Auch in SH verkauft : Hepatitis A in Datteln: EU-Schnellwarnsystem RASFF aktiv

<p>Rema 1000 warnt auf Facebook vor dem Verzehr.</p>

Rema 1000 warnt auf Facebook vor dem Verzehr.

Tausende Verbraucher sind nervös: Haben sie sich auch angesteckt? Ein Forscher mahnt zur Ruhe.

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09. Februar 2018, 15:46 Uhr

Die Befürchtung weiterer Infektionen bestätigte sich bereits am Donnerstag: Jetzt sind es nicht mehr 13, sondern 14 Menschen in Dänemark, die sich über den Verzehr größerer Mengen Datteln mit Hepatitis A infiziert haben sollen. Von den sieben Frauen und sieben Männern mussten mit einer Ausnahme alle stationär behandelt werden. Tausende Bürger, die in der Weihnachtszeit und danach ebenfalls „Juicy Dates“ aßen, sind derzeit nervös. Denn auch sie könnten sich über den Verzehr der beliebten Früchte angesteckt haben, die beim Discounter Rema 1000 verkauft wurden.

Update 9. Februar, 15.50 Uhr: Wegen eines möglichen Befalls mit Hepatitis-A-Erregern ruft der Hamburger Nahrungsmittelhändler Nutwork die Datteln „Juicy Dates“ des dänischen Unternehmens RM Import A/S zurück. Vom Verzehr wird dringend abgeraten. Wie das Unternehmen mitteilte, wurde das Produkt über mehrere Großhändler deutschlandweit vertrieben. Bei Rückgabe der Datteln im Laden erhielten Verbraucher den Kaufpreis erstattet, auch ohne Vorlage des Kassenbons. Betroffen seien 400-Gramm-Pakete mit den Mindesthaltbarkeitsdaten 28.01. und 10.06.2018.

Auch in Norddeutschland sind inzwischen zurückgerufenen Datteln des Importeurs „RM Import“ im Handel. Auf eine Anhäufung der Erkrankungen in SH deutet momentan nichts hin. Für 2018 ist bislang lediglich eine Meldung einer Hepatitis-A-Erkrankung aus dem Kreis Rendsburg-Eckernförde bekannt, 22 waren es landesweit im gesamten Jahr 2017. Schleswig-Holsteins Verbraucherschutzministerium hatte nach einer shz.de-Anfrage am Mittwoch über das Veterinäramt Nachforschungen eingeleitet und vertreibende Handelsketten dazu aufgefordert, entsprechende Produkte sicherheitshalber aus den Regalen zu entfernen, bis Genaueres feststeht. Seit Donnerstagnachmittag liegt eine Meldung des europäischen Schnellwarnsystems RASFF vor.

„Wir haben die für die Edeka- und Netto-Zentralen zuständigen Behörden in Neumünster und Bayern informiert, um weitere Ermittlungen gebeten und freiwillige Rückrufe angeregt,“ erklärte Oliver Breuer, Pressesprecher des Verbraucherschutzministeriums, am Donnerstag. „Wir erwarten, dass die Ware zentral zurückgerufen wird, beziehungsweise dass die Behörde in Hamburg dies veranlasst und darüber über lebensmittelwarnung.de informiert.“

Der dänische Rundfunk „DR“ veröffentlichte am Donnerstagabend weitere Hinweise zu den verdächtigten Produkten. Demnach soll das Produkt „Juicy Dates“ in der 400 Gramm Packung mit dem EAN-Strichcode 5708147003186 das Virus in sich getragen haben. Vor folgenden zwölf Chargen wird gewarnt.

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L3130425 L3130507 L3130511 L6130615
L3130426 L3130508 L3130517 L7130512
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Bei shz.de sind inzwischen Meldungen von Menschen aus Schleswig-Holstein eingangen, die vermutlich oder bestimmt mit besagten Chargen in Berührung gekommen sind. Betroffene werden vom Gesundheitsministerium gebeten, das Veterinäramt des Kreises zu informieren. Wer Anlass zur Sorge hat, sollte seinen Arzt aufsuchen. Ob eine Nachimpfung Sinn macht, darüber befinden Mediziner im Einzelfall.

Dass es überhaupt gelingen konnte, den genauen Überträger zu finden, ist für Professor Helmut Fickenscher vom Institut für Infektionsmedizin an der Uni Kiel eine kleine Sensation, die der Mediziner mit der „Nadel im Heuhaufen“ gleichsetzt. Doch für seine dänischen Kollegen hat sich die konkrete Nennung als schwere Last entpuppt: Nervöse Dattelesser haben nach der unheimlichen Nachricht Gesprächsbedarf. „Man kann sagen, dass die Telefone heißgelaufen sind“, sagte Seniorforscher Steen Ethelberg vom Serum Institut dem Dänischen Rundfunk.

Nüchtern betrachtet müssten die Sorgen der Konsumenten derzeit aber eher sinken als zunehmen: „Bei den meisten Menschen, die die Datteln gegessen haben, sind ja keine Symptome aufgetreten – weil sie gar nicht infiziert wurden“, sagte Ethelberg. Da die Inkubationszeit bis zu 50 Tage betragen kann, sind vereinzelte weitere Ausbrüche jedoch theoretisch denkbar.

Was ist Hepatitis?

Eine Hepatitis ist eine Leberentzündung, volkstümlich wird die Hepatitis, wegen der gelben Haut, die die Krankheit hervorrufen kann, auch „Gelbsucht“ genannt. Sie kann die Leberzellen schädigen und damit die Funktion der Leber beeinträchtigen.

Was macht eigentlich die Leber?

Die Leber ist das größte unserer inneren Organe und spielt beim Stoffwechsel von Fetten, Kohlenhydraten und Eiweißen eine wichtige Rolle. Sie entzieht dem Blut gefährliche Stoffe und produziert Galle für die Verdauung. Außerdem speichert unser Organismus Vitamine und Spurenelemente wie Eisen, Kupfer, Zink und Mangan in der Leber.

Welche Ursachen gibt es für eine Hepatitis?

Eine Hepatitis kann verschiedene Ursachen haben. Sie kann durch Viren, Bakterien oder Parasiten ausgelöst werden. Auch übermäßiger Alkoholkonsum oder bestimmte Medikamente können zu einer Leberentzündung führen. Am häufigsten wird Hepatitis jedoch durch Viren ausgelöst.

Woran erkenne ich eine Hepatitis?

Die Symptome einer Hepatitis können sehr unterschiedlich ausfallen. Manche leiden sehr stark und andere haben keine Beschwerden und die Hepatitis wird nur zufällig durch erhöhte Leberwerte entdeckt. Meist beginnt eine Hepatitis mit allgemeinen Symptomen wie Müdigkeit, Appetitlosigkeit  oder einem Druckgefühl im rechten Oberbauch. Später können charakteristische Symptome hinzukommen: leichte Gelbfärbung von Haut und Augen, Juckreiz, verfärbter Stuhl und Urin.

Wie wird eine Hepatitis übertragen?

Eine Übertragung ist abhängig vom Virustyp.

Hepatitis A wird hauptsächlich durch Kontakt- oder Schmierinfektion übertragen. Häufig wird Hepaititis A auf Reisen in Länder übertragen, in denen schlechte hygienische Bedingungen im Lebensmittelbereich herrschen.

Hepatitis B wird durch alle Körperflüssigkeiten übertragen. Blut, Sperma, Speichel, Tränen, Urin, Muttermilch etc. Jeder Kontakt ist gefährlich.

Hepatitis C wird hauptsächlich über das Blut übertragen, wobei das Virus aber in nahezu allen Körperflüssigkeiten nachgewiesen werden kann. Ein hohes Ansteckungsrisiko besteht bei intravenösem Drogenkonsum mit nicht sterilen Nadeln, Tätoowierungen oder Piercings.

Hepatitis D kommt nur zusammen mit einer Hepatitis B-Infektion vor und wird durch Körperflüssigkeiten übertragen.

Hepatitis E-Erreger kommen hauptsächlich in Afrika und Asien vor und werden über Trinkwasser oder Nahrung übertragen.

Welche Hepatitis-Imfungen gibt es?

Hepatitis-Impfungen gibt es nur für Hepatitis A und B. Gegen eine Hepatitis C gibt es bislang noch keine Impfung, sie ist jedoch seit einigen Jahren durch eine Behandlung mit Tabletten heilbar geworden. Weniger gut als bei einer Hepatitis-C-Diagnose stehen die Aussichten bei einer Diagnose mit einer Hepatitis-B – sie gilt als Diagnose fürs Leben. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt seit 1995 Impfungen gegen Hepatitis B für alle Säuglinge, Kleinkinder und Jugendliche. Eine Hepatitis A-Impfung wird vor allem vor Reisen in Länder, in denen schlechte hygienische Bedingungen im Lebensmittelbereich herrschen. Jedoch steigt die Zahl der Hepatitis A-Registrierungen in den letzten Jahren auch hierzulande - besonders in den Großstädten. Von den bundesweit rund 550 gemeldeten Infektionen mit Hepatitis A in diesem Jahr stammen gut 100 aus Berlin.

Wann und wie oft muss geimpft werden?

Die Grundimmunisierung wird durch drei Impfungen erreicht. Die zweite Impfung sollte vier Wochen nach der ersten erfolgen. Die dritte wird sechs Monate nach der ersten Impfung gespritzt. Bereits nach der zweiten Impfung haben sich meist Antikörper gebildet. Ein Langzeitschutz mit 96 Prozent Sicherheit wird jedoch erst nach der dritten Injektion erreicht.

Was kostet eine Hepatitis-Impfung?

Kinder bis zum 18. Lebensjahr müssen nichts für eine Hepatitis-Impfung zahlen. Sie wird von der Krankenkasse übernommen. Bei gefährdeten Berufsgruppen kann eine Übernahme der Kosten durch die Krankenkasse oder den Arbeitgeber erfolgen. Bei medizinischem Personal muss der Arbeitgeber die Kosten tragen. Einige Krankenkassen erstatten die Kosten für eine Reiseimpfung.

Ansonsten kostet eine Hepatitis B-Impfung circa 50 Euro. Die drei Spritzen zur Grundimmunisierung liegen also bei rund 150 Euro. Für etwa 180 Euro kann eine Grundimmunisierung mit einer Kombiimpfung gegen Hepatitis A und B erfolgen.

Wie finde ich heraus, ob ich einen Impfschutz habe?

Gegen welche Krankheiten Sie wann geimpft wurden, können Sie Ihrem Impfpass entnehmen.

Obwohl der Impfpass ein wichtiges Dokument ist, geht er vielen verloren. Sollte das der Fall sein, kann man beim Hausarzt einen neuen beantragen. Die geleisteten Impfungen werden dann hier nachgetragen - sofern dieser die Impfungen durchgeführt hat. Ansonsten sollten Sie bei Ihrem ehemaligen Hausarzt anrufen. Sollte auch das nicht möglich sein, gibt es die Möglichkeit die Frage nach dem Impfschutz mithilfe eines Bluttests zu beantworten. Die Kosten für einen solchen Bluttest müssen jedoch selbst getragen werden.

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