zur Navigation springen

Europeada 2020: Die Entscheidung : Grenzland will Minderheiten-EM: Was für Slowenen in Kärnten spricht

vom

Am Samstag fällt die Entscheidung. Werden Nord- und Südschleswig Austragungsort der Fußball-EM der Minderheiten?

shz.de von
erstellt am 19.Mai.2017 | 16:28 Uhr

Cluj/Klausenburg | Am Sonnabend wird entschieden, wer die Fußball-Europameisterschaft der Minderheiten (Europeada) im Jahre 2020 austragen darf. Zur Wahl stehen das deutsch-dänische Grenzland mit seinen vier Minderheiten (Friesen, Sinti und Roma, Dänen und Deutsche) und Kärnten mit der slowenischen Volksgruppe.

Das deutsch-dänische Grenzland hofft darauf, dass die Zusammenarbeit der vier Minderheiten als positives Signal die Delegierten auf dem Kongress der Föderalistischen Union Europäischer Volksgruppen überzeugen kann. Zudem gilt das 100-Jahr-Gedenken an die Geburtsstunde von zwei der vier Minderheiten – die Grenzfestlegung per Volksabstimmung 1920 – als Argument.

Mit dem Argument der 100-Jahres-Gedenkens können die Kärntner Slowenen allerdings auch aufwarten. Denn wie in Schleswig wurde 1920 auch dort abgestimmt – die Wahl stand zwischen Deutschösterreich und Jugoslawien. Kärnten blieb österreichisch, weil ein sehr großer Teil (vielerorts die Mehrheit) der Slowenen für Österreich votierte. Die Kärntner Landesversammlung hatte schließlich kurz vor der Abstimmung versprochen, dass sie die „sprachliche und ihre nationale Eigenart (der Slowenen, Red.) jetzt und alle Zeit wahren will“.

Kärnten bekommt eine neue Landesverfassung – womöglich Slowenisch

Die neue Landesverfassung sei ein weiterer Knackpunkt der Kärntner Bewerbung, sagt Fortunat Olip, der geschäftsführender Obmannstellvertreter beim Rat der Kärntner Slowenen ist: „Wir haben uns für diese Europeada ganz bewusst auch im Zusammenhang mit dem derzeit aktuellsten Thema in Kärnten beworben, nämlich, dass das Land Kärnten in den nächsten Monaten eine neue Landesverfassung beschließt. Und darin wird Deutsch als Landessprache eingeführt, das Slowenische als zweite Sprache des Landes, die ja mit den Gesetzen eigentlich geregelt ist, kommt in dieser Verfassung nicht vor. Und ich glaube, dass das im Jahre 2017 ein ganz gewaltiges Manko ist, das man unbedingt beheben muss.“

„Die Europeada wäre eine Chance für Kärnten“

Der Streit um die Verfassung hat Wellen durch ganz Europa geschlagen. Renate Schnack, Minderheitenbeauftragte der Landesregierung Schleswig-Holsteins, hatte einen offenen Brief im Sinne der Slowenen an die Kärntner Politiker geschrieben. „Mit der Bewerbung für die Europeada wollen wir dem Land Kärnten ein deutliches Signal geben. Das Land Kärnten muss sich in dieser Frage bewegen“, sagt Olip.

Als Kärntner Slowenen (slowenisch Koroški Slovenci) bezeichnet man die autochthone slowenischsprachige Volksgruppe im österreichischen Bundesland Kärnten.

Die Verankerung der slowenischen Sprache ist keine rein symbolische Geste – für die Kärntner Slowenen geht es von der Kinderbetreuung über den Behördengang bis zur Altenpflege um fundamentale Lebensbereiche, die durch die Landesverfassung und die darin festgeschriebenen Sprachen betroffen sind.

„Die Europeada wäre eine Chance für Kärnten, wo Volksgruppen aus ganz Europa die sprachliche, kulturelle Vielfalt in ein Land bringen, wo sie ohnehin schon vorhanden ist, gelebt wird, gehört und gesprochen wird. Und die sprachliche Buntheit, Vielfalt Europas hätte in Kärnten einen Platz, wo auch jene, die sich zur slowenischen Sprache in der Landesverfassung noch nicht bekennen können, ihre Sicht der Dinge ändern würden“, sagt Olip.

„Eine Vision für Europa im Allgemeinen“

Doch Kärnten habe auch andere Argumente als nur politische im Wettbewerb mit dem Grenzland, berichtet er: „In erster Linie geht’s darum, dass wir in einem geographisch zentralen Punkt Europas liegen, wo zwei Sprachgruppen, die Kärntner Slowenen und die deutschsprachigen Kärntner, ihren Lebensort haben. Die Buntheit, die Schönheit des Landes den Volksgruppen in ganz Europa zeigen können, die sprachliche, kulturelle, von der Schönheit der Landschaft begleitete Buntheit Europas, das macht’s aus. Und das ist ja auch eine Vision für Europa im Allgemeinen. Das wäre eine Botschaft zum Osten hin, in den Süden, in den Westen, in den Norden Europas. Kärnten hat ein Signal gesetzt, lädt die Volksgruppen Europas ein, um selber besser zu werden.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen