwa beim Bau der Hinterlandanbindungen für die Fehmarnbelt-Querung absehbar in großem Umfang Flächen aus der landwirtschaftlichen Nutzung genommen. Dies verteuere die verbleibenden Flächen ebenso wie die Kompensationsregeln bei der Ausweisung von Windparks.

Der schleswig-holsteinische Bauernverband befürchtet mittelfristige Betriebsaufgaben, weil Flächen nicht aufgrund hoher Bodenpreise nicht weiter entwickelt werden könnten. Profiteur sei vornehmlich das Land, das durch diese Entwicklung beim Grunderwerb höhere Steuereinnahmen generiert, heißt es in einer Stellungnahme auf Nachfrage von shz.de.

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erstellt am 20.Jun.2017 | 14:36 Uhr

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