Barrieren in der Flensburger Förde : Schwimmender Wildschweinzaun laut WWF untauglich

Wildschweine können sehr gut schwimmen. Deshalb soll auch im Wasser eine Barriere aufgebaut werden, um zu vermeiden, dass die afrikanische Schweinepest ins Land kommt.
Wildschweine können sehr gut schwimmen. Deshalb soll auch im Wasser eine Barriere aufgebaut werden, um zu vermeiden, dass die afrikanische Schweinepest nach Dänemark kommt.

Der geplante Wildschweinzaun soll durch schwimmende Röhren in der Flensburger Förde ergänzt werden. Zweifel werden laut.

shz.de von
17. Juli 2018, 10:55 Uhr

Kopenhagen/Flensburg | Schwimmende Barrieren entlang der dänischen Küste in der Flensburger Förde sollen den geplanten 70 Kilometer langen Wildschweinzaun ergänzen, dessen Errichtung Dänemarks Regierung gemeinsam mit Sozialdemokraten und Dänischer Volkspartei beschlossen hat. Das berichtet JydskeVestkysten.

Naturbehörde gesteht Schwächen

Die  Barrieren würden die Wildschweine jedoch nicht abhalten, meint der Chef der Naturschutzorganisation WWF in Dänemark. Auch die Naturbehörde gesteht, dass es keine ganz sichere Lösung ist.

Laut Forstmeister Bent Rasmussen von der Naturbehörde würde es ohne die Barrieren zu Wasser kein Hindernis für die Wildschweine geben, die dem Zaun bis zur Küste folgen.

Ziel des Projektes Wildschweinzaun ist es, dass Dänemarks massiver Bestand an Zuchtschweinen nicht mit der sogenannten Afrikanischen Schweinepest infiziert werden soll. Die hat sich in den vergangenen Jahren unter anderem in Polen, Tschechien und Rumänien ausgebreitet.

Dänische Fleischindustrie soll geschützt werden

Die Regierung und ihre Unterstützerparteien sehen den Zaun vor allem als Fingerzeig an die weltweite Kundschaft der dänischen Fleischindustrie, dass dänische Schweineprodukte vor der Seuche geschützt werden.

Dazu soll nun also auch die Flensburger Förde mit Barrieren belegt werden, die 25 bis 30 Meter in die Förde hineinreichen. Die hartnäckigsten Wildschweine würde das allerdings nicht abhalten können, gesteht Rasmussen.

Und Dänemarks WWF-Generalsekretär Bo Øksnebjerg glaubt gar, dass die ganze Übung vergebene Mühe sei: „Wildschweine sind unglaublich gute Schwimmer und wir haben schon mehrfach erlebt, dass sie zwei, drei Kilometer vor der Küste auf der Flensburger Förde schwammen“, berichtet er. Øksnebjerg glaubt nicht das die Barriere besondere Wirkung zeigen wird, denn für die Wildschweine würden die schwimmenden Barrieren kein Problem darstellen. Überhaupt sei der Zaun eine schlechte Idee, weil dadurch andere Wildtiere Probleme bekommen würden.

Kritik: Pläne „fachlich schlecht untermauert“

Noch bis zum 18. Juli liegt der Entwurf des Zaunes zur Anhörung aus. Im August soll dann die endgültige Genehmigung folgen. Die könnte ruhig ausbleiben, wenn es nach der Sozialistischen Volkspartei geht. Die umweltpolitische Sprecherin der Oppositionspartei, Trine Torp, hält den gesamten Plan für „fachlich schlecht untermauert. Es gibt überhaupt keine Belege dafür, dass er Wildschweine abhalten wird. Und meines Wissens schwimmen sie an anderen Stellen rüber als da, wo man die Sperren auslegen will“, sagt sie. Zudem würden dadurch zum Beispiel Kajakruderer behindert. Auch der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes Südtondern beweifelt den Nutzen des geplanten dänischen Grenzzauns. In Harrislee formiert sich Widerstand gegen das Unterfangen, auch weil die Sinnhaftigkeit angezweifelt wird.

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