Wölfe in Jütland : Spuckende Lamas als Bodyguards für Schafe

<p>Für ihr Spucken bekannt: Lamas sind Respektspersonen bei Mensch und Wolf.</p>

Für ihr Spucken bekannt: Lamas sind Respektspersonen bei Mensch und Wolf.

Die dänischen Schäfer müssen ihre Herden gegen Wölfe verteidigen. Dafür braucht es keinen Hund, sagt der Verband.

shz.de von
10. Juli 2018, 16:04 Uhr

Apenrade | Der Einzug des Wolfs bereitet den dänischen Schäfern zunehmend Sorge. Führende Politiker und Minister wollen die Bestände der geschützten Raubtiere regulieren, doch es gibt offenbar eine gute Lösung aus dem Tierreich. Lamas könnten die Hütetiere der Zukunft sein.

„All die Wolfswelpen, die in Deutschland geboren wurden, müssen ja Platz zum Wandern haben“, sagt der Vorsitzende des nordschleswigschen Schafzüchterverbandes Sønderjysk Fåreavl, Jens R. Nielsen. Derzeit schielen die Schäfer noch vermehrt auf die Investition in mächtige Hunde, die ihre Schafe vor möglichen Angriffen schützen können. Insbesondere die Hüter kleinerer Herden werden dabei in Zukunft aber auch unkonventionelle Wege gehen, sagt Nielsen. Und es klingt wie eine Empfehlung.

 

Wer sich ein spuckendes Heer südamerikanischer Kamele in Kolonnenformation entlang der Grenze vorstellt, irrt freilich. Die Zweimeter-Riesen haben andere Qualitäten, die sie für den Einsatz als Herdenschutztier qualifizieren. Lamas können mit den Schafen mitäsen, machen wenig Arbeit, sie sind groß, wetterfest, mutig, aufmerksam wie Alarmanlagen und schon ab 200 Euro zu haben. Dazu sind sie angriffslustig – auch gegen Wölfe, bestätigt Frank Orloff Thomsen vom Aalborg Zoo im Dänischen Rundfunk.

<p>Ein Bild aus der Schweiz: Lamas wachen über das Vieh.</p>
imago/Geisser

Ein Bild aus der Schweiz: Lamas wachen über das Vieh.

Die Tiere stoßen Alarmrufe aus, laufen auf das Raubtier zu und schlagen mit den Vorderbeinen. So schaffen sie es, die leicht zu verunsichernden und scheuen Raubtiere zu verjagen. All diese Eigenschaften sind ihnen angeboren und müssen nicht mit viel Aufwand antrainiert werden. Im Extremfall gibt es noch die weit bekannte Geheimwaffe: Das Spucken übel riechender Essensbestandteile.

In Amerika werden sie deshalb seit fast 30 Jahren zum Schutz der Viehherden gegen Präriehunde und Pumas eingesetzt, in manchen Fällen sollen die Kamele sogar Kojoten getötet haben. In Buschau bei Schleswig sind die Lamas schon seit Jahren als Hütetiere im Einsatz. „Das Zusammenleben von Schafsherde und Lamas funktioniert ohne Probleme“, sagt Halterin Heidi Hoesch, „beide haben die gleichen Bedürfnisse“.

Über ihre Kontakte in die Schweiz wisse sie, dass der Einsatz als Herdenschutz gut funktioniere. Lamas seien extrem neugierig und würden deshalb sehr viel mitbekommen – selbst wenn ein Igel eindringt, werde das mit lauten Rufen kommentiert. „Hin und wieder“, sagt Hoesch, „spucken sie auch mal nach Hunden, wenn sie sich annähern – oder tun so als ob. Das allein reicht schon, um sie fernzuhalten.“

Die Schafzüchter in Südjütland sind noch nicht auf das Lama gekommen: noch kein einziges der Tiere wurde zur Wolfsabwehr angeschafft. Da laut Jens R. Nielsen aber erst die „Spitze des Eisbergs“ der Bedrohung durch Wölfe sichtbar geworden ist, sei es „vollkommen sicher [...] dass sich die Schäfer ein Lama oder ein anderes Schutztier kaufen“.

In erster Linie wäre das Wächter-Lama für kleinere Schaf- und Hofbesitzer ein Thema. Für größere Herden sind Hunde dann doch die bessere Lösung, meint Nielsen. In solchen Fällen bräuchte man so viele Lamas, dass ihre Haltung schon wieder kostenintensiv und aufwändig wäre.

Lamas sind gewohnt, in Herden zu leben, sie sind klassische Fluchttiere. Dies ist bei den Lamas jedoch nicht so stark ausgeprägt wie etwa bei Pferden. Lamas spucken im Regelfall auf ihre Artgenossen, um ihre Dominanz in der Herde zu zeigen oder sie auf Distanz zu halten, und nicht auf den Menschen. Geschieht dies doch, weist das oft auf eine Fehlprägung hin, auch bei extremer Belästigung kann ein Lama spucken. Dabei beweisen sie eine erstaunliche Treffsicherheit. Meistens wird halb verdauter Mageninhalt gespien. Die halbflüssige, grünliche Masse ist übelriechend, aber harmlos.
zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen