18-Kilometer-Tunnel bis Rødby : Zweifel an Fehmarnbelt-Querung: Planungsfirma soll juristische Bedenken verschwiegen haben

 Jahrhundertbauwerk: der Fehmarnbelt-Tunnel.
Jahrhundertbauwerk: der Fehmarnbelt-Tunnel.

Deutsche Planungsverfahren könnten dem Tunnel zum Verhängnis werden, darüber schweigt Femern A/S offenbar seit 2010.

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15. März 2018, 17:27 Uhr

Kopenhagen/Kiel | Der Fehmarnbelt-Tunnel wird allmählich zum „Stuttgart 21“ Dänemarks. In den letzten Wochen hatten Berichte für Aufregung gesorgt, wonach sich das grenzüberschreitende Tunnel-Projekt durch fehlende Genehmigungen in Deutschland und resultierende Bau-Verzögerungen um eine Milliarde Kronen verteuern könnte. Eine Enthüllung der Zeitung „Jyllands Posten“ zeigt jetzt, dass die staatliche dänische Baugesellschaft Femern A/S offenbar schon seit 2010 von den zu erwartenden Schwierigkeiten weiß, die Informationen darüber aber wie auch in anderen Fällen nicht preisgab.

 

Eine juristische Beraterin der geheimniskrämerischen Femern A/S soll demnach 2010 von der Einleitung der Auftragsausschreibung und der Unterzeichnung von Bauaufträgen im Umfang von 30 Milliarden Kronen vor Klärung der Genehmigungsverfahren in Deutschland abgeraten haben. Laut „Jyllands-Posten“ seien diese Ratschläge allerdings nicht den zuständigen Folketingspolitikern übermittelt worden.

Nicht nur der Folketingsabgeordnete Hans Christian Schmidt (Venstre), der zum Zeitpunkt der Vertragsabschlüsse über das Bauvorhaben 2016 Transportminister war, sieht Klärungsbedarf. Seiner Meinung nach hätten die Schreiben der juristischen Beraterin Bettins Enderle, die 2013 durch andere Juristen ersetzt wurde, präsentiert werden müssen. Enderle ist Spezialistin für deutsches Umweltrecht.

Einige politische Wortführer verlieren allmählich den Glauben an die Rentabilität, die auf deutscher Seite ohnehin vorherrscht und nur durch den Umstand, dass Dänemark die Querung aus eigener Kasse zahlt, beseitigt werden konnte.

Stimmen werden in Dänemark laut, das Projekt noch einmal zu überdenken, und der Argwohn ist plötzlich groß. Sie fordern, dass die seit fast einem Jahr aufgrund von so genannten „methodischen Problemen“ zurückgehaltene große Umfrage zum Gesamtprojekt offengelegt wird – jedenfalls für die Handelspartner und die Entscheidungsträger.

Die Untersuchung hat laut einem Bericht des Dänischen Rundfunks (DR) zwei Jahre das Verhalten von 56.000 Storebelt-Pendlern untersucht. Da angenommen wird, dass vor allem sie den neuen Tunnel benutzen, erwartet man recht präzise Rückschlüsse auf das letztendliche Verkehrsaufkommen – und damit auf den Kern der Wirtschaftlichkeit. Femern A/S war bislang nicht gewillt, die Ergebnisse der großen Unbekannten herauszugeben. Über die Gründe kann spekuliert werden.

Laut Femern A/S ist aber eine neue Studie im Gange, bei der die Forscher über mobile Daten sehr viel präziser und „über das ganze Jahr“ messen können sollen, mit wie vielen Durchfahrten später zu rechnen sein wird. Die Untersuchung auf der Deutschen Seite soll Ende des Jahres abgeschlossen sein. 2018 hätte die Verbindung nach ursprünglicher Planung bereits stehen sollen. Auf Lolland hofft man, dass der Bauginn auf das Frühjahr 2019 fällt.

Nachdem die Fertigstellung des Tunnels zwischen Fehmarn und der dänischen Insel Lolland lange für 2021 vorgesehen war, wurde zuletzt 2024 avisiert. Den Bau des rund 19 Kilometer langen Tunnels finanziert Dänemark allein. Zuletzt wurden dafür Kosten in Höhe von 7,4 Milliarden Euro genannt. Deutschland muss nur die Hinterlandanbindung auf seinem Gebiet bezahlen. Dafür nannte das Bundesverkehrsministerium vor einigen Monaten eine Summe von 2,2 Milliarden Euro.
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