Verkleinerung der dänischen Naturschutzgebiete : Naturschutzverbände laufen Sturm gegen Natura-2000-Streichung

Die betroffenen Bereiche der Tonderner Marsch und des Nationalparks Wattenmeer hatte die Umweltbehörde kürzlich als Lebensraum seltener Arten mit Schutzstatus wie dem Blaukehlchen ausgemacht.

Die betroffenen Bereiche der Tonderner Marsch und des Nationalparks Wattenmeer hatte die Umweltbehörde kürzlich als Lebensraum seltener Arten mit Schutzstatus wie dem Blaukehlchen ausgemacht.

Betroffen sind Bereiche der Tonderner Marsch und des Nationalparks Wattenmeer, wo seltene Arten leben.

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07. Juni 2018, 10:39 Uhr

Kopenhagen | Im Bereich der Tonderner Marsch und des Nationalparks Wattenmeer soll nach den Plänen des dänischen Umweltministeriums der Natura-2000-Schutz ausgerechnet in den Bereichen gestrichen werden, die die Umweltbehörde kürzlich als Lebensraum seltener Arten mit Schutzstatus, wie dem Blaukehlchen, ausgemacht hat.

In der Tonderner Marsch möchte das Umweltministerium den grau markierten Flächen den Natura-2000-Schutzstatus entziehen.
Miljøstyrelsen/mst.dk

In der Tonderner Marsch möchte das Umweltministerium den grau markierten Flächen den Natura-2000-Schutzstatus entziehen.

Hintergrund: Was sind Natura-2000-Gebiete?

Natura 2000 bezeichnet ein zusammenhängendes Netz von Schutzgebieten innerhalb der EU. Es wird seit 1992 auf Basis der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH) sowie der Vogelschutzrichtlinie errichtet. Sie werden auch als FFH-Gebiete bezeichnet. Es hat zum Ziel, gefährdete wildlebende Planzen- und Tierarten und deren natürliche Lebensräume länderübergreifend zu schützen.

In Deutschland umfasst Natura 2000 die im Rahmen der FFH- und Vogelschutzrichtlinie gemeldeten Gebiete. Diese können sich räumlich überlagern. Insgesamt bedecken 5206 Gebiete in Deutschland 15,4 Prozent der terrestrischen und rund 45 Prozent der marinen Fläche des Bundesgebietes (Stand: 2015). EU-weit liegt der Meldeanteil der mehr als 27.000 FFH- und Vogelschutzgebiete bei ca. 18 Prozent der Landfläche aller Mitgliedstaaten (Stand: Dezember 2015). Der Zuschnitt der Gebiete in Schleswig-Holstein ist auf einer interaktiven Karte einsehbar.

In Dänemark gibt es aktuell 252 Natura-2000-Gebiete. Eine Übersicht gibt es auf der Internetseite des Umwelt- und Nahrungsmittelministeriums.

 

Der neue Umwelt- und Nahrungsmittelminister Jakob Ellemann-Jensen (Venstre-Partei) hat zu seinem Amtsantritt versichert, dass er sich dem Naturschutz besonders verpflichtet fühlt. Doch nun steht der neue Minister im Kreuzfeuer der Kritik, weil er nicht nur an der von seinem Vorgänger Esben Lunde Larsen (Venstre) angestrebten Verkleinerung der dänischen Naturschutzgebiete im EU-weiten Netz der Natura-2000-Gebiete festhält, sondern die Streichung des Schutzstatus' von weiteren 5000 Hektar anstrebt.

Naturschützer hoffen auf Nein der EU

Werden die Pläne des Umwelt- und Agrarministeriums von der EU-Kommission genehmigt, verlieren zehn Prozent der 340.000 Hektar Natura-2000-Gebiete ihren Schutz. Ausgewählt wurden sie wegen des Vorkommens besonders schützenswerter Arten, beispielsweise Kiebitzen, Uferschnepfen oder Wiesenweihen in der Tonderner Marsch. Der Naturschutzexperte des dänischen Vogelschutzvereins DOF, Knud Flensted, hofft, dass die EU-Kommission die Aufhebung des Natura-2000-Status' verweigert. „Die EU-Kommission hat seit Inkraftreten des Natura-2000-Schutzes vor über 20 Jahren fast nie einer Aufhebung zugestimmt“, berichtet er.

DOF kritisiert vor allem die Begründung des Umweltministeriums für die Aufhebung des Schutzes, es handele sich bei den Flächen um intensiv agrarisch genutzte Gebiete. „Die Regierung hat in vielen Bereichen ihre Verpflichtungen zum Schutz der Natura-2000-Flächen nicht eingehalten. Deshalb darf dieses Verhalten nicht als Begründung für die Aufhebung des Schutzes herhalten“, sagt der Biologe.

„Die größte Herausforderung in unserer Natur ist, dass Platz und Vernetzung fehlen“, so die Präsidentin des Verbandes Danmarks Naturfredningsforening, Maria Reumert Gjerding, die daran erinnert, dass Dänemark mit 8,3 Prozent Anteil von Naturschutzflächen an der Gesamtlandesfläche in der EU Schlusslicht ist.

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