Debatte über Vermummungsverbot : Im Alleingang gegen die Regierung: Ein Algerier würde alle dänischen Burka-Bußgelder bezahlen

<p>Sieht sich als „Anbeter der individuellen Freiheit“: Rachid Nekkaz.</p>

Sieht sich als „Anbeter der individuellen Freiheit“: Rachid Nekkaz.

Der Staat sollte sich nicht in die Wahl der Kopfbedeckung einmischen, findet Rachid Nekkaz. Strafzahlungen übernimmt er.

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06. März 2018, 16:14 Uhr

Seit Monaten diskutiert die dänische Regierung über ein Vermummungsverbot wie in Österreich. Es soll unter anderem muslimischen Frauen in Dänemark verbieten, ihr Gesicht mit Burkas oder Niqabs zu verschleiern. Der algerische Millionär Rachid Nekkaz stellt sich diesen Bestrebungen mit der Macht seiner Geldbörse entgegen. Er hat angekündigt, dass er die Bußgelder von allen Frauen übernehmen würde, die in Dänemark wegen Tragens einer Gesichtsverschleierung belangt werden. Das berichtet die dänische Zeitung „Kristeligt Dagbladet“.

 

In einem freien Land sollte jede Frau selbst entscheiden dürfen, ob sie sich verschleiere oder nicht, sagt der Geschäftsmann Nekkaz. Er hat bereits 1538 Bußgelder für muslimische Frauen in Frankreich, Belgien, der Schweiz, den Niederlanden und in Deutschland übernommen, die mit ihren Burkas oder Niqabs aufgrund der dortigen Vermummungsverbote belangt wurden.

„Ich werde alles dafür tun, dieses dänische Gesetz nichtig zu machen. Das bedeutet, dass ich sämtliche Bußgelder bezahlen werde, die diesbezüglich in Dänemark verhängt werden. In anderen Ländern wie Frankreich und Belgien ist es mir gelungen, die Vermummungsverbote so zu neutralisieren, dass sie nicht länger angewandt werden“, so Nekkaz zur Zeitung.

Millionär zahlt fast täglich

Der Kampf des Geschäftsmannes, der als Sohn algerischer Einwanderer in den Problemvierteln der Pariser Vororten aufwuchs, später Philosophie und Geschichte studierte und mit einem Startup-Unternehmen schließlich zum Millionär wurde, begann 2011 in Frankreich. Damals wurde es gesetzlich verboten, im öffentlichen Raum sein Gesicht zu verschleiern. Als das Gesetz in Kraft trat, hat Nekkaz einen „Fonds für die Verteidigung der Freiheit und der Laizität“ gegründet und diesen mit einem Startkapital von einer Million Euro ausgestattet. Seitdem begleicht der Millionär fast täglich entsprechende Bußgelder.

Der Niqab bedeckt vollständig das Gesicht. Er wird zusammen mit einem langen Kleid, meist in schwarz, getragen. Die Burka ist ein Ganzkörperschleier. Eine Art Gitter vor den Augen ermöglicht das Sehen. „Ich persönlich lehne den Ganzkörperschleier ab“, erklärte Nekkaz im Interview mit „Spiegel Online“, „aber in einem freien Land sollte jede Frau selbst entscheiden dürfen, ob sie sich verschleiert oder nicht. Und nicht der Staat."

Eine SMS oder E-Mail reicht, und schon kommt Nekkaz gerne persönlich vorbei, lässt sich von den Frauen versichern, dass sie den Niqab oder die Burka aus eigenen Stücken tragen, und zahlt bei den lokalen Behörden die Bußgeld-Rechnung.

Dänische Politiker wollen sich das nicht gefallen lassen

Durch sein Handeln hat Rachid Nekkaz bereits Politiker in ganz Europa gegen sich aufgebracht: „Ich bin so gespannt, wann sie mich jetzt endlich verhaften“, sagte er einmal in einem „Spiegel“-Interview. Am Freitag will er vor dem dänischen Parlament eine Pressekonferenz abhalten. „Ich möchte dem dänischen Folketing erzählen, dass es nutzlos ist, ein Verbot einzuführen, weil die betroffenen Frauen die Strafe ohnehin nicht selbst zahlen müssen“, sagt Nekkaz zum Kristeligt Dagbladet.

Der Sprecher für Rechts- und Integrationspolitik der Konservativen, Naser Khader, ist schockiert: „Das können wir nicht akzeptieren, genauso wie wir nicht akzeptieren können, dass eine Person das Bußgeld für jemanden bezahlt, der zu schnell gefahren ist. Er untergräbt die dänische Gesetzgebung – und das müssen wir verhindern“, so Khader, der eine Gesetzverschärfung für möglich hält.

Rachid Nekkaz wird dies vermutlich nicht abschrecken, er wurde in der Vergangenheit bereits mehrfach in anderen Ländern für sein Handeln verhaftet. Für ihn ist es „ein Kampf für die Menschenrechte und die Freiheit“.

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