Christian Jebsen macht Kaffee : Von der Plantage in Tansania direkt zur südjütischen Kaffeetafel

<p>Christian Jebsen hat seine Leidenschaft für die Kaffeezucht entdeckt, bevor er Kaffeetrinker wurde. „Wir lernen mit jeder Ernte dazu, was den Anbau angeht.“</p>

Christian Jebsen hat seine Leidenschaft für die Kaffeezucht entdeckt, bevor er Kaffeetrinker wurde. „Wir lernen mit jeder Ernte dazu, was den Anbau angeht.“

Die ganze Produktionskette und Wissenschaft des Ngorongoro Mountain Coffee liegt in der Hand eines Landwirten aus Nordschleswig.

shz.de von
01. Juli 2018, 14:19 Uhr

Leise rieseln die grünen Bohnen durch Christian Jebsens Hände zurück in den Jutesack. „Es ist verblüffend, wie anders Kaffee riecht, bevor er geröstet wird. Eher wie Heu. Oder Bohnen“, sagt er, und lässt die Besucher Probeschnuppern. In der Rothenkruger Lagerhalle bei Apenrade stapeln sich hunderte von Säcken. Eine 7.000 Kilometer lange Reise liegt hinter den Hochlandbohnen von Christian Jebsen: Aus dem Norden Tansanias in den Süden Dänemarks.

Seit über zwei Jahrzehnten betreibt der Nordschleswiger die Plantage Shangri-La. Christian Jebsen kennt jeden Hügel, jeden Baum, jeden Strauch, auf dem sein Kaffee wächst. Auf 18 Feldern baut er am Ngorongoro-Krater Kaffee an. Was vor 26 Jahren mit dem Kauf einer Plantage in Afrika begann, ist für ihn zur Leidenschaft geworden.

Aus Ngorongoro wird Kifaru

Als Landwirt pendelt er zwischen Afrika und Europa. Pflügen auf Loit Land, pflücken in Shangri-La. Er hat mittlerweile Swahili gelernt. Und lernt es noch. „Zum Philosophieren reicht es noch nicht, aber für die Landwirtschaft schon.“ Mit seiner Frau Bodil verbringt er die Winter in Tansania. Den Rest des Jahres lebt er in Loit und fliegt alle sechs bis sieben Wochen für eine Woche auf die Farm, die 200 Tonnen Kaffee pro Jahr produziert. Bislang. Tendenz steigend.

Mit der Umbenennung von Ngorongoro Mountain Coffee zu Kifaru Coffee will Jebsen sein Produkt besser vermarkten und die Bekanntheit steigern. „Ngorongoro ist hierzulande einfach zu schwer auszusprechen“, sagt Jebsen. Seit dieser Woche wird sein Kaffee unter dem Namen Kifaru vermarktet. Kifaru, das ist jenes seltene schwarze Nashorn, das entlang des Ngorongoro-Kraters lebt und als Wappentier der Gegend zur Legende wurde.

<p>Die Shangri-La Farm von Christian Jebsen liegt am Rande des Ngorongoro Kraters im Norden Tansanias.</p>
Jesper Rais /www.raisfoto.dk

Die Shangri-La Farm von Christian Jebsen liegt am Rande des Ngorongoro Kraters im Norden Tansanias.

Nun reckt es seine Hörner auf dem rot-schwarz-weißen Masai-Muster der Kaffeepackungen. Und wirbt für das, was Jebsen mit der Farm wichtig ist: Nachhaltigkeit, Rückverfolgbarkeit, ausgezeichnete Qualität.

Jeder Kaffeesack ist genau beschriftet

Jebsen kennt jeden der Feldabschnitte, von denen die Bohnen stammen. „Der hier“, sagt er und klopft auf den Sack vor ihm, „kommt aus der Sektion Apenrade 6. Ausgezeichnete Lage am Hang, sehr gute Bohnen.“ Für ihn geht es nicht darum, irgendwie Kaffee zu verkaufen. sondern sehr gute Bohnen zu züchten, zu ernten, zu vertreiben und zu genießen. Einmal ihm Jahr lädt er mit zwei benachbarten Kaffeefarmen Baristas aus Deutschland, Dänemark und den USA zur Verköstigung ein. „Wir lernen jedes Jahr dazu“, sagt er über die Kunst des Kaffeeanbaus. Die gesamte Wertschöpfungskette prägt das Endprodukt: „Der Kaffee ist am besten, wenn er am Baum hängt, danach geht es abwärts.“

Vom Feld direkt in die Tasse

Ernte, Spülvorgänge, Rösten, Lagerung – Jebsen hat den Ehrgeiz, den Kaffee in Eigenregie „vom Feld in die Tasse zu verkaufen“. Ein Angebot, das weltweit weniger als zehn Kaffeeproduzenten machen. Traceability, also die Rückverfolgbarkeit eines Produktes, ist das neue Schlagwort. „Der Verbraucher will wissen, woher sein Produkt kommt“, sagt Jebsen. Kifaru wirbt damit: „Direkt von unserer Farm“, so der Slogan auf der Packung.

Jebsen glaubt, dass sich das Bewusstsein und somit auch der Markt für sehr guten Kaffee verändert. In Deutschland und Dänemark sei der Konsum von schlechten Billigprodukten durch die Kaffeesteuer traditionell hoch. Vor allem in Dänemark gebe es allerdings eine immer größer werdende Gruppe qualitätsbewusster Verbraucher, die eine neue Kaffeekultur vorantreiben.

„Da sollte man nicht sparen“

Der Loitinger will ebenfalls Kunden mit Qualität und Geschichte davon überzeugen, dass geschmackvoller Kaffee seinen Preis haben darf. In den Badehotels der Jebsen-Familie, unter anderem in Ballebro und Düwig, wird Kifaru bereits serviert, auch das Restaurant Knapp hat auf Kifaru umgestellt. „Der Kaffee ist am Ende eines Restaurantbesuches immerhin der Geschmack, den man als Eindruck mit nach Hause nimmt. Da sollte man nicht sparen.“

<p>Kein Schritt wird ausgelagert: von der Ernte bis zum Vertrieb koordiniert Christian Jebsen seine Kaffeebohnen.</p>
Jesper Rais /www.raisfoto.dk

Kein Schritt wird ausgelagert: von der Ernte bis zum Vertrieb koordiniert Christian Jebsen seine Kaffeebohnen.

Was er mit der Farm in Tansania erreichen will? „Auf Loit Land betreibe ich eine normale Landwirtschaft, im Herbst haben wir auf Bio umgestellt. Warum Kaffee? Kaffee ist nunmal anders als Weizen. Kaffee ist toll und sexy, ein Produkt, das mit Fantasie weiterentwickelt werden kann. Kaffee kann eine Geschichte erzählen. Um es mal so zu sagen: Niemand zahlt mir für meinen Weizen mehr, nur weil er mit Blick auf die Apenrader Förde aufgewachsen ist.“

Kifaru erzählt eine Geschichte. Die von einer Farm, auf der 50 Mitarbeiter angestellt sind, zudem 200 Tagelöhner und 400 Pflücker, sobald die Ernte beginnt. „Wir haben in der Produktion keine weißen Angestellten, alle Mitarbeiter sind Einheimische“, verrät der Plantagenbesitzer. Für die arbeitenden Mütter seiner Farm hat er Kinderkrippe und Kindergarten mit pädagogischer Betreuung geschaffen.

Bio ist sein Betrieb in Afrika nicht. Zu viele Schädlinge, Pilze und Umwelteinflüsse machen einen reinen Bio-Anbau auf den 600 Hektar Farmland kaum möglich. „Wir sind aber von der Rainforest Alliance zertifiziert, wir produzieren so bio wie möglich“, sagt Jebsen.

Erst mit dem eigenen Produkt zum Kaffeetrinker geworden

Ob sich sein Kaffeekonsum verändert hat, seit er die Farm betreibt? „Ja. Vorher habe ich keinen Kaffee getrunken, jetzt trinke ich welchen“, sagt er und lacht. Am liebsten brüht er ihn frisch gemahlen in einem altmodischen Filter auf. „Immer schön am Rand mit heißem Wasser nachschenken, das beste Ritual.“

Die neue Ernte beginnt bald und die Hälfte der Kaffeesäcke in der Lagerhalle in Rothenkrug ist bereits verkauft. Die Ernte der vergangenen Saison reicht gewöhnlich bis zum Ende des Jahres, im Januar kommt die neue Ware aus Tansania. Die aktuelle Ernte hängt noch an den Bäumen, bald werden die Pflücker ans Werk gehen.

Einmal im Monat werden 200 Säcke aus Rothenkrug nach Hamburg in eine kleine Familienrösterei gefahren – und kehren braungebrannt wieder nach Nordschleswig zurück. Und dann, dann duften sie auch nach Kaffee, die Kifaru-Bohnen aus dem Land des schwarzen Nashorns.

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